Ablenkungen adé: Wie du deine Produktivität messbar steigerst

Organisation für Autoren

Dieser Artikel ist Teil der Blogreihe »Ablenkungsfreies Schreiben«, in der ich dir ein paar Tipps und Tricks an die Hand gebe, wie du während des Schreibens bei der Stange bleiben kannst.

Wer kennt es nicht? Da hast du dich gerade zum Schreiben niedergelassen, schon piept  die Waschmaschine. Ach komm, eben fix die Wäsche aufgehängt und dann zurück an den Schreibtisch. Wenn du nur nicht so müde wärst. Du entschließt dich, Kaffee zu kochen. Auf dem Weg mit der Kaffeetasse zurück an deinen Schreibplatz klingelt das Telefon. Schwiegermama will mit dir die Sitzordnung für die Familienfeier nächsten Monat durchgehen. Ob das nicht warten könne? – Nein, das ist wichtig!
Nach einer Dreiviertelstunde sitzen Tante Erna und Onkel Hans Gott sei Dank weitmöglichst auseinander, nicht auszudenken, wenn die beiden nach ein paar Gläsern Bier zu viel wieder wegen ihrer politischen Ansichten aneinander geraten, so wie beim letzten Mal. Der Kaffee in deiner Tasse ist nun kalt, du kochst neuen. Währenddessen ist auch die Spülmaschine durchgelaufen, die du jetzt auch eben noch ausräumen kannst, wo du sowieso schon dumm in der Küche rumstehst. Endlich, endlich setzt du dich mit deiner heißen Tasse Kaffee an den Schreibtisch, öffnest dein Manuskript, starrst auf den letzten Absatz.
Plötzlich ein leises Pling! Oh, eine Mail vom Autorenkollegen! Haha, lustige Anekdote. Du könntest ihm ja schnell noch eine Nachricht schicken. Nur ein paar kurze Zeilen auf Twitter. Was, 10 neue Mitteilungen? Was ist denn da los? Uih, eine interessante Diskussion über diese bösen Ablenkungen, wenn man doch eigentlich schreiben will! Na, da hast du doch auch etwas beizutragen! Und du fängst an zu tippen – allerdings nicht in deinem Manuskript … Zack, sind anderthalb Stunden vergangen. In einer Stunde kommen die Kinder aus der Schule. Vielleicht solltest du schon einmal das Mittagessen vorbereiten? Schreiben kannst du ja auch später noch … oder morgen.

Kommt dir das irgendwie bekannt vor? Mir nur allzu gut. Ich habe zwar keine nervige Schwiegermutter, aber wenn wir mal ehrlich sind: Irgendwas ist doch immer, oder? Wir sind großartig darin, uns von dem abzuhalten, was wir eigentlich tun sollten – und eigentlich auch tun wollen! Egal, ob es um die Wäsche, die Familie oder einen netten Onlineplausch mit den lieben Kollegen geht – das alles erscheint uns häufig so viel wichtiger als Wörter zu Papier zu bringen.

Ablenkungen lauern an jeder Ecke. Besonders heimtückisch sind die Weiten des World Wide Web. Nur kurz Facebook, Twitter oder Instagram gecheckt, hier einen lustigen Spruch geteilt, dort ein nettes Bildchen retweetet. Man muss ja schließlich im Gespräch bleiben! Ach, und da war doch noch diese eine Sache, die du ganz dringend recherchieren wolltest … *klick*klick*klick* Und ehe du dich versiehst, sind schon wieder zwei Drittel deiner Schreibzeit futsch. Einfach weggesurft.

Offline zu sein, ist für viele von uns mittlerweile wie eine Strafe. Wir fühlen uns abgeschnitten vom Rest der Welt, werden unruhig, haben das Gefühl, etwas zu verpassen. Gerade als Autor (oder anderweitig kreativ Tätige) gehören wir online häufig einer Gemeinschaft Gleichgesinnter an, von denen wir uns Zuspruch und Kritik holen, deren Arbeiten wir begleiten und umgekehrt. Das alles ist ohne Frage wunderbar. Auch ich möchte den kreativen Onlineaustausch, vor allem in den Sozialen Netzwerken, nicht mehr missen.

Wir laufen jedoch schnell Gefahr, uns diesen Zuspruch immer dann zu holen, wenn wir am Computer sitzen. Eine Mail von einem begeisterten Leser, eine Erwähnung bei Facebook, ja nur eine kleine Benachrichtigung bei Twitter setzen in unserem Gehirn Stoffe frei, die das Belohnungszentrum aktivieren.  Jeder neue Post ist wie ein winziger Glücksmoment. Und so aktualisieren wir unsere Timeline öfter als notwendig und viel häufiger, als uns guttut. Allzu gerne lassen wir uns von den Erfolgen, Nöten und Erlebnissen unserer Online-Freunde und Bekanntschaften ablenken.

Die Verlockung ist natürlich groß, mal eben ins Autorenforum zu schauen oder Instagram aufzurufen, v. a. wenn wir daheim an unserem PC mit Internetzugang sitzen und das Smartphone direkt neben uns liegt. Wie können wir uns dagegen wappnen, auch wenn es uns so manches Mal an Selbstdisziplin mangelt?

Manche Autoren schwören darauf, die Internetverbindung ihres Computers während ihrer Schreibzeit komplett zu trennen und das Handy so lange außer Reichweite, am besten in einem anderen Zimmer (nicht neben der Kaffeemaschine!) aufzubewahren. Das hat den großen Vorteil, das wirklich ablenkungsfrei gearbeitet werden kann, da nicht plötzlich eine störende E-Mail aufploppt und uns aus dem Fluss bringt. Einen Nachteil hat es jedoch auch: Du kannst nicht mal eben Google Maps oder Streetview aufrufen, um eine für deine aktuelle Szene wichtige Lokalität zu recherchieren. Wie wird gleich nochmal Komitee geschrieben? Und welches andere Wort kann man für schön verwenden?

Sicher kannst du all diese Fragen auch klären, nachdem du die Szene hochkonzentriert geschrieben hast. In den gängigen Textverarbeitungsprogrammen kannst du z. B. einfach Kommentare setzen und diese später durcharbeiten. Doch auch während des Schreibens kann Internetzugriff durchaus nützlich sein, wenn man sich nicht allzu schnell ablenken lässt. Hier ist Disziplin gefragt.

Ich bin auch jemand, der gerne online ist. Mehrmals täglich checke ich die Neuigkeiten in den Sozialen Medien und erfreue mich an den Posts meiner Freunde und Kollegen. Um beim Schreiben ablenkungsfrei arbeiten zu können, wende ich daher eine durchaus bekannte und sehr effektive Technik an, die für mich sehr gut funktioniert und auch dir dabei helfen kann, deine Wörter aufs Papier oder in den Computer zu bringen.

Die Pomodoro-Technik

25 Minuten pure Konzentration. Klingt machbar, oder? Die Pomodoro-Technik ist eine simple Methode des Zeitmanagements, die in den 1980er Jahren von dem Italiener Francesco Cirillo erfunden wurde. Alles, was du dafür brauchst, ist ein Timer, z.B. in deinem Handy oder auch eine Küchenuhr. Wichtig ist, dass du einen Timer benutzt, der die Minuten herunterzählt und dich nach ihrem Ablauf z.B. durch einen kleinen Ton benachrichtigt und keine Stoppuhr, die heraufzählt. Cirillo hat als Timer eine Küchenuhr in Form einer Tomate benutzt; so kam die Technik zu ihrem Namen.

Ansonsten ist es wirklich eine Technik, die superleicht zu erlernen ist. Zuerst formulierst du ganz knapp die anstehende Aufgabe für die nächsten 25 Minuten: »Erstes Treffen zwischen Protagonist und Antagonist schreiben. Konflikt & Foreshadowing!« – oder so ähnlich. Du kannst es natürlich auch gerne ausführlicher machen, nur solltest du dich nicht in der Planung der Aufgabe verlieren.

Im nächsten Schritt stellst du deinen Timer auf 25 Minuten. Dieser Zeitraum ist ein sogenannter Pomodoro, in dem du ausschließlich an der eben formulierten Aufgabe arbeitest. Hier kann es durchaus hilfreich sein, das Handy außer Reichweite zu legen (wenn dein Timer dort integriert ist, allerdings nicht allzu weit), das Telefon auszustöpseln und das Internet abzuschalten. Hier wird nicht geschummelt! Zum Glück sind 25 Minuten eine überschaubare Zeit – auch wenn es darum geht, aufdringliche Familienmitglieder zu vertrösten. »Ich bin die nächsten 25 Minuten beschäftigt, aber danach höre ich dir zu und wir können überlegen, was es zum Abendessen geben soll oder wer morgen die Kinder vom Kindergarten abholt« ist wesentlich besser zu kommunizieren als »Ich schreibe die nächsten drei Stunden und bin nicht ansprechbar« – nur, um dann vom Partner beim Stöbern auf Facebook »erwischt« zu werden …

Wenn der Timer nach 25 Minuten klingelt, sind 5 Minuten Pause angesagt. Lehn dich zurück und genieße, was du in der letzten knappen halben Stunde geschafft hast. Wenn du deine Szene zu Ende geschrieben hast, kannst du diese Aufgabe durchstreichen (dieser Schritt erhöht das Erfolgserlebnis!) und mit der nächsten Aufgabe weitermachen, z. B. »Online-Recherche zu den örtlichen Gegebenheiten im Central Park der 1920er Jahre.« Nach Ablauf der Pause wird der Timer wieder auf 25 Minuten gestellt und der nächste Pomodoro beginnt.

Je nach Arbeitsaufwand kannst du immer einen weiteren Pomodoro anhängen. Sobald du vier Pomodoros hintereinander abgearbeitet hast – also insgesamt 100 Minuten – ist eine längere Pause von 15 Minuten angedacht, um deine Muskeln zu lockern und den Kopf wieder freizukriegen. Dann kannst du die nächste Runde starten.

Das Schöne an dieser Methode ist, dass du deinen inneren Schweinehund damit ganz leicht austrickst. 25 Minuten konzentriert arbeiten? Easy, schafft doch jeder! 25 Minuten mal nicht ins Netz schauen? Klar, warum nicht? Indem du die Arbeit und deine Aufgaben in kleine, nicht einmal eine halbe Stunde dauernde Häppchen aufteilst, schaffst du eine ganze Menge und bist so produktiv wie nie zuvor.

Die Android-App Writeometer, auf die ich in einem der nächsten Artikel näher eingehen werde, hat zum Beispiel einen eingebauten Timer, der bereits auf 25 Minuten voreingestellt ist (du kannst aber auch jede andere beliebige Zeit einstellen). Nach Ablauf dieser Zeit kannst du deine in diesem Pomodoro geschriebene Wortzahl eintragen und so mithilfe eines wachsenden Balkens gleichzeitig deinen Schreibfortschritt im Auge behalten. Leider ist die App bislang nur für Android-Telefone erhältlich.*

Für Aufgaben, in denen du keine Wörter zählst, wie z. B. der Recherche oder beim Erstellen von Marketingmaterial, kannst du beispielsweise auch auf die App Clockwork Tomato zurückgreifen. In dieser werden auch automatisch die Pausen angezeigt, sodass du genau weißt, wann du mit dem nächsten Pomodoro beginnen musst. Allerdings gibt es auch diese App nur für Android.*

Benutzt du die Pomodoro-Technik bereits? Welche Erfahrungen hast du damit gemacht? Oder schwörst du beim Schreiben auf eine andere Methode?

*Wenn du iOS-Alternativen zu den genannten Apps kennst, schreib sie gerne in die Kommentare! 🙂

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