Vom Scheitern

Autorenleben

»Ich bin nicht gescheitert. Ich habe 10.000 Wege entdeckt, die nicht funktioniert haben.«
Thomas Alva Edison

Wir alle scheitern. Ständig. Auch wenn wir es nicht gerne zugeben. Es gibt zahlreiche Zitate (wie das obige von Edison), die vom Nutzen des Scheiterns sprechen, die uns sagen: Kopf hoch! Scheitern gehört zum Leben dazu. Und natürlich haben diese Zitate recht, niemand hat ständig nur Erfolg – auch wenn manche (Online-)Auftritte uns das weismachen wollen. Und auch wenn Scheitern zum Leben dazugehört: Niemand gibt  gerne zu, eine Aufgabe nicht bewältigen zu können. Denn, wie Stefanie Kara und Claudia Wüstenhagen in ihrem Artikel Die Kunst des Scheiterns* so treffend formulieren: »Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der Menschen an ihren Erfolgen gemessen und für ihre Niederlagen verurteilt werden. In kaum einem anderen Land der Welt werden Misserfolge so sehr geächtet wie hier.«

Nur, wer leistet, ist etwas wert. Nur, wer sein Leben nicht nur auf die Reihe bekommt, sondern Außergewöhnliches schafft, hat sich Anerkennung verdient. Wer ständig gestresst ist, von Termin zu Termin hetzt, unglaublich beschäftigt wirkt und in Arbeit versinkt, scheint etwas richtig zu machen – zumindest, wenn man den Kommentarspalten einschlägiger Onlinezeitungen glaubt. Und wer finanziell, physisch, psychisch oder in einem beliebigen anderen Bereich abgehängt wird … tja, selbst schuld.

Davon können Autoren noch einmal ein besonderes Lied singen. Wer nicht vom Schreiben lebt, gilt lediglich als Hobby-Schriftsteller, nicht als »richtiger Autor». Anerkennung? Fehlanzeige.

Aber sind wir tatsächlich gescheitert, nur weil sich das frisch veröffentlichte Werk nicht so verkauft, wie wir es gerne hätten? Weil sich irgendeine fremde Person bemüßigt fühlt, eine 1-Sterne-Rezension bei Amazon zu veröffentlichen und uns rät, doch lieber einen anständigen Beruf zu ergreifen und die Leser in Zukunft von unserem Geschreibsel zu verschonen? Weil wir vielleicht nicht den Erfolg haben, den wir uns wünschen?

Als Autoren brauchen wir ein äußerst dickes Fell. Nicht nur im Umgang mit Kritik oder ausbleibendem Erfolg, sondern auch in Bezug auf unsere tägliche Arbeit. Wir scheitern ständig. Ob uns die richtigen Worte fehlen, uns die Szene, an der wir nun schon drei Wochen schreiben, einfach nicht gelingen will, ob  die Figur nicht das macht, was sie soll, ob wir uns in der Geschichte verirrt haben und nach 250 geschriebenen Seiten entnervt aufgeben, ob ein dummer Kommentar aus unserem Familien- oder Bekanntenkreis uns trifft oder ob mal wieder ein Ablehnungsschreiben von einer Agentur oder einem Verlag eintrudelt – zu scheitern ist geradezu unser Alltag.

Ist das nun Grund zur Verzweiflung? Ich denke nicht. Denn eines haben all diese Zitate über das Scheitern gemein: Sie alle zeigen, dass zu scheitern nicht das Ende ist. Ja, es ist ärgerlich. Ja, es ist nervig. Ja, es ist furchtbar blöd und wir fühlen uns unzulänglich – vor allem, weil uns in den Sozialen Netzwerken ständig die Erfolge unserer Mitmenschen  und Kollegen unter die Nase gerieben werden.

»Habe heute 10.000 Wörter geschrieben! Yay!«
»Verlag XYZ will meine Buchreihe veröffentlichen. Habe gerade den Vertrag für drei Bücher unterschrieben!«
»Ich habe 1000 Ideen für neue Geschichten – und ich liebe sie alle!«
»Juhu, mein Buch ist auf Platz 10 der Bestsellerliste!«

Solche oder ähnliche Meldungen werden uns tagtäglich in die Timeline gespült. Von vielen Autoren habe ich schon gehört, dass sie sich zwar einerseits für die Kollegen freuen, sich jedoch anderseits unter Druck gesetzt fühlen – oder schlimmer noch – glauben, dass sie keine guten oder keine »richtigen« Autoren seien, weil sie noch nichts veröffentlicht haben, weil sie nicht jeden Tag schreiben (können oder wollen), weil sie nicht sechs Bücher pro Jahr veröffentlichen oder bereits mehrfach ein Nein von Agenturen oder Verlagen erhalten haben.

Es heißt ja immer, man solle aufhören, sich mit anderen zu vergleichen. Ich bin nicht sicher, ob das überhaupt möglich ist. Auch wenn wir es uns fest vornehmen, letztendlich tun wir es ja doch. Da ist immer jemand, der besser aussieht, fleißiger oder erfolgreicher ist, mehr und besser schreibt, mehr verdient … Vielleicht ist es aber auch gar nicht nötig, das Sich-Vergleichen einzustellen, sondern sich zu sagen: »Hey, Autor X hat gerade ein tolles Erfolgserlebnis und ich freue mich für ihn. Das möchte ich auch. Was muss ich dafür tun?«

Und sich auch bewusst machen, dass eben nicht alles Gold ist, was glänzt. Der Verlagsvertrag kann in Stress ausarten, weil man plötzlich von Fremden festgesetzte Fristen einhalten muss. Das Buch kann sich nicht so gut verkaufen, wie gedacht, und vom Verlag nicht mehr nachgedruckt werden. Die 10.000 geschriebenen Wörter können der größte Murks sein, Stunden in der Überarbeitung verschlingen oder gar ganz aus dem Manuskript herausfliegen. Nicht, dass wir das irgendwem wünschen. Aber solche Gedanken helfen uns, zu verinnerlichen, dass Erfolg relativ ist. Er ist das, was du daraus machst.

Besonders extrem wird der Vergleich untereinander für uns Autoren im November, wenn sich hunderttausende Schriftsteller weltweit wieder am NaNoWriMo, dem National Novel Writing Month teilnehmen, in dem es gilt, 50.000 Wörter in dreißig Tagen zu schreiben. 50.000 Wörter in dreißig Tagen? Das sind 1.667 Wörter am Tag. Dreißig Tage lang. Das ist eine ganze Menge. Und es kann sehr frustrierend sein, wenn man seine Kollegen an sich vorbeiziehen sieht und sich selbst fühlt wie eine Schnecke auf Glatteis. Es gibt Autoren, die schaffen dieses Pensum innerhalb von drei Tagen. Es gibt die gemächlichen Schreiber, die pünktlich am 30. November (um kurz vor Mitternacht) das Ziel erreichen (Hier, ich! 👋). Und dann gibt es diejenigen, die es sich fest vornehmen und trotzdem nach wenigen hundert Wörtern aufgeben. Weil die Geschichte nicht so funktioniert, wie sie soll, oder einem das Leben dazwischenfunkt.

Wenn ich den NaNoWriMo nicht bezwinge, bin ich dann gescheitert? Nicht doch. Der Wordcount sagt letztendlich gar nichts über die Qualität eines Textes aus. Wie heißt es auf Kölsch so schön? Jede Jeck is anders. Es gibt Viel- und Wenigschreiber. Autoren, die ein Buch pro Monat schreiben und andere, die mehrere Jahre für eine Kurzgeschichte benötigen. Autoren, die das Wettkampf-Feeling lieben, das der NaNo mit sich bringt, und Autoren, die mit Wörterzählen so gar nichts anfangen können. Und all das ist in Ordnung. Egal, wie du als Autor arbeitest – erlaubt ist, was für dich funktioniert. Und auch dann, wenn du deinen Weg noch nicht gefunden hast, dich noch ausprobierst: Das sagt rein gar nichts darüber aus, wie erfolgreich du als Autor warst, bist oder sein wirst.

Denn, sind wir mal ehrlich: Wer entscheidet, wer oder was erfolgreich ist? Für den einen ist es ein Erfolg, wenn er es schafft, einmal im Monat ein paar Wörter zu Papier zu bringen. Und für den anderen ist die oberste Sprosse der Erfolgsleiter auch nach zehn Bestsellern noch nicht erreicht.

So oder so, du wirst deinen Weg gehen. Selbst, wenn du irgendwann entscheiden solltest, dass dir das Schreiben keinen Spaß mehr macht und du es aufgibst: Dann bist du kein gescheiterter Autor. Dann bist du einfach nur ein Mensch, der sein Interesse und seine Prioritäten auf andere Aktivitäten richtest. Und das ist doch nun wirklich kein Grund, sich schlecht zu fühlen. (Obwohl auch das natürlich erlaubt ist, denn vermeintliches Scheitern tut weh – keine Frage.)

Autor sein bedeutet scheitern lernen. Ich wünsche mir, dass wir mit unseren Misserfolgen ebenso offen umgehen wie mit unseren Erfolgen. Wir sind keine Maschinen. Scheitern ist etwas, das uns menschlich macht.

Vielleicht sollten wir es mit Winston Churchill halten, der sagte: »Erfolg ist die Fähigkeit, von einem Misserfolg zum anderen zu gehen, ohne seine Begeisterung zu verlieren.«

Und auch über unser Scheitern sprechen, denn es ist etwas, das uns alle verbindet.

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*erschienen auf Zeit Online am 11. Juni 2013 und in Zeit Wissen Nr. 04/13. Zuletzt aufgerufen am 8.7.2019 um 13:53 Uhr.
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Vom Umgang mit Kritik

Autorenleben

Wer sich als Person und/oder mit seiner Arbeit in die Öffentlichkeit begibt, setzt sich zwangsläufig Kritik aus. Ein wichtiges Marketinginstrument für Autoren sind die Kundenrezensionen oder Lesermeinungen geworden, die z. B. auf Amazon zu finden sind oder von diversen Bücherblogs ins Netz gestellt werden.

Jeder von uns freut sich natürlich, wenn das Buch eine sehr gute Bewertung bekommt, wenn es vielleicht sogar in den Himmel gelobt wird und man als neuer Lieblingsautor oder gar Entdeckung des Jahres bezeichnet wird, wenn der Leser unsere monate- oder sogar jahrelange Arbeit zu schätzen weiß.

Umso schmerzhafter kann es sein, wenn das Buch einem Leser nicht zusagt und er seinen Unmut mit einer schlechten Bewertung kundtut. Wir sind natürlich zurecht stolz auf unser Werk – und dann kommt jemand daher und wagt es, uns eine 1-Sterne-Bewertung reinzudrücken mit der Begründung, dass er den Protagonisten unsympathisch, den Love Interest nervig, die Handlung unglaubwürdig und den Schreibstil grottig fand? Und plötzlich sind wir entweder wahnsinnig wütend auf den Banausen, der unser Genie nicht erkennen will oder beginnen, an uns selbst zu zweifeln. Habe ich vielleicht doch schlechte Arbeit geleistet? Hat der Rezensent vielleicht recht? Ist mein Buch das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt wurde?

Besonders interessant in dieser Hinsicht ist, dass eine schlechte Rezension uns viel mehr beschäftigt als Dutzende gute bis sehr gute. Wir kommen ins Grübeln, entweder über den unfairen Rezensenten oder unsere eigene Schaffenskraft. Bei einer positiven Rezension würde uns das nie einfallen. Wir freuen uns eine Zeit lang, bedanken uns vielleicht und sind motiviert, das nächste Buch mindestens ebenso gut hinzubekommen.

Eine negative Bewertung kann ebenfalls motivierend wirken, ganz nach dem Motto: Jetzt erst recht!, aber sie kann auch in eine Krise stürzen und schlimmstenfalls eine Schreibblockade hervorrufen.

Wie sollen wir mit schlechter Kritik umgehen?

Ehrlich gesagt: am besten gar nicht. Wir als Autoren sind eigentlich gar nicht die Zielgruppe für Rezensionen, das sind andere Leser. Natürlich ist es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, sich der Kritik zum eigenen Werk vollständig zu entziehen. Wir möchten schließlich wissen, was Lesern gefällt – und was nicht so gut ankommt.

Vielleicht hilft es dir, wenn du dir ins Gedächtnis rufst, dass du nicht schreibst, um allen anderen zu gefallen. Es ist schlicht nicht möglich ein Buch zu schreiben, bei dem jeder Leser am Ende denkt: Wow! Schreibstil, Figuren, Thema, Handlung, Plot – das alles sind Dinge, die verschiedenen Geschmäckern unterworfen sind. Es wird Leser geben, die dir sagen: „Ich habe mich in deine Hauptfigur verliebt!“ und solche, die meinen, der Charakter sei der unsympathischste, der je geschaffen wurde. Das ist völlig normal und auch vollkommen okay. Zum Glück sind wir alle unterschiedlich. Perfektion gibt es nicht. Du kannst nicht allen gefallen, also versuch es erst gar nicht.

Wenn du eine negative Kritik erhältst, mach bitte, bitte, bitte nicht den Fehler und reagiere darauf, in dem du dem Rezensenten vorwirfst, das Buch nicht verstanden zu haben oder ihn gar beschimpfst. Das hast du wirklich nicht nötig. Es sorgt nur für Ärger, Stress und im schlimmsten Fall für ein schlechtes Bild deiner Person in der Öffentlichkeit, denn auch andere Leser können deinen Kommentar bei Amazon, auf einem Blog oder in den Sozialen Medien lesen. Im schlimmsten Fall wirkst du dadurch auf sie so unsympathisch, dass sie es gar nicht mehr in Betracht ziehen, dein Buch zu lesen.

Auch von Privatnachrichten an den Rezensenten solltest du absehen, oder davon, deine begeisterten Leser auf diesen »Loser« anzusetzen, der dein Buch nicht mochte. Mach dich nicht öffentlich über die Rezension lustig. Am besten reagierst du gar nicht darauf. Das hat zwei Vorteile: Du lenkst nicht unnötig Aufmerksamkeit darauf und schonst gleichzeitg deine Nerven.

Natürlich will ich dir nicht absprechen, dich durch eine negative Bewertung verletzt zu fühlen. Das ist völlig legitim, genauso wie das Bedürfnis, darüber zu sprechen. Mach das gerne, aber mach es nicht öffentlich. Du hast gewiss eine gute Freundin, einen Lieblingskollegen oder eine private Schreibgruppe, in der du dich über deinen Kummer austauschen kannst und auch mal wütend sein darfst.

Wenn die Wut verraucht ist, kannst du dich noch einmal in Ruhe mit der Kritik auseinandersetzen. Natürlich nur, wenn es dir ein Bedürfnis ist. Wie ist sie formuliert? Sachlich und unaufgeregt? Begründet der Rezensent seine Meinung ausreichend? Oder schreibt er einfach nur „Das war der größte Mist, den ich je gelesen habe“, ohne zu erklären, warum ihm das Buch nicht gefallen hat? Greift er gar deine Person an?

Es gibt gerade bei negativer Kritik einen Unterschied zwischen konstruktiver und destruktiver Kritik. Konstruktive Kritik ist immer sachlich formuliert. Der Kritiker erläutert seinen Eindruck anhand von Beispielen und/oder Textbelegen, wird nicht persönlich. Das sind die negativen Lesermeinungen, die du dir ruhig näher anschauen kannst, auch wenn es vielleicht nicht besonders viel Spaß macht. Vielleicht hat der Rezensent in einigen Punkten ja sogar recht? Wenn du bereit bist, dich stetig zu verbessern und an deinem Schreibprozess zu wachsen, kann dir fast nichts Besseres passieren, als eine ehrliche und gut begründete Kritik.

Ein Rezensent, der nichts begründet und dich als Autor angreift, will meistens seinen Frust (über die Geschichte) irgendwo loswerden. Sehr spannend fand ich, was Mary Robinette Kowal im Podcast Writing Excuses (Folge 12.46: Reinventing Yourself) über ihren Umgang mit Rezensionen sagt:  Die 1-Sterne-Rezensionen liest sie entweder gar nicht oder »just for fun«, denn hier will nur jemand seinen Frust über das Buch (oder etwas anderes) ablassen. Die 2- und 3-Sterne-Rezensionen liest sie gar nicht, denn Leute, die so bewerten, wollten, dass sie ein anderes Buch schreibt. Die 5-Sterne-Rezensionen sind natürlich Balsam für die geschundene Autorenseele. Und die 4-Sterne-Rezensionen sind wirklich hilfreichen, die, aus denen ein Autor etwas lernen kann, denn für diese Leser sei das Buch »nahezu perfekt« gewesen – aber eben nicht ganz. Diese letzten beiden definiert sie als ihre Zielgruppe.

Diese Herangehensweise erspart unwahrscheinlich viel Kopfzerbrechen und Stress.  Es ist nicht deine Aufgabe, es jedem recht zu machen. Und es ist auch nicht deine Pflicht, dich schlecht zu fühlen, bloß weil jemand dein Buch nicht mochte. Schreib das beste Buch, das du zu schreiben imstande bist, das ist alles, was du tun kannst.

Wie hältst du es mit Rezensionen? Liest du sie? Und wenn ja: Reagierst du darauf?

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Lektorat & Korrektorat – Brauche ich das wirklich?

Aus dem Lektorat

Diese Frage stellt sich wohl jeder selbstveröffentlichende Autor früher oder später. Im Verlag ist es üblich, dass der Text auf Herz und Nieren geprüft wird und eine Rechtschreibkorrektur erhält, um den künftigen Lesern das bestmögliche Produkt zu bieten.

Genau das sollte auch das Ziel eines Self-Publishers sein: Die beste Geschichte, die er zu schreiben imstande ist, zu veröffentlichen. Natürlich ist und bleibt ein Roman immer Geschmackssache. Auch wenn ein Text mehrere Lektoratsdurchgänge hinter sich hat, gibt es noch immer Leser, denen das Buch einfach nicht zusagt. Rechtschreibung und Grammatik hingegen haben mit Geschmack zumeist wenig zu tun, da zählen Regeln. Wer sich als Self-Publisher über diese hinwegsetzt (oder sie einfach nicht beachtet), auf ein Korrektorat verzichtet und das Buch veröffentlicht, muss sich nicht wundern, wenn es zahlreiche negative Kritiken hagelt. Dem Leser ist es erst einmal egal, ob du Self-Publisher oder Verlagsautor bist. Für ihn zählt nur das Produkt, für das er üblicherweise Geld ausgegeben hat. Auf ein Korrektorat zu verzichten, kann also im schlimmsten Fall geschäftsschädigend sein, denn verärgerte Leser werden wohl kein Buch mehr zur Hand nehmen, auf dessen Umschlag dein Autorenname prangt – auch dann nicht, wenn du aus deinem Fehler gelernt hast und der Folgeband (nahezu) fehlerfrei ist.

Ob es sich nun um fehlerhafte Rechtschreibung oder um Plotlöcher handelt: Gravierende Fehler verleiden deinen Lesern das Vergnügen an deinem Buch. Hier können Lektorat und Korrektorat Abhilfe schaffen.

Lektorat und Korrektorat sind zwei unterschiedliche Dinge

Doch was ist eigentlich der Unterschied? Ein Korrektorat tilgt Rechtschreib-, Tipp- und Grammatikfehler aus dem Manuskript. Es beschäftigt sich nicht mit Inhalt, Figuren, Plot oder Logikfehlern und auch nicht mit dem Schreibstil des Autors. Dafür ist das Lektorat da. Der Lektor überprüft, ob Inhalt und Stil stimmig sind, ob die Motivation der Figuren und ihr Handeln nachvollziehbar sind, ob es Logikbrüche oder überflüssige Szenen gibt.

Warum diese Unterscheidung? Ein Lektor, der tief in die Geschichte eintaucht und sie auf Herz und Nieren prüft, kann sich kaum noch nebenbei mit Rechtschreibfehlern beschäftigen. Auf ihnen liegt bei der Bearbeitung des Textes einfach nicht der Fokus, weshalb man sie einfach ausblendet. (Die meisten Lektoren, die ich kenne, korrigieren Fehler, die ihnen auffallen, jedoch mit. Aber nicht alle, die ein Lektorat anbieten, stehen auch als Korrektoren zur Verfügung.) Ich tendiere dazu, einem Autor unterschiedliche Personen für Lektorat und Korrektorat zu empfehlen. Auch Lektoren sind nur Menschen und nach intensiver Textarbeit nicht vor Betriebsblindheit gefeit.

Die Frage nach dem Preis

Natürlich sind weder Lektorat noch Korrektorat kostenlos zu bekommen. Als selbstveröffentlichender Autor muss man ganz schön tief in die Tasche greifen, um sich eine solche Überprüfung seines Textes zu gönnen. Bei einem Preis von roundabout fünf Euro pro Normseite (häufig auch mehr) für ein Lektorat kann man nicht gerade von einem günstigen Vergnügen sprechen. Schnell liegt man bei einem Manuskript von zweihundert Normseiten bei einem Preis von tausend Euro und mehr. Und dann kommt noch das Korrektorat dazu. Ist es das wirklich wert? Und die andere Frage, die du dir stellen musst: Ist das wirtschaftlich? Wie stehen die Chancen, die Kosten für das Lektorat und zusätzlich noch für das Korrektorat wieder einzuspielen? Als Self-Publisher bist du nicht nur Autor, sondern auch Unternehmer. Dementsprechend sollten auch deine finanziellen Überlegungen aussehen. In den meisten Fällen – v. a. wenn es dein erstes Buch ist – lautet die Antwort auf die Frage nach der Wirtschaftlichkeit: Nein, es lohnt sich nicht.

Andererseits – wenn wir schon von Unternehmertum sprechen: Wer Geld verdienen will, muss zunächst bereit sein, welches zu investieren. Das klingt vielleicht erst einmal paradox, ist aber ein wirtschaftlicher Grundsatz.

Investition in die Zukunft

Wenn du ein Lektorat in Auftrag gibst, investierst du nicht nur in dieses eine aktuelle Buch, sondern auch in dich und deine Zukunft als Schriftsteller. Denn ein gutes Lektorat beschert dir auch das ein oder andere Aha-Erlebnis, das dir beim Schreiben der folgenden Manuskripte hilfreich sein wird. Du lernst, worauf du bei der Charakterisierung deiner Figuren achten musst, um sie dem Leser nahezubringen oder welche Formulierungen du allzu gern und damit zu häufig benutzt. Ein guter Lektor verführt dich dazu, dich noch einmal intensiv mit deiner Geschichte auseinanderzusetzen. Er stellt Fragen an den Text, über die du dir möglicherweise beim Schreiben nicht einmal Gedanken gemacht hast. Ein gutes Lektorat wird aus deinem Text auf jeden Fall einen besseren Text machen – und aus dir einen besseren Autor.

Doch machen wir uns keine Illusionen: Ein Lektorat ist kein Garant für Erfolg. In der Masse der jedes Jahr erscheinenden Bücher kann dein Roman auch dann untergehen, wenn er das deiner Meinung nach beste Lektorat aller Zeiten erhalten hat. Und genauso können Bücher erfolgreich werden, die nur mangelhaft lektoriert erscheinen. Es ist nicht nur die handwerkliche Qualität, die über Erfolg oder Misserfolg (wie immer man das definieren möchte) entscheidet.

Die Nadel im Heuhaufen

Solltest du dich dazu entscheiden, dein Manuskript lektorieren zu lassen: Glückwunsch! Du hast dich dazu entschieden, in deine Fähigkeiten zu investieren und dich kontinuierlich zu verbessern. Nun musst du nur noch den richtigen Lektor für dich und deine Bedürfnisse finden. Leichter gesagt als getan! Du kannst deinen Text zehn oder zwanzig Lektoren vorlegen und du wirst zehn oder zwanzig verschiedene Versionen erhalten.

Das Wichtigste ist, dass du dich in der Zusammenarbeit wohlfühlst – denn genau das ist ein Lektorat, eine Zusammenarbeit. Dein Lektor schreibt dein Buch weder um noch neu. Er gibt lediglich Anregungen und macht Vorschläge – zumindest sollte es so sein. Um die Chemie zwischen dir und deinem Wunschlektor zu testen, zu verstehen wie er arbeitet und ob diese Art und Weise der richtige Weg für dich ist, solltest du immer ein Probelektorat anfertigen lassen. Manche Lektoren bieten das kostenlos an, andere nehmen einen verhältnismäßig geringen Betrag dafür und verrechnen diesen bei Auftragserteilung. Die meisten Lektoren sind bereit, ein Telefonat mit dir zu führen, um deine Fragen zu beantworten. Ob per Mail, persönlich oder telefonisch: Wenn du Fragen hast, zögere nicht, diese zu stellen. Auch konkrete Wünsche, worauf besonderes Augenmerk gelegt werden soll, kannst du äußern. So entsteht eine fruchtbare Zusammenarbeit.

Kein professionelles Lektorat = kein gutes Buch?

Doch was, wenn du dir partout kein Lektorat leisten kannst/willst? Darfst du dein Buch dann nicht veröffentlichen? Unsinn. Natürlich darfst du. Behalte jedoch im Hinterkopf, dass du das Buch für dich geschrieben hast und es genauso magst, wie es jetzt ist. Sobald du es jedoch in die weite Welt hinausschickst, muss es nicht mehr nur deinen Ansprüchen genügen, sondern gegen zig Millionen andere Bücher bestehen.

Es gibt jedoch nicht nur entweder – oder. Wenn du dich gegen ein professionelles Lektorat entscheidest, heißt das nicht, dass du dein Buch unkorrigiert und gänzlich ohne Feedback veröffentlichen musst. Es heißt auch nicht, dass es dann automatisch ein schlechteres Buch ist. Ich würde dir in diesem Fall jedoch ans Herz legen, dir vertrauensvolle Menschen zu suchen, die dir als Testleser helfen, die gröbsten Schnitzer auszubügeln. Idealerweise sind das Menschen, die konstruktive Kritik verteilen, deinen Text nicht niedermachen, aber auch nicht kritiklos in den Himmel loben (Anmerkung am Rande: meistens sind es keine Mitglieder der eigenen Familie). Vielleicht hast du online in deinem Netzwerk oder auch in deinem persönlichen Umfeld andere Schreibende, mit denen du dich austauschen kannst. Gegenseitiges Test- und Korrekturlesen ist ein kreativer Austausch, der Spaß macht, Freundschaften entstehen lässt und Texte im Idealfall wesentlich besser macht. Wichtig ist bei dieser Teamarbeit, dass alle Beteiligten respektvoll miteinander umgehen und in der Lage sind, konstruktive Kritik zu üben und diese in angemessene Worte zu fassen.

Ob du dich nun für ein professionelles Lektorat und/oder Testleser entscheidest, bleibt dir überlassen. Einen Königsweg gibt es hier nicht. Ein Buch ist nicht automatisch besser, wenn es professionell lektoriert wurde, und nicht automatisch schlechter, wenn es mithilfe von Testlesern entstanden ist. Die einzige Erkenntnis, die ich im Laufe meiner Beschäftigung mit Literatur aus der Diskussion »Lektorat – ja oder nein?« mitgenommen habe, ist die, dass wir Autoren stetig bereit sein sollten, zu lernen und unser Schreiben zu verbessern, Kritik anzunehmen und diese umzusetzen, sofern wir sie als berechtigt erachten. Auf welchem Wege wir an uns und unseren Texten arbeiten, sollte uns selbst überlassen bleiben.

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Ein Autor ist ein Autor ist ein Autor

Autorenleben

Alles, was du willst, ist auf der anderen Seite der Angst.
Jack Canfield

Zögerst du, dich Autor oder gar Schriftsteller zu nennen, weil du das Gefühl hast, du würdest diese Bezeichnung (noch) gar nicht verdienen? Dann ist dieser Artikel für dich. Denn wenn du schreibst, bist du Autor, auch wenn du bisher noch nichts veröffentlicht hast und/oder mit deinen Arbeiten kein Geld verdienst.

Definiere dich nicht darüber, was die Zukunft möglicherweise bringen oder auch nicht bringen mag. Die Art und Weise, wie du selbst über deine Tätigkeit denkst, wie du dich als kreativer Kopf bezeichnest, hat großen Einfluss darauf, wie du dich selbst wahrnimmst. Möglichweise ertappst du dich des Öfteren bei einem ähnlichen Gedanken wie folgt:

  • Wenn ich mein erstes Buch veröffentlicht habe, dann habe ich das Gefühl, ein richtiger Autor zu sein.
  • Wenn ich bei einem Verlag unter Vertrag genommen wurde, dann bin ich ein richtiger Autor.
  • Wenn ich vom Schreiben leben kann, bin ich ein richtiger Autor.
  • Wenn …, dann …

Diese Liste lässt sich beliebig fortführen. Viele Jungautoren gehen davon aus, dass sich irgendwann automatisch das Gefühl einstellt, es nun »geschafft« zu haben. Doch in Wirklichkeit stellt sich dieses Empfinden bei den meisten nicht plötzlich wie von selbst ein.

Natürlich ist die Scheu groß, sich selbst eine Berufsbezeichnung zu verpassen, für die man keine nachweisbare Ausbildung gemacht hat, und sich selbst zum Kollegen von Stars am Literaturhimmel wie King, Rowling oder gar Tolkien zu ernennen. Ganz schön vermessen, nicht wahr?

Wir sind sehr gut darin, uns selbst zu degradieren. Häufig laufen wir gerade dann zu kreativen Höchstleistungen auf, wenn es darum geht, unser Licht unter einen Scheffel zu stellen. Falls wir überhaupt zu unserem kreativen Schaffen stehen und – Gott bewahre! – mit jemandem darüber sprechen müssen, bezeichnen wir uns bestenfalls als »Schreiberling« oder »Hobbyautor«. Auf den ersten Blick mögen diese Wörter nicht schlimm, vielleicht sogar niedlich klingen. Doch sie festigen eine Vorstellung von uns selbst, die wir nur schwer wieder loslassen können. Mit diesen Bezeichnungen machen wir uns selber klein. Darauf deutet schon das Suffix -ling hin. Ein Wort, das auf diese Silbe endet, kann kaum etwas Großes bezeichnen und ist häufig umgangssprachlich abwertend gemeint. Man denke nur an Däumling, Schwächling, Günstling, Lüstling, Schönling usw. Eine seltene, aber angenehme Ausnahme von dieser Regel dürfte gewiss der Liebling sein, die anderen Bezeichnungen würde man wohl eher nicht so gern in Bezug auf sich selbst hören wollen.

Sehr beliebt, um uns selbst zu sabotieren, sind auch Formulierungen wie »Ach, das sind doch bloß Fanfictions/Gedichte/Kritzeleien«, »So gut bin ich auch wieder nicht«, »Ich mache das nur als Hobby« usw. Sicherlich hast du dich bereits bei ähnlichen Gedankengängen oder Aussagen ertappt, meistens kommen sie uns jedoch ganz automatisch in den Sinn und über die Lippen. Es ist beinahe wie ein Reflex. Weil wir uns schämen, weil wir erwarten, dass uns Hohn und Spott entgegenschlagen, wenn wir uns als Autor bezeichnen, obwohl wir keine nennenswerte Veröffentlichung vorzuweisen haben. Für viele zählt nicht der Prozess, sondern lediglich das Ergebnis. Schließlich schaut uns niemand über die Schulter, wenn wir in unserer Schreibstube sitzen, um Worte ringen oder zum drölfzigsten Mal diese verdammte Szene überarbeiten, die einfach nicht so werden will, wie wir uns das vorstellen.

Doch es ist der Prozess, der ausschlaggebend ist. Das deutsche Wort Autor hat seinen Ursprung in dem lateinischen Begriff auctor, was so viel wie Urheber oder Schöpfer bedeutet, wörtlicher jedoch mit Mehrer oder Förderer übersetzt werden kann. Man versteht unter einem Autor also lediglich den Urheber eines Textes. Von Erfolg, Veröffentlichung oder dem großen Geld ist da nicht die Rede.

Noch deutlicher wird es, wenn wir uns das englische Äquivalent ansehen. Das Wort Author bezeichnet wie unser deutscher Autor den Urheber eines Textes, ebenso wie der Begriff Writer. Das ist interessant, denn im Deutschen haben wir nur ein Wort dafür. Wollten wir Writer so wörtlich wie möglich übersetzen, würden wir es vermutlich mit Schreiber oder Schreibender versuchen. Hier wird die Unterscheidung deutlich, da auf den Prozess verwiesen wird, nicht auf den veröffentlichten Artikel oder den vom Feuilleton gefeierten Roman. Es geht schlicht und einfach um die Tätigkeit des Schreibens. Wenn du also schreibst, bist du bereits ein richtiger Autor. Hier und jetzt, nicht erst wenn dieses eingetroffen oder jenes passiert ist.

Degradiere dich nicht selbst, indem du abwertende Bezeichnungen für dich und die Tätigkeit nutzt, die du liebst. Begegne ihr und dir selbst mit dem gebührenden Respekt. Du musst ja nicht gleich Visitenkarten in Tausenderauflage mit der Berufsbezeichnung Autor in Auftrag geben. (Obwohl das durchaus ein enormer Motivationsschub sein kann. Für den Anfang könntest du es ja bei zweihundertfünfzig Stück belassen 😉 )

Vielleicht hilft dir ein kleines Mantra  dabei, mehr Selbstbewusstsein in Bezug auf die Tätigkeit des Schreibens zu entwickeln. So etwas wie »Ich schreibe, also bin ich Autor« oder eine ähnliche Formulierung, die du dir wiederholt (laut!) sagst, kann dein Selbstbild verändern und dir das Selbstvertrauen geben, dich ganz selbstverständlich als Autor zu zu sehen.

Oder vielleicht traust du dich in einem Gespräch auf die Frage »Und, was machst du so?« mit »Ich schreibe« zu antworten. Oftmals sind die Gesprächspartner daran wesentlich interessierter, als man denkt. Berufe haben schließlich die meisten, seine Berufung muss man aber erst einmal finden.

Bezeichnest du dich selbst als Autor? Wenn ja: Wann hast du dich dazu entschieden? Wenn nein: Warum nicht?

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Helden, Helfer und Halunken

Buchvorstellung

Helden, Helfer und Halunken – Perfekte Figuren für Ihren Roman

von Isa Schikorsky

BOD, 2014
216 Seiten
Taschenbuch: 11,50€*
Kindle Edition: 6,49€*

Isa Schikorskys Schreibratgeber beschäftigt sich vornehmlich mit dem Personal eines Romans und legt viel Wert auf Vollständigkeit und Ausführlichkeit. Auf 216 Seiten beleuchtet die Autorin sämtliche Facetten der Figuren und gibt zahlreiche Beispiele aus der modernen und klassischen Literatur.

Helden, Helfer und Halunken gliedert sich in acht Kapitel, in denen die unterschiedlichen Aspekte beleuchtet werden:

  1. Figurenrollen und Grundtypen

Im ersten Kapitel geht es vor allem um die Unterscheidung zwischen Protagonist, Antagonist und Nebenfiguren. Dabei geht die Autorin besonders darauf ein, welche seiner Figuren man wie gut kennen sollte und welche Rollen ihnen im Roman zukommen. Des Weiteren zeigt sie den Unterschied zwischen realen und fiktionalen Charakteren auf.

  1. Figuren im Erzählprozess

Das zweite Kapitel beleuchtet Figuren im Hinblick auf ihre Glaubwürdigkeit und ihre Funktionen im Plot. Wann wirkt eine Figur überzeugend auf den Leser – und wann nicht? Auch auf die (notwendige) Motivation der einzelnen Charaktere geht die Autorin hier ausführlich ein.

  1. Figuren entwickeln

Alles schön und gut, doch wie lassen sich glaubwürdige Figuren entwickeln? Das dritte Kapitel lässt im Hinblick auf die Figurenentwicklung keine Wünsche offen. Von Namen über Herkunft bis hin zu Physiologie und Psychologie erläutert Isa Schikorsky ausführlich und unterhaltsam die verschiedenen Aspekte, die zur Entwicklung von Protagonist und Antagonist sowie den Nebenfiguren notwendig sind.

  1. Figuren kennenlernen

Mein Lieblingskapitel in diesem Buch! Die Autorin zeigt hier Methoden auf, mit denen Autoren ihre Figuren kennenlernen können. Diese reichen von den »gewöhnlichen« Vorgängen wie z.B. Steckbriefen und Interviews bis hin zu eher experimentellen, aber nicht minder interessanten Methoden der Figurenentwicklung durch soziale Netzwerke, Horoskope und Tarotkarten.

  1. Erzählperspektive festlegen

In anderen Schreibratgebern werden Erzählperspektive und Figuren – mir persönlich – häufig zu stark getrennt behandelt. Dass beide untrennbar miteinander verbunden sind, zeigt die Autorin hier sehr verständlich. Sie geht auf den Unterschied zwischen Autor und Erzähler ein und erläutert die verschiedenen Wirkungen der Erzählperspektiven.

  1. Figuren auftreten lassen

Wann ist der richtige Zeitpunkt Figuren auftreten zu lassen – und auf welche Art und Weise? Das sechste Kapitel verdeutlicht, welche Möglichkeiten man als Autor hat, seine Figuren zu ihren Charakteren passend einzuführen – auch im Hinblick auf Beschreibung, Schauplätzen und Art der Vorstellung (durch sich selbst oder durch andere).

  1. Figuren denken und sprechen lassen

Welche Sprache nutzt meine Figur? Lasse ich sie sprechen oder nur denken – oder gar schweigen? Der Schwerpunkt des siebten Kapitels liegt auf Dialog, direkter und indirekter Rede und innerem Monolog und verdeutlicht, welche unterschiedlichen Wirkungen auf den Leser sich hinter der jeweiligen Sprachform verbergen.

  1. Zwanzig Tipps für perfekte Figuren und Zwanzig Tipps, Figuren zu finden und zu gestalten.

Sehr praktisch und kurz und knapp sind diese zwei mal zwanzig Tipps für perfekte Figuren, die statt einer Zusammenfassung im Buch zu finden sind. Jeder Tipp besteht aus einer Schlagzeile und einem erläuternden Absatz und fasst das gesamte Buch sehr gut und auf einen schnellen Blick zusammen.

Isa Schikorsky hat mit Helden, Helfer und Halunken meiner Meinung nach den besten deutschsprachigen Ratgeber zum Personal eines Romans geschrieben. Der Schreibstil ist locker flockig, sehr unterhaltsam und niemals langweilig. Als Autorin habe ich aus den Texten sehr viel mitnehmen können und ein Problem, mit dem ich mich seit Wochen herumquälte, binnen Minuten lösen können. Als Lektorin möchte ich meinen Autoren diesen Schreibratgeber besonders ans Herz legen, die Lektüre wird gewiss nicht umsonst sein und das ein oder andere Aha-Erlebnis hervorrufen. Ich werde dieses Buch sicherlich noch sehr oft zur Hand nehmen und erneut darin lesen.

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Meine Top 5 Schreibtipps: Die Rohfassung

Schreibtipps

1. Schreib über das, was du liebst.

Viele raten beim Schreiben zu dem Grundsatz »Schreibe über das, was du kennst.« Das halte ich für ein zu rigoroses Ausschlussprinzip. Wenn ich mich lediglich in meiner kleinen Was-ich-kenne-Blase aufhalte, lerne ich nicht dazu, entwickle mich nicht weiter. Daher finde ich den Rat »Schreibe über das, was du liebst, wofür du dich begeistern kannst« sehr viel wertvoller. Ich hatte zu Beginn von Ersticktes Matt kaum Ahnung von Schach, kannte die Grundregeln, konnte es mit Ach und Krach spielen. Mehrfach musste ich mir anhören: »Warum schreibst du über etwas, wovon du keine Ahnung hast?« Weil ich es will. Weil es mir Spaß macht. Weil ich gerne lerne. Aus mir ist nun kein Schachprofi geworden, das war auch nicht meine Intention. Trotzdem habe ich viel darüber gelesen und gelernt. Wenn du einen Roman über Kannibalismus bei den Korowai in Papua-Neuguinea schreiben willst, dann tu das – auch wenn du noch nie da warst und bisher (hoffentlich) noch keinen Menschen verspeist hast. Wir leben in Zeiten, in denen Informationen so reichhaltig sind wie noch nie. Es wäre doch schade, sie nicht zu nutzen. Denn wie Maxim Gorki schon so treffend sagte: »Man muss nicht in der Bratpfanne gelegen haben, um über ein Schnitzel zu schreiben.«

2. Planung ist die halbe Miete.

Dies gilt nicht nur für einen Thriller, sondern für jedes Genre und generell jede Art von Text. Was will ich mit meinem Text aussagen, wo soll die Reise hingehen, was möchte ich meinem Leser mitteilen? Ohne Planung geht es kaum. Das habe ich auch bei meinem Roman gemerkt und ich würde beim zweiten viel genauer und umfangreicher planen. Damit meine ich nicht nur den Plot, sondern auch die Rollen der einzelnen Figuren stärker fest- oder einen Zeitstrahl anlegen. Gute Planung vereinfacht so vieles und ermöglicht es, den Schreibprozess viel schneller zu durchlaufen. Ich weiß, es gibt auch Autoren, die aus dem Bauch heraus eine perfekte Geschichte entwickeln können, aber die sind eher in der Minderheit. Auch wenn du lieber einfach drauflosschreibst: Probiere es einmal mit einem Plan und schau, ob das was für dich ist. Du kannst beim Schreiben selbst immer noch viel ändern. Ich glaube, durch eine gute Planung VOR dem eigentlichen Schreiben lassen sich viele unvollendete Manuskripte verhindern.

3. Schreib die erste Fassung so schnell wie möglich.

Das hat mehrere Vorteile: viele Erfolgserlebnisse in kurzer Zeit, du siehst den Roman wachsen und gedeihen und musst dich nicht nach einer wochenlangen Pause wieder in die Handlung einarbeiten. Am besten sind natürlich täglich feste Schreibzeiten, was teilweise schwierig sein kann, wenn du Beruf und/oder Familie hast. Dennoch solltest du es ausprobieren und wenn es nur eine halbe Stunde täglich ist, die du abends weniger fernsiehst. Ich habe die Erstfassung von Ersticktes Matt über einen quälend langen Zeitraum von vier Jahren geschrieben, teilweise mit monatelangen Pausen. Ich glaube nicht, dass das der Geschichte gut getan hat. Mir jedenfalls nicht. Jedes Mal, wenn ich mich nach einer Schreibpause wieder an das Manuskript wagte, bin ich in den ersten Tagen über dem Text verzweifelt, weil es schwer war, wieder hineinzufinden. Das ist unwahrscheinlich demotivierend. Empfehlenswert, um viel Textmasse in kurzer Zeit zu produzieren (siehe auch Punkt 4), sind Schreibevents wie der NaNoWriMo im November oder das Camp NaNoWriMo im April/Juli. Die Motivation, die du durch den ständig wachsenden Wordcount und das Schreiben mit anderen erfährst, ist unglaublich. Dein Roman wird es dir danken.

4. Erlaube dir, schlecht zu schreiben.

Vielleicht ist dies der wichtigste Tipp von allen … Ich habe lange dafür gebraucht und muss mich auch heute noch dazu durchringen, nicht stundenlang an einem gerade erst niedergeschriebenen Absatz herumzufeilen. Auch wenn es schwerfällt, das zu glauben, aber: Kein Satz ist  in Stein gemeißelt. Du kannst sie so oft verändern, wie du möchtest, sie streichen, teilen oder genau so lassen, wie sie sind. Perfektionismus hat in der Rohfassung noch nichts zu suchen – im Gegenteil, meistens hemmt er eher. Genauso wie die Überarbeitung während des eigentlichen Schreibprozesses. Man verliert sich in Details, die unwichtiger nicht sein könnten. Schreib das verdammte Ding zuerst nieder, du kannst hinterher immer noch alles ändern, was dir nicht gefällt. Denn schon Hemingway wusste: »Der erste Entwurf ist immer scheiße.«

5. Tausche dich mit anderen Autoren aus.

Die Zeiten, in denen der Schriftsteller einsam mit einer Flasche Wein in einer kargen Dachkammer vor der Underwood saß, sind vorbei. »Gott sei Dank!«, möchte man beinahe ausrufen. Nichts ist schöner, als sich mit Menschen auszutauschen, die der gleichen Leidenschaft nachgehen. Ob online bei Facebook, Twitter oder in Schriftstellerforen oder persönlich im Café oder der Schreibstube – geh hinaus in die Welt und verkünde: »Ja, ich schreibe!« Du wirst jede Menge Gleichgesinnte treffen, mit denen du über deine Texte sprechen kannst, die dich motivieren, wenn es mal nicht so gut läuft und dir Feedback zu deinen Geschichten geben. Allein und für sich schreiben ist gut und schön, aber viel mehr Spaß macht es im Austausch mit anderen.

Wie lautet der beste Schreibtipp in Bezug aufs Schreiben der Rohfassung, den du bisher bekommen hast?

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Die Macht der Worte

Autorenleben

Als Autor weißt du, dass Worten eine besondere Macht innewohnt. Sie können schmeicheln, überzeugen und informieren, aber auch verletzen. Deshalb ist es so wichtig, achtsam mit unseren Worten und letztlich auch mit unseren Gedanken umzugehen. Sie formen unsere Welt und uns selbst.

Wie wir mit Worten umgehen, sagt viel über uns selbst aus. Erwischst du dich auch des Öfteren dabei, viele negativ konnotierte Wörter in deinem Alltag zu nutzen? Es ist „blöd“, wenn uns der Bus vor der Nase wegfährt, die „nervige“ Nachbarin „tratscht“ schon wieder und der Tag auf der Arbeit war einfach nur „stressig“.

Natürlich haben wir alle mal Tage, an denen nichts so zu laufen scheint, wie wir es gerne hätten. Es geht auch gar nicht darum, solche negativen Erlebnisse zu negieren oder zu verdrängen. Wir können gar nicht alle ständig glücklich sein. Es gibt Zeiten in unser aller Leben, die wir gerne vergessen würden, mit denen wir nicht mehr in Verbindung gebracht werden wollen. Letztendlich geht es darum, wie wir mit diesen kleinen wie großen Erlebnissen umgehen – was mich wieder zu den Wörter führt. Natürlich können wir sagen: „Okay, die Zeit damals war echt Mist, aber ich habe daraus das und das gelernt.“

Allein durch unsere Worte und Gedanken haben wir die Macht, vielen Geschehnissen den Schrecken zu nehmen und die kleinen Ärgernisse des Alltags vielleicht sogar in etwas Positives zu verwandeln.

Das, was für dein Leben gilt, spielt natürlich auch in Bezug auf deine Schreibtätigkeit eine Rolle. Wenn du dir tagtäglich sagst: „Ich bin nicht gut genug. Ich werde dieses Buch nie beenden. Das, was ich schreibe, ist das Schlechteste, was je geschrieben wurde“, dann setzt sich das in deinem Unterbewusstsein fest.

Seien wir mal ehrlich: Diese Gedanken kennen wir alle, sie tauchen mal mehr, mal weniger penetrant auf. Aber sie sind nicht gesund. Sie sorgen dafür, dass wir uns schlecht fühlen, dass wir unsere künstlerische Arbeit als minderwertig erachten. Das ist Gift für jede Form von Kreativität.

Aber was kannst du dagegen tun? Diese Gedanken kommen schließlich einfach so und lassen sich nicht verhindern – oder?

Wahrscheinlich ist es in der Tat nicht möglich – ja, vielleicht nicht einmal sinnvoll  -, solche negativen Gedanken völlig von uns fernzuhalten. Aber es liegt in deiner Hand zu entscheiden, wie du mit ihnen umgehen möchtest. Hier kann dir Achtsamkeit ein Wegweiser sein. Jedes Mal, wenn du deinen inneren Kritiker wieder dabei erwischst, deine Arbeit (und damit auch dich selbst) runterzumachen, halte einfach einen Moment inne. Das ist der erste Schritt, denn oft erkennen wir diese negativen Gedankenmuster gar nicht, so eingespielt sind sie schon, so sehr sind sie uns in Fleisch und Blut übergegangen. Wenn du einen solchen Gedankengang bei dir feststellst, schimpfe nicht gleich wieder mit dir! „Du sollst doch nicht so schlecht von dir denken! Hör auf damit! Warum machst du dich selbst wieder klein, das ist schlecht!“ – Nein. Du kannst ganz neutral feststellen, dass du hier wieder in negative Gedankenmuster abdriftest und diesen im nächsten Schritt entgegensteuern.

Eine erste Hilfe leisten dabei Relativierungen. Wenn du ganz ehrlich bist: Du glaubst nicht wirklich, dass der Text, den du gerade schreibst, der schlechteste ist, an dem jemals ein Autor gearbeitet hat. Wenn du das wirklich glauben würdest, woher nimmst du dann die Kraft, dennoch daran weiterzuarbeiten? Falls dich also der kleine Schulterteufel zutextet und dir sagt, wie schlecht du bist, sage dir: „Okay, das, was ich bisher geschrieben habe, ist vielleicht nicht perfekt. Aber das macht nichts. Ich kann es später immer noch überarbeiten.“

Sei gut zu dir und der Arbeit, die du leistest!

Ein weiterer Schritt, die negativen Gedanken gar nicht erst die Oberhand gewinnen zu lassen, sind Affirmationen. Der Begriff stammt vom lateinischen Wort affirmatio, was so viel bedeutet wie Bejahung oder Bestätigung. Wir können Affirmationen nutzen, um negative Glaubenssätze zu überwinden, die sich in unser Unterbewusstsein eingeschlichen haben und uns in unseren Tätigkeiten einschränken, uns vielleicht sogar lähmen.

Möglicherweise kennst du mehrere dieser negativen Glaubenssätze:

Ich werde als Schriftsteller nicht erfolgreich sein, weil …

  • ich nicht gut genug bin.
  • andere viel besser sind als ich.
  • niemand an mich glaubt – auch ich selbst nicht.
  • ich faul bin.
  • ich Geschichten schreibe, die niemand lesen will.
  • sowieso niemand bereit ist, dafür Geld auszugeben.
  • ich aus Angst vor Kritik lieber erst gar nichts veröffentliche.
  • ich keine guten Ideen habe.
  • ich nicht kreativ genug bin.
  • mein Schreibstil eine Katastrophe ist.
  • meine Familie/meine Freunde meinen, ich verschwende meine Zeit.
  • ich es nicht verdiene, erfolgreich zu sein.
  • die Welt ungerecht ist.

Hast du dich in der ein oder anderen Formulierung wiedererkannt? Es gibt zahllose weitere Gedanken, die uns immer wieder zu bestätigen scheinen, warum wir nicht erfolgreich sein können. Mit diesen negativen Glaubenssätzen versichern wir uns selbst, dass – egal, was wir tun, egal, wie sehr wir uns anstrengen – der Erfolg sowieso ausbleiben wird. Es ist schon paradox, denn in dieser »Versicherung« finden wir tatsächlich Sicherheit. Wir haben Angst vor dem Aufbruch ins Unbekannte, vor einem kreativen Leben. Dies ist auch der Grund, warum so viele junge Autoren ihre schriftstellerische Tätigkeit am liebsten gleich verschweigen. Sie haben Angst vor Ablehnung, davor, unangenehme Fragen beantworten oder das Gefühl haben, sich rechtfertigen zu müssen.

Doch wir können ganz bewusst etwas gegen diese unangenehmen Gefühle tun, die sich immer wieder breitmachen und unser Licht unter den Scheffel stellen wollen, in dem wir sie identifizieren wenn sie auftauchen und sie Stück für Stück durch Affirmationen ersetzen. Gewiss erfordert das ein wenig Arbeit und auch eine Spur Disziplin. Natürlich ist es einfacher, die Negativität, die uns ab und an durchströmt einfach zu ertragen, nach dem Motto: Geht schon von selbst wieder weg. Leider stimmt das nicht immer. Jeder dieser negativen Gedanken festigt das Bild, das wir uns von uns selbst gemacht haben. Durch dieses negative Denken können Schreibblockaden entstehen, vielleicht fängt der ein oder andere aufgrund dessen gar nicht erst an zu schreiben, denn: „Es bringt ja eh nichts, weil ich nicht gut genug bin.“

Die Autorin Julia Cameron schreibt in ihrem Buch Der Weg des Künstlers* dazu: »Keiner dieser negativen Glaubenssätze muss wahr sein. Sie werden uns von unseren Eltern, unserer Religion, unserer Kultur und unseren ängstlichen Freunden eingeimpft. Jeder dieser Glaubenssätze spiegelt Vorstellungen im Hinblick darauf wider, was es bedeutet, Künstler zu sein. […] Wir müssen uns mit ihnen konfrontieren. Negative Glaubenssätze sind genau das, nämlich Glaubenssätze und keine Tatsachen.«[1]

Das ist die gute Nachricht: Es sind keine Tatsachen. Wir haben die Macht, diese Denkmuster zu durchbrechen, indem wir sie identifizieren und durch Affirmationen ersetzen. Wie geht das nun? Gehe in einen Dialog mit dir selbst und betrachte dich und deine Arbeit wohlwollend. Was verdienst du wirklich an Anerkennung? Wie möchtest du dich selbst sehen, wie möchtest du von außen wahrgenommen werden?

Mögliche Affirmationen sind z. B.:

  • Ich verdiene es, mit meinen Texten erfolgreich zu sein.
  • Ich habe ein kreatives Talent.
  • Ich habe großartige Ideen.
  • Ich bin ein grandioser und produktiver Schriftsteller.

Die Arbeit mit diesen positiven Glaubenssätzen mag dir zunächst banal erscheinen, vielleicht ist es dir sogar peinlich. Wir tun uns häufig schwer damit, positiv von uns selbst zu sprechen, sind viel eher in der Lage, unsere vermeintlichen Schwächen zu definieren. Wenn du deine persönlichen Affirmationen gefunden hast, wird sich garantiert wieder der innere Kritiker zu Wort melden. Eigenlob mag er nämlich gar nicht – („Eigenlob stinkt“ ist auch so ein negativer Glaubenssatz, der uns bereits in der Kindheit eingebläut wird).

Dieser innere Kritiker wird alles daran setzen, unsere neuen Affirmationen zu widerlegen. Häufig wird er dabei gemein, geradezu bösartig: »Du hast doch keine Ahnung! Glaubst du den Quatsch wirklich? Das bringt doch alles nichts! Du beherrscht doch nicht einmal die Rechtschreibung!«

Notiere dir all diese Gemeinheiten und stelle dir die Frage: Woher kommen sie? Mit wessen Stimme spricht dein innerer Kritiker? Vielleicht kennst du sie? Ist es die Stimme eines Elternteils oder möglicherweise eines (ehemaligen) Lehrers? Mache eine Reise in deine Vergangenheit, in deine Erfahrungen. Möglicherweise wurden diese Worte nie laut ausgesprochen, aber du verbindest ein Gefühl von Peinlichkeit, Scham oder Ablehnung mit ihnen. Wenn du ergründest, wo diese negativen Überzeugungen herkommen, kannst du dich ihnen entgegenstellen und mit deinem neuen, positiven Denken und einem wohwollenden Selbstbild zu arbeiten beginnen.

Der Autor von Miracle Morning*, Hal Elrod, empfiehlt, die persönlichen Affirmationen ganz bewusst zu gestalten, so dass sie mit dem übereinstimmen, was du erreichen möchtest. Nur so kannst du sicher sein, nicht wieder fremde Glaubenssätze zu übernehmen. Frage dich: Was wünsche ich mir? Wie soll mein Leben aussehen? (Das gilt im übrigen nicht nur für die schriftstellerische oder kreative Tätigkeit. Diese Fragen kannst du dir für alle Bereiche deines Lebens stellen – Beziehung, Job, Finanzen, Fitness, Familie etc. – und für jeden Bereich gesondert Affirmationen erstellen.

Genauso wie die negativen Glaubenssätze sind Affirmationen nicht in Stein gemeißelt. Du kannst sie jederzeit anpassen, ersetzen oder verwerfen.

Nun hast du also eine ganze Liste von Affirmationen – vielleicht aber auch nur eine zu einem Bereich, der dir besonders am Herzen liegt. Was nun damit anfangen? Irgendwo vergessen in einer Schreibtischschublade sind sie wenig hilfreich. »Diese Affirmationen sollten Sie täglich wiederholen und am besten laut aussprechen. Ganz allmählich werden sie die Art, wie Sie denken und fühlen, verändern, und Sie können einschränkende Glaubenssätze und Verhaltensweisen überwinden und durch solche ersetzen, die Ihnen Erfolg bescheren werden«[2], schreibt Elrod.

Klingt erst einmal schräg, oder? Es kostet einige Überwindung, laut mit sich selbst zu sprechen. Selbst wenn man alleine ist, kommt man sich unglaublich dämlich dabei vor. Irgendwann geht es dir jedoch in Fleisch und Blut über. Und nach ein paar Wochen oder Monaten, in denen du deine Affirmationen immer wieder verinnerlicht hast, wird der entsprechende negative Gedanke ersetzt werden. Trau dir zu, deine Ängste und schlechten Angewohnheiten abstellen und in etwas Positives umwandeln zu können. Was hast du zu verlieren?

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[1] Cameron, Julia: Der Weg des Künstlers* (2009), S. 66.
[2] Elrod, Hal: Miracle Morning* (2016), S. 92.

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Herzlich willkommen auf dem Blog der Texteule!

Blog

»Schreiben ist Tanzen mit Worten.«

So habe ich es in einem Schreibkurs im Studium einmal ausgedrückt. Und genauso würde ich es heute auch noch bezeichnen. Sprache folgt einem bestimmten Rhythmus, kann wohlklingend sein und dazu verleiten, sich im Takt zu bewegen, oder so misstönend, dass man andauernd darüber stolpert. Sicherlich kennst du das Gefühl, wenn plötzlich dein Lieblingslied aus den Boxen dröhnt, du die Augen schließt, dein Herz im Takt mit der Musik zu schlagen beginnt und du gar nicht anders kannst, als dich ganz den Noten hinzugeben. So ähnlich kann es auch beim Schreiben sein, wenn wir den sogenannten Flow erreichen, einen Zustand, in dem wir uns selbst und alles andere um uns herum vergessen und ganz und gar in unserer kreativen Tätigkeit aufgehen. In diesem Moment fliegen unsere Finger über die Tasten, ein Gedanke folgt auf den nächsten, mit großer Wahrscheinlichkeit liegt sogar ein Lächeln auf unseren Lippen.

Und dann gibt es diese Tage, an denen wir um jedes Wort ringen, an denen es sich anfühlt, als wäre unser Gehirn nicht mehr in der Lage, die Leichtigkeit zu rekonstruieren, mit der wir uns gestern noch mit den Worten vergnügt haben. Das ist ärgerlich, ja, aber auch völlig normal. So wie jeder Profitänzer schlechte Tage hat, an denen ihm die Schrittfolge einfach nicht gelingen will, so geht es auch uns Autoren. Dann helfen Übung, Durchhaltevermögen und Disziplin, um wieder in unseren (Schreib-)Rhythmus zu finden.

Schreiben ist keine exakte Disziplin, deren Regeln man einmal lernt und dann beherrscht. Man kann intuitiv vieles richtig machen und mit viel gelerntem Wissen auch genauso vieles falsch. Wobei es die Kategorien Richtig und Falsch beim Schreiben eigentlich gar nicht nicht gibt. Erlaubt ist, was (dir und dem Leser) gefällt. Regeln kann man lernen, sie lassen sich aber beugen oder – gewusst wie – auch brechen. Es wird in diesem Blog daher keine allgemeingültigen Schreibregeln geben, nichts, von dem ich behaupten werde, dass du es in dieser Art und Weise machen musst oder keinesfalls so machen darfst. Ich möchte Hilfestellung bieten und zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Schreiben anregen und keine Regeln aufstellen.

Ich hoffe, dass du hier hilfreiche Tipps für dein Autorenleben und dein Schreiben finden kannst. Ich werde jedenfalls mein Bestes geben, um dir abwechslungsreiche Artikel zu bieten, die hoffentlich den ein oder anderen Aha-Effekt für dich bereithalten. Sehr gerne kannst du mir per Mail oder über die Kommentarfunktion auch Artikelthemen vorschlagen, die dich umtreiben und interessieren, über die du noch nicht so viel gefunden hast und lesen konntest, wie du es gerne würdest. Wenn es mir möglich ist und es sich anbietet, werde ich sehr gerne darauf eingehen.

Ich freue mich auf deinen nächsten Besuch! Im nächsten Artikel geht es um die Macht der Worte.

Bis dahin
deine

Unterschrift

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