Helden, Helfer und Halunken

Buchvorstellung

Helden, Helfer und Halunken – Perfekte Figuren für Ihren Roman

von Isa Schikorsky

BOD, 2014
216 Seiten
Taschenbuch: 11,50€*
Kindle Edition: 6,49€*

Isa Schikorskys Schreibratgeber beschäftigt sich vornehmlich mit dem Personal eines Romans und legt viel Wert auf Vollständigkeit und Ausführlichkeit. Auf 216 Seiten beleuchtet die Autorin sämtliche Facetten der Figuren und gibt zahlreiche Beispiele aus der modernen und klassischen Literatur.

Helden, Helfer und Halunken gliedert sich in acht Kapitel, in denen die unterschiedlichen Aspekte beleuchtet werden:

  1. Figurenrollen und Grundtypen

Im ersten Kapitel geht es vor allem um die Unterscheidung zwischen Protagonist, Antagonist und Nebenfiguren. Dabei geht die Autorin besonders darauf ein, welche seiner Figuren man wie gut kennen sollte und welche Rollen ihnen im Roman zukommen. Des Weiteren zeigt sie den Unterschied zwischen realen und fiktionalen Charakteren auf.

  1. Figuren im Erzählprozess

Das zweite Kapitel beleuchtet Figuren im Hinblick auf ihre Glaubwürdigkeit und ihre Funktionen im Plot. Wann wirkt eine Figur überzeugend auf den Leser – und wann nicht? Auch auf die (notwendige) Motivation der einzelnen Charaktere geht die Autorin hier ausführlich ein.

  1. Figuren entwickeln

Alles schön und gut, doch wie lassen sich glaubwürdige Figuren entwickeln? Das dritte Kapitel lässt im Hinblick auf die Figurenentwicklung keine Wünsche offen. Von Namen über Herkunft bis hin zu Physiologie und Psychologie erläutert Isa Schikorsky ausführlich und unterhaltsam die verschiedenen Aspekte, die zur Entwicklung von Protagonist und Antagonist sowie den Nebenfiguren notwendig sind.

  1. Figuren kennenlernen

Mein Lieblingskapitel in diesem Buch! Die Autorin zeigt hier Methoden auf, mit denen Autoren ihre Figuren kennenlernen können. Diese reichen von den »gewöhnlichen« Vorgängen wie z.B. Steckbriefen und Interviews bis hin zu eher experimentellen, aber nicht minder interessanten Methoden der Figurenentwicklung durch soziale Netzwerke, Horoskope und Tarotkarten.

  1. Erzählperspektive festlegen

In anderen Schreibratgebern werden Erzählperspektive und Figuren – mir persönlich – häufig zu stark getrennt behandelt. Dass beide untrennbar miteinander verbunden sind, zeigt die Autorin hier sehr verständlich. Sie geht auf den Unterschied zwischen Autor und Erzähler ein und erläutert die verschiedenen Wirkungen der Erzählperspektiven.

  1. Figuren auftreten lassen

Wann ist der richtige Zeitpunkt Figuren auftreten zu lassen – und auf welche Art und Weise? Das sechste Kapitel verdeutlicht, welche Möglichkeiten man als Autor hat, seine Figuren zu ihren Charakteren passend einzuführen – auch im Hinblick auf Beschreibung, Schauplätzen und Art der Vorstellung (durch sich selbst oder durch andere).

  1. Figuren denken und sprechen lassen

Welche Sprache nutzt meine Figur? Lasse ich sie sprechen oder nur denken – oder gar schweigen? Der Schwerpunkt des siebten Kapitels liegt auf Dialog, direkter und indirekter Rede und innerem Monolog und verdeutlicht, welche unterschiedlichen Wirkungen auf den Leser sich hinter der jeweiligen Sprachform verbergen.

  1. Zwanzig Tipps für perfekte Figuren und Zwanzig Tipps, Figuren zu finden und zu gestalten.

Sehr praktisch und kurz und knapp sind diese zwei mal zwanzig Tipps für perfekte Figuren, die statt einer Zusammenfassung im Buch zu finden sind. Jeder Tipp besteht aus einer Schlagzeile und einem erläuternden Absatz und fasst das gesamte Buch sehr gut und auf einen schnellen Blick zusammen.

Isa Schikorsky hat mit Helden, Helfer und Halunken meiner Meinung nach den besten deutschsprachigen Ratgeber zum Personal eines Romans geschrieben. Der Schreibstil ist locker flockig, sehr unterhaltsam und niemals langweilig. Als Autorin habe ich aus den Texten sehr viel mitnehmen können und ein Problem, mit dem ich mich seit Wochen herumquälte, binnen Minuten lösen können. Als Lektorin möchte ich meinen Autoren diesen Schreibratgeber besonders ans Herz legen, die Lektüre wird gewiss nicht umsonst sein und das ein oder andere Aha-Erlebnis hervorrufen. Ich werde dieses Buch sicherlich noch sehr oft zur Hand nehmen und erneut darin lesen.

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*Bei den Links in diesem Artikel handelt es sich um Amazon-Affiliate-Links. Verkaufspreise des Taschenbuchs und der Kindle-Edition können variieren.

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Meine Top 5 Schreibtipps: Die Rohfassung

Schreibtipps

1. Schreib über das, was du liebst.

Viele raten beim Schreiben zu dem Grundsatz »Schreibe über das, was du kennst.« Das halte ich für ein zu rigoroses Ausschlussprinzip. Wenn ich mich lediglich in meiner kleinen Was-ich-kenne-Blase aufhalte, lerne ich nicht dazu, entwickle mich nicht weiter. Daher finde ich den Rat »Schreibe über das, was du liebst, wofür du dich begeistern kannst« sehr viel wertvoller. Ich hatte zu Beginn von Ersticktes Matt kaum Ahnung von Schach, kannte die Grundregeln, konnte es mit Ach und Krach spielen. Mehrfach musste ich mir anhören: »Warum schreibst du über etwas, wovon du keine Ahnung hast?« Weil ich es will. Weil es mir Spaß macht. Weil ich gerne lerne. Aus mir ist nun kein Schachprofi geworden, das war auch nicht meine Intention. Trotzdem habe ich viel darüber gelesen und gelernt. Wenn du einen Roman über Kannibalismus bei den Korowai in Papua-Neuguinea schreiben willst, dann tu das – auch wenn du noch nie da warst und bisher (hoffentlich) noch keinen Menschen verspeist hast. Wir leben in Zeiten, in denen Informationen so reichhaltig sind wie noch nie. Es wäre doch schade, sie nicht zu nutzen. Denn wie Maxim Gorki schon so treffend sagte: »Man muss nicht in der Bratpfanne gelegen haben, um über ein Schnitzel zu schreiben.«

2. Planung ist die halbe Miete.

Dies gilt nicht nur für einen Thriller, sondern für jedes Genre und generell jede Art von Text. Was will ich mit meinem Text aussagen, wo soll die Reise hingehen, was möchte ich meinem Leser mitteilen? Ohne Planung geht es kaum. Das habe ich auch bei meinem Roman gemerkt und ich würde beim zweiten viel genauer und umfangreicher planen. Damit meine ich nicht nur den Plot, sondern auch die Rollen der einzelnen Figuren stärker fest- oder einen Zeitstrahl anlegen. Gute Planung vereinfacht so vieles und ermöglicht es, den Schreibprozess viel schneller zu durchlaufen. Ich weiß, es gibt auch Autoren, die aus dem Bauch heraus eine perfekte Geschichte entwickeln können, aber die sind eher in der Minderheit. Auch wenn du lieber einfach drauflosschreibst: Probiere es einmal mit einem Plan und schau, ob das was für dich ist. Du kannst beim Schreiben selbst immer noch viel ändern. Ich glaube, durch eine gute Planung VOR dem eigentlichen Schreiben lassen sich viele unvollendete Manuskripte verhindern.

3. Schreib die erste Fassung so schnell wie möglich.

Das hat mehrere Vorteile: viele Erfolgserlebnisse in kurzer Zeit, du siehst den Roman wachsen und gedeihen und musst dich nicht nach einer wochenlangen Pause wieder in die Handlung einarbeiten. Am besten sind natürlich täglich feste Schreibzeiten, was teilweise schwierig sein kann, wenn du Beruf und/oder Familie hast. Dennoch solltest du es ausprobieren und wenn es nur eine halbe Stunde täglich ist, die du abends weniger fernsiehst. Ich habe die Erstfassung von Ersticktes Matt über einen quälend langen Zeitraum von vier Jahren geschrieben, teilweise mit monatelangen Pausen. Ich glaube nicht, dass das der Geschichte gut getan hat. Mir jedenfalls nicht. Jedes Mal, wenn ich mich nach einer Schreibpause wieder an das Manuskript wagte, bin ich in den ersten Tagen über dem Text verzweifelt, weil es schwer war, wieder hineinzufinden. Das ist unwahrscheinlich demotivierend. Empfehlenswert, um viel Textmasse in kurzer Zeit zu produzieren (siehe auch Punkt 4), sind Schreibevents wie der NaNoWriMo im November oder das Camp NaNoWriMo im April/Juli. Die Motivation, die du durch den ständig wachsenden Wordcount und das Schreiben mit anderen erfährst, ist unglaublich. Dein Roman wird es dir danken.

4. Erlaube dir, schlecht zu schreiben.

Vielleicht ist dies der wichtigste Tipp von allen … Ich habe lange dafür gebraucht und muss mich auch heute noch dazu durchringen, nicht stundenlang an einem gerade erst niedergeschriebenen Absatz herumzufeilen. Auch wenn es schwerfällt, das zu glauben, aber: Kein Satz ist  in Stein gemeißelt. Du kannst sie so oft verändern, wie du möchtest, sie streichen, teilen oder genau so lassen, wie sie sind. Perfektionismus hat in der Rohfassung noch nichts zu suchen – im Gegenteil, meistens hemmt er eher. Genauso wie die Überarbeitung während des eigentlichen Schreibprozesses. Man verliert sich in Details, die unwichtiger nicht sein könnten. Schreib das verdammte Ding zuerst nieder, du kannst hinterher immer noch alles ändern, was dir nicht gefällt. Denn schon Hemingway wusste: »Der erste Entwurf ist immer scheiße.«

5. Tausche dich mit anderen Autoren aus.

Die Zeiten, in denen der Schriftsteller einsam mit einer Flasche Wein in einer kargen Dachkammer vor der Underwood saß, sind vorbei. »Gott sei Dank!«, möchte man beinahe ausrufen. Nichts ist schöner, als sich mit Menschen auszutauschen, die der gleichen Leidenschaft nachgehen. Ob online bei Facebook, Twitter oder in Schriftstellerforen oder persönlich im Café oder der Schreibstube – geh hinaus in die Welt und verkünde: »Ja, ich schreibe!« Du wirst jede Menge Gleichgesinnte treffen, mit denen du über deine Texte sprechen kannst, die dich motivieren, wenn es mal nicht so gut läuft und dir Feedback zu deinen Geschichten geben. Allein und für sich schreiben ist gut und schön, aber viel mehr Spaß macht es im Austausch mit anderen.

Wie lautet der beste Schreibtipp in Bezug aufs Schreiben der Rohfassung, den du bisher bekommen hast?

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Photo byLauren Mancke on Unsplash