Ein Autor ist ein Autor ist ein Autor

Autorenleben

Alles, was du willst, ist auf der anderen Seite der Angst.
Jack Canfield

Zögerst du, dich Autor oder gar Schriftsteller zu nennen, weil du das Gefühl hast, du würdest diese Bezeichnung (noch) gar nicht verdienen? Dann ist dieser Artikel für dich. Denn wenn du schreibst, bist du Autor, auch wenn du bisher noch nichts veröffentlicht hast und/oder mit deinen Arbeiten kein Geld verdienst.

Definiere dich nicht darüber, was die Zukunft möglicherweise bringen oder auch nicht bringen mag. Die Art und Weise, wie du selbst über deine Tätigkeit denkst, wie du dich als kreativer Kopf bezeichnest, hat großen Einfluss darauf, wie du dich selbst wahrnimmst. Möglichweise ertappst du dich des Öfteren bei einem ähnlichen Gedanken wie folgt:

  • Wenn ich mein erstes Buch veröffentlicht habe, dann habe ich das Gefühl, ein richtiger Autor zu sein.
  • Wenn ich bei einem Verlag unter Vertrag genommen wurde, dann bin ich ein richtiger Autor.
  • Wenn ich vom Schreiben leben kann, bin ich ein richtiger Autor.
  • Wenn …, dann …

Diese Liste lässt sich beliebig fortführen. Viele Jungautoren gehen davon aus, dass sich irgendwann automatisch das Gefühl einstellt, es nun »geschafft« zu haben. Doch in Wirklichkeit stellt sich dieses Empfinden bei den meisten nicht plötzlich wie von selbst ein.

Natürlich ist die Scheu groß, sich selbst eine Berufsbezeichnung zu verpassen, für die man keine nachweisbare Ausbildung gemacht hat, und sich selbst zum Kollegen von Stars am Literaturhimmel wie King, Rowling oder gar Tolkien zu ernennen. Ganz schön vermessen, nicht wahr?

Wir sind sehr gut darin, uns selbst zu degradieren. Häufig laufen wir gerade dann zu kreativen Höchstleistungen auf, wenn es darum geht, unser Licht unter einen Scheffel zu stellen. Falls wir überhaupt zu unserem kreativen Schaffen stehen und – Gott bewahre! – mit jemandem darüber sprechen müssen, bezeichnen wir uns bestenfalls als »Schreiberling« oder »Hobbyautor«. Auf den ersten Blick mögen diese Wörter nicht schlimm, vielleicht sogar niedlich klingen. Doch sie festigen eine Vorstellung von uns selbst, die wir nur schwer wieder loslassen können. Mit diesen Bezeichnungen machen wir uns selber klein. Darauf deutet schon das Suffix -ling hin. Ein Wort, das auf diese Silbe endet, kann kaum etwas Großes bezeichnen und ist häufig umgangssprachlich abwertend gemeint. Man denke nur an Däumling, Schwächling, Günstling, Lüstling, Schönling usw. Eine seltene, aber angenehme Ausnahme von dieser Regel dürfte gewiss der Liebling sein, die anderen Bezeichnungen würde man wohl eher nicht so gern in Bezug auf sich selbst hören wollen.

Sehr beliebt, um uns selbst zu sabotieren, sind auch Formulierungen wie »Ach, das sind doch bloß Fanfictions/Gedichte/Kritzeleien«, »So gut bin ich auch wieder nicht«, »Ich mache das nur als Hobby« usw. Sicherlich hast du dich bereits bei ähnlichen Gedankengängen oder Aussagen ertappt, meistens kommen sie uns jedoch ganz automatisch in den Sinn und über die Lippen. Es ist beinahe wie ein Reflex. Weil wir uns schämen, weil wir erwarten, dass uns Hohn und Spott entgegenschlagen, wenn wir uns als Autor bezeichnen, obwohl wir keine nennenswerte Veröffentlichung vorzuweisen haben. Für viele zählt nicht der Prozess, sondern lediglich das Ergebnis. Schließlich schaut uns niemand über die Schulter, wenn wir in unserer Schreibstube sitzen, um Worte ringen oder zum drölfzigsten Mal diese verdammte Szene überarbeiten, die einfach nicht so werden will, wie wir uns das vorstellen.

Doch es ist der Prozess, der ausschlaggebend ist. Das deutsche Wort Autor hat seinen Ursprung in dem lateinischen Begriff auctor, was so viel wie Urheber oder Schöpfer bedeutet, wörtlicher jedoch mit Mehrer oder Förderer übersetzt werden kann. Man versteht unter einem Autor also lediglich den Urheber eines Textes. Von Erfolg, Veröffentlichung oder dem großen Geld ist da nicht die Rede.

Noch deutlicher wird es, wenn wir uns das englische Äquivalent ansehen. Das Wort Author bezeichnet wie unser deutscher Autor den Urheber eines Textes, ebenso wie der Begriff Writer. Das ist interessant, denn im Deutschen haben wir nur ein Wort dafür. Wollten wir Writer so wörtlich wie möglich übersetzen, würden wir es vermutlich mit Schreiber oder Schreibender versuchen. Hier wird die Unterscheidung deutlich, da auf den Prozess verwiesen wird, nicht auf den veröffentlichten Artikel oder den vom Feuilleton gefeierten Roman. Es geht schlicht und einfach um die Tätigkeit des Schreibens. Wenn du also schreibst, bist du bereits ein richtiger Autor. Hier und jetzt, nicht erst wenn dieses eingetroffen oder jenes passiert ist.

Degradiere dich nicht selbst, indem du abwertende Bezeichnungen für dich und die Tätigkeit nutzt, die du liebst. Begegne ihr und dir selbst mit dem gebührenden Respekt. Du musst ja nicht gleich Visitenkarten in Tausenderauflage mit der Berufsbezeichnung Autor in Auftrag geben. (Obwohl das durchaus ein enormer Motivationsschub sein kann. Für den Anfang könntest du es ja bei zweihundertfünfzig Stück belassen 😉 )

Vielleicht hilft dir ein kleines Mantra  dabei, mehr Selbstbewusstsein in Bezug auf die Tätigkeit des Schreibens zu entwickeln. So etwas wie »Ich schreibe, also bin ich Autor« oder eine ähnliche Formulierung, die du dir wiederholt (laut!) sagst, kann dein Selbstbild verändern und dir das Selbstvertrauen geben, dich ganz selbstverständlich als Autor zu zu sehen.

Oder vielleicht traust du dich in einem Gespräch auf die Frage »Und, was machst du so?« mit »Ich schreibe« zu antworten. Oftmals sind die Gesprächspartner daran wesentlich interessierter, als man denkt. Berufe haben schließlich die meisten, seine Berufung muss man aber erst einmal finden.

Bezeichnest du dich selbst als Autor? Wenn ja: Wann hast du dich dazu entschieden? Wenn nein: Warum nicht?

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Photo by rawpixel.com on Unsplash

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21 Gedanken zu “Ein Autor ist ein Autor ist ein Autor

  1. Was für ein wichtiger Artikel! Ich bin ja der festen Überzeugung, dass Sprache Realität schaffen kann (ein Grund, warum uns fiktive Welten oft so echt vorkommen). Das gilt auch und vor allem für die Sprache, die wir für uns selbst benutzen. Was wir über uns selbst denken, bestimmt unser Denken, Handeln und Erleben. Wer sich selbst, wie du so treffend schreibst, mit Worten degradiert, macht sich selbst schlecht, bevor überhaupt etwas passiert ist. Meiner Erfahrung nach hat es sich sehr positiv auf mein Schreiben ausgewirkt, als ich mich anfing mich als Autorin zu bezeichnen. Ich fing an, mich selbst und meine Texte ernst zu nehmen und das ist ein wunderbares Gefühl – selbst wenn ich niemals erfolgreich sein werde. Good Vibes only! ❤

    1. Danke dir! Ich bin absolut deiner Meinung! Wenn wir unsere eigene Arbeit schon nicht ernst nehmen, wie sollen andere es dann tun? Und auch für das eigene Mindset finde ich es wichtig, sein Licht nicht ständig unter den Scheffel zu stellen. Es geht ja gar nicht darum, in die Welt hinauszuposaunen, dass man Autor ist, sondern sich in erster Linie selbst als jemand betrachtet, der seiner kreativen Arbeit einen angemessenen Stellenwert verschafft.

  2. Ich lasse mal eine Dank da und denke ein wenig nach. Komischerweise fällt es mir leichter, mich als „writer“ zu verstehen denn als Autor – ob das daran liegt, dass ich ohnehin ständig zwischen den Sprachen hänge?

    1. Das kann gut sein. Ich mag den Begriff „Writer“ auch lieber als das recht steif klingende „Autor“. Fast schade, dass es keinen äquivalenten Begriff im Deutschen gibt.

  3. Jetzt traue ich mich, mich Autorin zu nennen. Bisher war ich tatsächlich auch jemand, der immer gesagt hat „ich schreibe gern“ oder am besten niemandem davon erzählt habe, weil ich Ängste hatte, ausgelacht zu werden. Vor einem Monat habe ich mich getraut und auf Sweek etwas veröffentlicht. Das kam dem Gefühl, Autorin zu sein, näher. Dein Artikel hilft um so mehr, auch wenn ich nicht gut bin und es niemand liest. Danke!

    1. Das freut mich zu hören! 🙂 Die Ängste kann ich gut nachvollziehen, es zieht ja immer Nachfragen nach sich, wenn man erzählt, dass man Autor ist oder schreibt – und die sind nicht immer unbedingt wohlwollend, manchmal auch unabsichtlich verletzend. Man macht sich immer ein Stück weit angreifbar, wenn man von seiner kreativen Arbeit erzählt.
      Herzlichen Glückwunsch auch zur Veröffentlichung! Toll, dass du doch getraut hast! Aber stell dein Licht nicht gleich wieder unter den Scheffel, indem du sagst, dass du nicht gut seist und niemand deine Texte liest. Hab Geduld und glaub an dich! ❤ Ich lasse dir nochmal einen Artikel da, in dem es genau darum geht & sende dir liebe Grüße!

      https://texteule-lektorat.com/2018/04/06/die-macht-der-worte/

  4. Wunderbarer Artikel! Ich finde es wirklich wichtig, dass wir uns gegenseitig Mut machen! Wie wir sprechen, formt unser Denken. Denken wir, wir schaffen etwas nicht, schaffen wir es nicht. Denken wir, wir sind etwas nicht, dann verlieren wir es.
    Autor zu sein fängt ja schon im kleinen an! Die Art, wie wir auf die Welt sehen, wie wir Menschen beobachten, wie wir Geschichten im Kopf haben, wie wir in Gedanken ständig unbewusst und bewusst überlegen, wie man das, was man gerade sieht, in einem. Buch beschrieben fände. Diese Gedanken sind es, die uns zu Autoren machen, die uns schreiben lassen.
    Ein Mensch ist das, was er ist und nicht sein Erfolg!
    Liebe Grüße ❤️

  5. Ich schreibe selber, jedoch nur auf meinem Blog. Ich werde für meine Abschlussarbeit auch eine Geschichte schreiben. Ich habe mich noch nie als Schriftsteller gesehen und ich muss sagen unglaublich guter Beitrag. Er ist unglaublich motivierend und fördernd.
    Danke sehr. *.*
    Liebe Grüsse
    Serafina

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar! Es freut mich sehr, dass dir der Artikel weitergeholfen hat. Wie wir uns selbst sehen, macht schließlich viel aus 😊
      Liebe Grüße!

  6. Danke, vielen lieben Dank für diesen Artikel. Ich verdächtige mich selbst immer noch der Hochstaplerei, weil ich mich Autor nenne, aber noch nicht veröffentlicht habe.
    Etwas externe Bestätigung wirkt da Wunder. ☺

  7. Ich definiere mich als Schreiberin, jedoch wenn mich jemand fragt was ich sei dann antworte ich mit Autorin
    Naja, das liegt vor allem an der Textsorte in der ich schreibe. Drabbles oder KGs. Es tönt so viel besser zu sagen, man sei Drabble-Schreiberin anstatt von Drabble-Autorin…

    1. Ich mag das Wort „Schreiber“ eigentlich auch lieber, weil es im Gegensatz zu „Autor“ den Prozess verdeutlicht. Leider klingt es immer ein wenig sperrig.

  8. Ich habe einer Bekannten, die zufällig auch einen (veröffentlichten, bekannteren) Autoren kennt, von meinem Projekt erzählt und sie gebeten, doch mal Feedback von diesem Autoren einzuholen, was er so davon hält.
    Die Antwort fiel (sinngemäß) wie folgt aus: „Vergiss es, ein Buch zu schreiben ist harte Arbeit, brauchst du als Nicht-Autor gar nicht erst versuchen. Geschweige denn, dass sowas veröffentlicht wird.“
    Irgendwie hatte ich so etwas ja fast erwartet. Zum Glück gibt es andere Perspektiven wie die deine und viele, viele Mutmacher. Danke dafür!

    1. Ich finde es sehr schade, wenn Kollegen so wenig Hoffnung verbreiten. Diese Aussage klingt in meinen Ohren sehr verbittert.
      Und was bitte soll ein „Nicht-Autor“ sein? Entweder man schreibt oder man tut es nicht. Und jeder hat doch mal an seinem ersten Projekt gesessen und angefangen. Man kommt ja nicht als veröffentlichter und erfolgreicher Autor auf die Welt. Traurig, wenn solche Äußerungen getätigt werden. Bleib dran, schreib weiter und lass dich davon nicht entmutigen!

  9. Liebe Nina,
    ich danke dir von ganzen Herzen für diesen Artikel. Denn ich zögere immer, mich so zu nennen. Deshalb steht auf meinem Profil auf Twitter und meinem Blog: Im Herzen Schriftstellerin. Wenn meine Tochter gefragt wird, was ihre Mama denn so macht, antwortet sie immer: „Meine Mama ist Schriftstellerin und schreibt super Gedichte und Geschichten.“ Ich wünschte, das würde ich mich selber auch so sagen trauen, ohne mich und meine Werke abzuwerten. Aber ich weiß, dass dieser Tag kommt. 😉

    1. Liebe Susanne,
      vielen Dank für deinen Kommentar und die süße Geschichte! Kinder sind in der Hinsicht so viel offener. Für sie zählt nicht, ob man damit Geld verdient oder davon leben kann. Hauptsache, man macht es mit Freude und Leidenschaft. Du hast eine tolle Tochter – aber das weißt du garantiert selbst! 🙂
      „Schriftstellerin im Herzen“ ist übrigens eine sehr schöne Bezeichnung!
      Liebe Grüße
      Nina

  10. Danke für diesen wundervollen Post! Dieser Gedanke kann allen jungen Autoren/Autorinnen Mut machen, so wie er mir Mut gemacht hat, nachdem ich mit meinem Manuskript von drei Verlagen hintereinander abgelehnt wurde. Und du hast sooo Recht! Jeder, der schreibt, verdient den Titel „Autor“ oder „Schriftsteller“ allein schon dafür, dass er seine Worte zu Papier bringt.

  11. Ein sehr schöner Artikel. Mir fällt es auch noch schwer, mich als Autor zu sehen, solange das nicht mein Hauptberuf ist. Aber du hast Recht. Wer großes erreichen will, muss zuerst groß denken. Und vor allem muss man daran glauben, dass man es schaffen kann, denn erst dann gibt man auch alles dafür.
    Solche Motivation tut immer gut. 😉

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