Vom Scheitern

Autorenleben

»Ich bin nicht gescheitert. Ich habe 10.000 Wege entdeckt, die nicht funktioniert haben.«
Thomas Alva Edison

Wir alle scheitern. Ständig. Auch wenn wir es nicht gerne zugeben. Es gibt zahlreiche Zitate (wie das obige von Edison), die vom Nutzen des Scheiterns sprechen, die uns sagen: Kopf hoch! Scheitern gehört zum Leben dazu. Und natürlich haben diese Zitate recht, niemand hat ständig nur Erfolg – auch wenn manche (Online-)Auftritte uns das weismachen wollen. Und auch wenn Scheitern zum Leben dazugehört: Niemand gibt  gerne zu, eine Aufgabe nicht bewältigen zu können. Denn, wie Stefanie Kara und Claudia Wüstenhagen in ihrem Artikel Die Kunst des Scheiterns* so treffend formulieren: »Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der Menschen an ihren Erfolgen gemessen und für ihre Niederlagen verurteilt werden. In kaum einem anderen Land der Welt werden Misserfolge so sehr geächtet wie hier.«

Nur, wer leistet, ist etwas wert. Nur, wer sein Leben nicht nur auf die Reihe bekommt, sondern Außergewöhnliches schafft, hat sich Anerkennung verdient. Wer ständig gestresst ist, von Termin zu Termin hetzt, unglaublich beschäftigt wirkt und in Arbeit versinkt, scheint etwas richtig zu machen – zumindest, wenn man den Kommentarspalten einschlägiger Onlinezeitungen glaubt. Und wer finanziell, physisch, psychisch oder in einem beliebigen anderen Bereich abgehängt wird … tja, selbst schuld.

Davon können Autoren noch einmal ein besonderes Lied singen. Wer nicht vom Schreiben lebt, gilt lediglich als Hobby-Schriftsteller, nicht als »richtiger Autor». Anerkennung? Fehlanzeige.

Aber sind wir tatsächlich gescheitert, nur weil sich das frisch veröffentlichte Werk nicht so verkauft, wie wir es gerne hätten? Weil sich irgendeine fremde Person bemüßigt fühlt, eine 1-Sterne-Rezension bei Amazon zu veröffentlichen und uns rät, doch lieber einen anständigen Beruf zu ergreifen und die Leser in Zukunft von unserem Geschreibsel zu verschonen? Weil wir vielleicht nicht den Erfolg haben, den wir uns wünschen?

Als Autoren brauchen wir ein äußerst dickes Fell. Nicht nur im Umgang mit Kritik oder ausbleibendem Erfolg, sondern auch in Bezug auf unsere tägliche Arbeit. Wir scheitern ständig. Ob uns die richtigen Worte fehlen, uns die Szene, an der wir nun schon drei Wochen schreiben, einfach nicht gelingen will, ob  die Figur nicht das macht, was sie soll, ob wir uns in der Geschichte verirrt haben und nach 250 geschriebenen Seiten entnervt aufgeben, ob ein dummer Kommentar aus unserem Familien- oder Bekanntenkreis uns trifft oder ob mal wieder ein Ablehnungsschreiben von einer Agentur oder einem Verlag eintrudelt – zu scheitern ist geradezu unser Alltag.

Ist das nun Grund zur Verzweiflung? Ich denke nicht. Denn eines haben all diese Zitate über das Scheitern gemein: Sie alle zeigen, dass zu scheitern nicht das Ende ist. Ja, es ist ärgerlich. Ja, es ist nervig. Ja, es ist furchtbar blöd und wir fühlen uns unzulänglich – vor allem, weil uns in den Sozialen Netzwerken ständig die Erfolge unserer Mitmenschen  und Kollegen unter die Nase gerieben werden.

»Habe heute 10.000 Wörter geschrieben! Yay!«
»Verlag XYZ will meine Buchreihe veröffentlichen. Habe gerade den Vertrag für drei Bücher unterschrieben!«
»Ich habe 1000 Ideen für neue Geschichten – und ich liebe sie alle!«
»Juhu, mein Buch ist auf Platz 10 der Bestsellerliste!«

Solche oder ähnliche Meldungen werden uns tagtäglich in die Timeline gespült. Von vielen Autoren habe ich schon gehört, dass sie sich zwar einerseits für die Kollegen freuen, sich jedoch anderseits unter Druck gesetzt fühlen – oder schlimmer noch – glauben, dass sie keine guten oder keine »richtigen« Autoren seien, weil sie noch nichts veröffentlicht haben, weil sie nicht jeden Tag schreiben (können oder wollen), weil sie nicht sechs Bücher pro Jahr veröffentlichen oder bereits mehrfach ein Nein von Agenturen oder Verlagen erhalten haben.

Es heißt ja immer, man solle aufhören, sich mit anderen zu vergleichen. Ich bin nicht sicher, ob das überhaupt möglich ist. Auch wenn wir es uns fest vornehmen, letztendlich tun wir es ja doch. Da ist immer jemand, der besser aussieht, fleißiger oder erfolgreicher ist, mehr und besser schreibt, mehr verdient … Vielleicht ist es aber auch gar nicht nötig, das Sich-Vergleichen einzustellen, sondern sich zu sagen: »Hey, Autor X hat gerade ein tolles Erfolgserlebnis und ich freue mich für ihn. Das möchte ich auch. Was muss ich dafür tun?«

Und sich auch bewusst machen, dass eben nicht alles Gold ist, was glänzt. Der Verlagsvertrag kann in Stress ausarten, weil man plötzlich von Fremden festgesetzte Fristen einhalten muss. Das Buch kann sich nicht so gut verkaufen, wie gedacht, und vom Verlag nicht mehr nachgedruckt werden. Die 10.000 geschriebenen Wörter können der größte Murks sein, Stunden in der Überarbeitung verschlingen oder gar ganz aus dem Manuskript herausfliegen. Nicht, dass wir das irgendwem wünschen. Aber solche Gedanken helfen uns, zu verinnerlichen, dass Erfolg relativ ist. Er ist das, was du daraus machst.

Besonders extrem wird der Vergleich untereinander für uns Autoren im November, wenn sich hunderttausende Schriftsteller weltweit wieder am NaNoWriMo, dem National Novel Writing Month teilnehmen, in dem es gilt, 50.000 Wörter in dreißig Tagen zu schreiben. 50.000 Wörter in dreißig Tagen? Das sind 1.667 Wörter am Tag. Dreißig Tage lang. Das ist eine ganze Menge. Und es kann sehr frustrierend sein, wenn man seine Kollegen an sich vorbeiziehen sieht und sich selbst fühlt wie eine Schnecke auf Glatteis. Es gibt Autoren, die schaffen dieses Pensum innerhalb von drei Tagen. Es gibt die gemächlichen Schreiber, die pünktlich am 30. November (um kurz vor Mitternacht) das Ziel erreichen (Hier, ich! 👋). Und dann gibt es diejenigen, die es sich fest vornehmen und trotzdem nach wenigen hundert Wörtern aufgeben. Weil die Geschichte nicht so funktioniert, wie sie soll, oder einem das Leben dazwischenfunkt.

Wenn ich den NaNoWriMo nicht bezwinge, bin ich dann gescheitert? Nicht doch. Der Wordcount sagt letztendlich gar nichts über die Qualität eines Textes aus. Wie heißt es auf Kölsch so schön? Jede Jeck is anders. Es gibt Viel- und Wenigschreiber. Autoren, die ein Buch pro Monat schreiben und andere, die mehrere Jahre für eine Kurzgeschichte benötigen. Autoren, die das Wettkampf-Feeling lieben, das der NaNo mit sich bringt, und Autoren, die mit Wörterzählen so gar nichts anfangen können. Und all das ist in Ordnung. Egal, wie du als Autor arbeitest – erlaubt ist, was für dich funktioniert. Und auch dann, wenn du deinen Weg noch nicht gefunden hast, dich noch ausprobierst: Das sagt rein gar nichts darüber aus, wie erfolgreich du als Autor warst, bist oder sein wirst.

Denn, sind wir mal ehrlich: Wer entscheidet, wer oder was erfolgreich ist? Für den einen ist es ein Erfolg, wenn er es schafft, einmal im Monat ein paar Wörter zu Papier zu bringen. Und für den anderen ist die oberste Sprosse der Erfolgsleiter auch nach zehn Bestsellern noch nicht erreicht.

So oder so, du wirst deinen Weg gehen. Selbst, wenn du irgendwann entscheiden solltest, dass dir das Schreiben keinen Spaß mehr macht und du es aufgibst: Dann bist du kein gescheiterter Autor. Dann bist du einfach nur ein Mensch, der sein Interesse und seine Prioritäten auf andere Aktivitäten richtest. Und das ist doch nun wirklich kein Grund, sich schlecht zu fühlen. (Obwohl auch das natürlich erlaubt ist, denn vermeintliches Scheitern tut weh – keine Frage.)

Autor sein bedeutet scheitern lernen. Ich wünsche mir, dass wir mit unseren Misserfolgen ebenso offen umgehen wie mit unseren Erfolgen. Wir sind keine Maschinen. Scheitern ist etwas, das uns menschlich macht.

Vielleicht sollten wir es mit Winston Churchill halten, der sagte: »Erfolg ist die Fähigkeit, von einem Misserfolg zum anderen zu gehen, ohne seine Begeisterung zu verlieren.«

Und auch über unser Scheitern sprechen, denn es ist etwas, das uns alle verbindet.

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*erschienen auf Zeit Online am 11. Juni 2013 und in Zeit Wissen Nr. 04/13. Zuletzt aufgerufen am 8.7.2019 um 13:53 Uhr.
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Lektorat & Korrektorat – Brauche ich das wirklich?

Aus dem Lektorat

Diese Frage stellt sich wohl jeder selbstveröffentlichende Autor früher oder später. Im Verlag ist es üblich, dass der Text auf Herz und Nieren geprüft wird und eine Rechtschreibkorrektur erhält, um den künftigen Lesern das bestmögliche Produkt zu bieten.

Genau das sollte auch das Ziel eines Self-Publishers sein: Die beste Geschichte, die er zu schreiben imstande ist, zu veröffentlichen. Natürlich ist und bleibt ein Roman immer Geschmackssache. Auch wenn ein Text mehrere Lektoratsdurchgänge hinter sich hat, gibt es noch immer Leser, denen das Buch einfach nicht zusagt. Rechtschreibung und Grammatik hingegen haben mit Geschmack zumeist wenig zu tun, da zählen Regeln. Wer sich als Self-Publisher über diese hinwegsetzt (oder sie einfach nicht beachtet), auf ein Korrektorat verzichtet und das Buch veröffentlicht, muss sich nicht wundern, wenn es zahlreiche negative Kritiken hagelt. Dem Leser ist es erst einmal egal, ob du Self-Publisher oder Verlagsautor bist. Für ihn zählt nur das Produkt, für das er üblicherweise Geld ausgegeben hat. Auf ein Korrektorat zu verzichten, kann also im schlimmsten Fall geschäftsschädigend sein, denn verärgerte Leser werden wohl kein Buch mehr zur Hand nehmen, auf dessen Umschlag dein Autorenname prangt – auch dann nicht, wenn du aus deinem Fehler gelernt hast und der Folgeband (nahezu) fehlerfrei ist.

Ob es sich nun um fehlerhafte Rechtschreibung oder um Plotlöcher handelt: Gravierende Fehler verleiden deinen Lesern das Vergnügen an deinem Buch. Hier können Lektorat und Korrektorat Abhilfe schaffen.

Lektorat und Korrektorat sind zwei unterschiedliche Dinge

Doch was ist eigentlich der Unterschied? Ein Korrektorat tilgt Rechtschreib-, Tipp- und Grammatikfehler aus dem Manuskript. Es beschäftigt sich nicht mit Inhalt, Figuren, Plot oder Logikfehlern und auch nicht mit dem Schreibstil des Autors. Dafür ist das Lektorat da. Der Lektor überprüft, ob Inhalt und Stil stimmig sind, ob die Motivation der Figuren und ihr Handeln nachvollziehbar sind, ob es Logikbrüche oder überflüssige Szenen gibt.

Warum diese Unterscheidung? Ein Lektor, der tief in die Geschichte eintaucht und sie auf Herz und Nieren prüft, kann sich kaum noch nebenbei mit Rechtschreibfehlern beschäftigen. Auf ihnen liegt bei der Bearbeitung des Textes einfach nicht der Fokus, weshalb man sie einfach ausblendet. (Die meisten Lektoren, die ich kenne, korrigieren Fehler, die ihnen auffallen, jedoch mit. Aber nicht alle, die ein Lektorat anbieten, stehen auch als Korrektoren zur Verfügung.) Ich tendiere dazu, einem Autor unterschiedliche Personen für Lektorat und Korrektorat zu empfehlen. Auch Lektoren sind nur Menschen und nach intensiver Textarbeit nicht vor Betriebsblindheit gefeit.

Die Frage nach dem Preis

Natürlich sind weder Lektorat noch Korrektorat kostenlos zu bekommen. Als selbstveröffentlichender Autor muss man ganz schön tief in die Tasche greifen, um sich eine solche Überprüfung seines Textes zu gönnen. Bei einem Preis von roundabout fünf Euro pro Normseite (häufig auch mehr) für ein Lektorat kann man nicht gerade von einem günstigen Vergnügen sprechen. Schnell liegt man bei einem Manuskript von zweihundert Normseiten bei einem Preis von tausend Euro und mehr. Und dann kommt noch das Korrektorat dazu. Ist es das wirklich wert? Und die andere Frage, die du dir stellen musst: Ist das wirtschaftlich? Wie stehen die Chancen, die Kosten für das Lektorat und zusätzlich noch für das Korrektorat wieder einzuspielen? Als Self-Publisher bist du nicht nur Autor, sondern auch Unternehmer. Dementsprechend sollten auch deine finanziellen Überlegungen aussehen. In den meisten Fällen – v. a. wenn es dein erstes Buch ist – lautet die Antwort auf die Frage nach der Wirtschaftlichkeit: Nein, es lohnt sich nicht.

Andererseits – wenn wir schon von Unternehmertum sprechen: Wer Geld verdienen will, muss zunächst bereit sein, welches zu investieren. Das klingt vielleicht erst einmal paradox, ist aber ein wirtschaftlicher Grundsatz.

Investition in die Zukunft

Wenn du ein Lektorat in Auftrag gibst, investierst du nicht nur in dieses eine aktuelle Buch, sondern auch in dich und deine Zukunft als Schriftsteller. Denn ein gutes Lektorat beschert dir auch das ein oder andere Aha-Erlebnis, das dir beim Schreiben der folgenden Manuskripte hilfreich sein wird. Du lernst, worauf du bei der Charakterisierung deiner Figuren achten musst, um sie dem Leser nahezubringen oder welche Formulierungen du allzu gern und damit zu häufig benutzt. Ein guter Lektor verführt dich dazu, dich noch einmal intensiv mit deiner Geschichte auseinanderzusetzen. Er stellt Fragen an den Text, über die du dir möglicherweise beim Schreiben nicht einmal Gedanken gemacht hast. Ein gutes Lektorat wird aus deinem Text auf jeden Fall einen besseren Text machen – und aus dir einen besseren Autor.

Doch machen wir uns keine Illusionen: Ein Lektorat ist kein Garant für Erfolg. In der Masse der jedes Jahr erscheinenden Bücher kann dein Roman auch dann untergehen, wenn er das deiner Meinung nach beste Lektorat aller Zeiten erhalten hat. Und genauso können Bücher erfolgreich werden, die nur mangelhaft lektoriert erscheinen. Es ist nicht nur die handwerkliche Qualität, die über Erfolg oder Misserfolg (wie immer man das definieren möchte) entscheidet.

Die Nadel im Heuhaufen

Solltest du dich dazu entscheiden, dein Manuskript lektorieren zu lassen: Glückwunsch! Du hast dich dazu entschieden, in deine Fähigkeiten zu investieren und dich kontinuierlich zu verbessern. Nun musst du nur noch den richtigen Lektor für dich und deine Bedürfnisse finden. Leichter gesagt als getan! Du kannst deinen Text zehn oder zwanzig Lektoren vorlegen und du wirst zehn oder zwanzig verschiedene Versionen erhalten.

Das Wichtigste ist, dass du dich in der Zusammenarbeit wohlfühlst – denn genau das ist ein Lektorat, eine Zusammenarbeit. Dein Lektor schreibt dein Buch weder um noch neu. Er gibt lediglich Anregungen und macht Vorschläge – zumindest sollte es so sein. Um die Chemie zwischen dir und deinem Wunschlektor zu testen, zu verstehen wie er arbeitet und ob diese Art und Weise der richtige Weg für dich ist, solltest du immer ein Probelektorat anfertigen lassen. Manche Lektoren bieten das kostenlos an, andere nehmen einen verhältnismäßig geringen Betrag dafür und verrechnen diesen bei Auftragserteilung. Die meisten Lektoren sind bereit, ein Telefonat mit dir zu führen, um deine Fragen zu beantworten. Ob per Mail, persönlich oder telefonisch: Wenn du Fragen hast, zögere nicht, diese zu stellen. Auch konkrete Wünsche, worauf besonderes Augenmerk gelegt werden soll, kannst du äußern. So entsteht eine fruchtbare Zusammenarbeit.

Kein professionelles Lektorat = kein gutes Buch?

Doch was, wenn du dir partout kein Lektorat leisten kannst/willst? Darfst du dein Buch dann nicht veröffentlichen? Unsinn. Natürlich darfst du. Behalte jedoch im Hinterkopf, dass du das Buch für dich geschrieben hast und es genauso magst, wie es jetzt ist. Sobald du es jedoch in die weite Welt hinausschickst, muss es nicht mehr nur deinen Ansprüchen genügen, sondern gegen zig Millionen andere Bücher bestehen.

Es gibt jedoch nicht nur entweder – oder. Wenn du dich gegen ein professionelles Lektorat entscheidest, heißt das nicht, dass du dein Buch unkorrigiert und gänzlich ohne Feedback veröffentlichen musst. Es heißt auch nicht, dass es dann automatisch ein schlechteres Buch ist. Ich würde dir in diesem Fall jedoch ans Herz legen, dir vertrauensvolle Menschen zu suchen, die dir als Testleser helfen, die gröbsten Schnitzer auszubügeln. Idealerweise sind das Menschen, die konstruktive Kritik verteilen, deinen Text nicht niedermachen, aber auch nicht kritiklos in den Himmel loben (Anmerkung am Rande: meistens sind es keine Mitglieder der eigenen Familie). Vielleicht hast du online in deinem Netzwerk oder auch in deinem persönlichen Umfeld andere Schreibende, mit denen du dich austauschen kannst. Gegenseitiges Test- und Korrekturlesen ist ein kreativer Austausch, der Spaß macht, Freundschaften entstehen lässt und Texte im Idealfall wesentlich besser macht. Wichtig ist bei dieser Teamarbeit, dass alle Beteiligten respektvoll miteinander umgehen und in der Lage sind, konstruktive Kritik zu üben und diese in angemessene Worte zu fassen.

Ob du dich nun für ein professionelles Lektorat und/oder Testleser entscheidest, bleibt dir überlassen. Einen Königsweg gibt es hier nicht. Ein Buch ist nicht automatisch besser, wenn es professionell lektoriert wurde, und nicht automatisch schlechter, wenn es mithilfe von Testlesern entstanden ist. Die einzige Erkenntnis, die ich im Laufe meiner Beschäftigung mit Literatur aus der Diskussion »Lektorat – ja oder nein?« mitgenommen habe, ist die, dass wir Autoren stetig bereit sein sollten, zu lernen und unser Schreiben zu verbessern, Kritik anzunehmen und diese umzusetzen, sofern wir sie als berechtigt erachten. Auf welchem Wege wir an uns und unseren Texten arbeiten, sollte uns selbst überlassen bleiben.

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Ein Autor ist ein Autor ist ein Autor

Autorenleben

Alles, was du willst, ist auf der anderen Seite der Angst.
Jack Canfield

Zögerst du, dich Autor oder gar Schriftsteller zu nennen, weil du das Gefühl hast, du würdest diese Bezeichnung (noch) gar nicht verdienen? Dann ist dieser Artikel für dich. Denn wenn du schreibst, bist du Autor, auch wenn du bisher noch nichts veröffentlicht hast und/oder mit deinen Arbeiten kein Geld verdienst.

Definiere dich nicht darüber, was die Zukunft möglicherweise bringen oder auch nicht bringen mag. Die Art und Weise, wie du selbst über deine Tätigkeit denkst, wie du dich als kreativer Kopf bezeichnest, hat großen Einfluss darauf, wie du dich selbst wahrnimmst. Möglichweise ertappst du dich des Öfteren bei einem ähnlichen Gedanken wie folgt:

  • Wenn ich mein erstes Buch veröffentlicht habe, dann habe ich das Gefühl, ein richtiger Autor zu sein.
  • Wenn ich bei einem Verlag unter Vertrag genommen wurde, dann bin ich ein richtiger Autor.
  • Wenn ich vom Schreiben leben kann, bin ich ein richtiger Autor.
  • Wenn …, dann …

Diese Liste lässt sich beliebig fortführen. Viele Jungautoren gehen davon aus, dass sich irgendwann automatisch das Gefühl einstellt, es nun »geschafft« zu haben. Doch in Wirklichkeit stellt sich dieses Empfinden bei den meisten nicht plötzlich wie von selbst ein.

Natürlich ist die Scheu groß, sich selbst eine Berufsbezeichnung zu verpassen, für die man keine nachweisbare Ausbildung gemacht hat, und sich selbst zum Kollegen von Stars am Literaturhimmel wie King, Rowling oder gar Tolkien zu ernennen. Ganz schön vermessen, nicht wahr?

Wir sind sehr gut darin, uns selbst zu degradieren. Häufig laufen wir gerade dann zu kreativen Höchstleistungen auf, wenn es darum geht, unser Licht unter einen Scheffel zu stellen. Falls wir überhaupt zu unserem kreativen Schaffen stehen und – Gott bewahre! – mit jemandem darüber sprechen müssen, bezeichnen wir uns bestenfalls als »Schreiberling« oder »Hobbyautor«. Auf den ersten Blick mögen diese Wörter nicht schlimm, vielleicht sogar niedlich klingen. Doch sie festigen eine Vorstellung von uns selbst, die wir nur schwer wieder loslassen können. Mit diesen Bezeichnungen machen wir uns selber klein. Darauf deutet schon das Suffix -ling hin. Ein Wort, das auf diese Silbe endet, kann kaum etwas Großes bezeichnen und ist häufig umgangssprachlich abwertend gemeint. Man denke nur an Däumling, Schwächling, Günstling, Lüstling, Schönling usw. Eine seltene, aber angenehme Ausnahme von dieser Regel dürfte gewiss der Liebling sein, die anderen Bezeichnungen würde man wohl eher nicht so gern in Bezug auf sich selbst hören wollen.

Sehr beliebt, um uns selbst zu sabotieren, sind auch Formulierungen wie »Ach, das sind doch bloß Fanfictions/Gedichte/Kritzeleien«, »So gut bin ich auch wieder nicht«, »Ich mache das nur als Hobby« usw. Sicherlich hast du dich bereits bei ähnlichen Gedankengängen oder Aussagen ertappt, meistens kommen sie uns jedoch ganz automatisch in den Sinn und über die Lippen. Es ist beinahe wie ein Reflex. Weil wir uns schämen, weil wir erwarten, dass uns Hohn und Spott entgegenschlagen, wenn wir uns als Autor bezeichnen, obwohl wir keine nennenswerte Veröffentlichung vorzuweisen haben. Für viele zählt nicht der Prozess, sondern lediglich das Ergebnis. Schließlich schaut uns niemand über die Schulter, wenn wir in unserer Schreibstube sitzen, um Worte ringen oder zum drölfzigsten Mal diese verdammte Szene überarbeiten, die einfach nicht so werden will, wie wir uns das vorstellen.

Doch es ist der Prozess, der ausschlaggebend ist. Das deutsche Wort Autor hat seinen Ursprung in dem lateinischen Begriff auctor, was so viel wie Urheber oder Schöpfer bedeutet, wörtlicher jedoch mit Mehrer oder Förderer übersetzt werden kann. Man versteht unter einem Autor also lediglich den Urheber eines Textes. Von Erfolg, Veröffentlichung oder dem großen Geld ist da nicht die Rede.

Noch deutlicher wird es, wenn wir uns das englische Äquivalent ansehen. Das Wort Author bezeichnet wie unser deutscher Autor den Urheber eines Textes, ebenso wie der Begriff Writer. Das ist interessant, denn im Deutschen haben wir nur ein Wort dafür. Wollten wir Writer so wörtlich wie möglich übersetzen, würden wir es vermutlich mit Schreiber oder Schreibender versuchen. Hier wird die Unterscheidung deutlich, da auf den Prozess verwiesen wird, nicht auf den veröffentlichten Artikel oder den vom Feuilleton gefeierten Roman. Es geht schlicht und einfach um die Tätigkeit des Schreibens. Wenn du also schreibst, bist du bereits ein richtiger Autor. Hier und jetzt, nicht erst wenn dieses eingetroffen oder jenes passiert ist.

Degradiere dich nicht selbst, indem du abwertende Bezeichnungen für dich und die Tätigkeit nutzt, die du liebst. Begegne ihr und dir selbst mit dem gebührenden Respekt. Du musst ja nicht gleich Visitenkarten in Tausenderauflage mit der Berufsbezeichnung Autor in Auftrag geben. (Obwohl das durchaus ein enormer Motivationsschub sein kann. Für den Anfang könntest du es ja bei zweihundertfünfzig Stück belassen 😉 )

Vielleicht hilft dir ein kleines Mantra  dabei, mehr Selbstbewusstsein in Bezug auf die Tätigkeit des Schreibens zu entwickeln. So etwas wie »Ich schreibe, also bin ich Autor« oder eine ähnliche Formulierung, die du dir wiederholt (laut!) sagst, kann dein Selbstbild verändern und dir das Selbstvertrauen geben, dich ganz selbstverständlich als Autor zu zu sehen.

Oder vielleicht traust du dich in einem Gespräch auf die Frage »Und, was machst du so?« mit »Ich schreibe« zu antworten. Oftmals sind die Gesprächspartner daran wesentlich interessierter, als man denkt. Berufe haben schließlich die meisten, seine Berufung muss man aber erst einmal finden.

Bezeichnest du dich selbst als Autor? Wenn ja: Wann hast du dich dazu entschieden? Wenn nein: Warum nicht?

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