Vom Umgang mit Kritik

Autorenleben

Wer sich als Person und/oder mit seiner Arbeit in die Öffentlichkeit begibt, setzt sich zwangsläufig Kritik aus. Ein wichtiges Marketinginstrument für Autoren sind die Kundenrezensionen oder Lesermeinungen geworden, die z. B. auf Amazon zu finden sind oder von diversen Bücherblogs ins Netz gestellt werden.

Jeder von uns freut sich natürlich, wenn das Buch eine sehr gute Bewertung bekommt, wenn es vielleicht sogar in den Himmel gelobt wird und man als neuer Lieblingsautor oder gar Entdeckung des Jahres bezeichnet wird, wenn der Leser unsere monate- oder sogar jahrelange Arbeit zu schätzen weiß.

Umso schmerzhafter kann es sein, wenn das Buch einem Leser nicht zusagt und er seinen Unmut mit einer schlechten Bewertung kundtut. Wir sind natürlich zurecht stolz auf unser Werk – und dann kommt jemand daher und wagt es, uns eine 1-Sterne-Bewertung reinzudrücken mit der Begründung, dass er den Protagonisten unsympathisch, den Love Interest nervig, die Handlung unglaubwürdig und den Schreibstil grottig fand? Und plötzlich sind wir entweder wahnsinnig wütend auf den Banausen, der unser Genie nicht erkennen will oder beginnen, an uns selbst zu zweifeln. Habe ich vielleicht doch schlechte Arbeit geleistet? Hat der Rezensent vielleicht recht? Ist mein Buch das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt wurde?

Besonders interessant in dieser Hinsicht ist, dass eine schlechte Rezension uns viel mehr beschäftigt als Dutzende gute bis sehr gute. Wir kommen ins Grübeln, entweder über den unfairen Rezensenten oder unsere eigene Schaffenskraft. Bei einer positiven Rezension würde uns das nie einfallen. Wir freuen uns eine Zeit lang, bedanken uns vielleicht und sind motiviert, das nächste Buch mindestens ebenso gut hinzubekommen.

Eine negative Bewertung kann ebenfalls motivierend wirken, ganz nach dem Motto: Jetzt erst recht!, aber sie kann auch in eine Krise stürzen und schlimmstenfalls eine Schreibblockade hervorrufen.

Wie sollen wir mit schlechter Kritik umgehen?

Ehrlich gesagt: am besten gar nicht. Wir als Autoren sind eigentlich gar nicht die Zielgruppe für Rezensionen, das sind andere Leser. Natürlich ist es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, sich der Kritik zum eigenen Werk vollständig zu entziehen. Wir möchten schließlich wissen, was Lesern gefällt – und was nicht so gut ankommt.

Vielleicht hilft es dir, wenn du dir ins Gedächtnis rufst, dass du nicht schreibst, um allen anderen zu gefallen. Es ist schlicht nicht möglich ein Buch zu schreiben, bei dem jeder Leser am Ende denkt: Wow! Schreibstil, Figuren, Thema, Handlung, Plot – das alles sind Dinge, die verschiedenen Geschmäckern unterworfen sind. Es wird Leser geben, die dir sagen: „Ich habe mich in deine Hauptfigur verliebt!“ und solche, die meinen, der Charakter sei der unsympathischste, der je geschaffen wurde. Das ist völlig normal und auch vollkommen okay. Zum Glück sind wir alle unterschiedlich. Perfektion gibt es nicht. Du kannst nicht allen gefallen, also versuch es erst gar nicht.

Wenn du eine negative Kritik erhältst, mach bitte, bitte, bitte nicht den Fehler und reagiere darauf, in dem du dem Rezensenten vorwirfst, das Buch nicht verstanden zu haben oder ihn gar beschimpfst. Das hast du wirklich nicht nötig. Es sorgt nur für Ärger, Stress und im schlimmsten Fall für ein schlechtes Bild deiner Person in der Öffentlichkeit, denn auch andere Leser können deinen Kommentar bei Amazon, auf einem Blog oder in den Sozialen Medien lesen. Im schlimmsten Fall wirkst du dadurch auf sie so unsympathisch, dass sie es gar nicht mehr in Betracht ziehen, dein Buch zu lesen.

Auch von Privatnachrichten an den Rezensenten solltest du absehen, oder davon, deine begeisterten Leser auf diesen »Loser« anzusetzen, der dein Buch nicht mochte. Mach dich nicht öffentlich über die Rezension lustig. Am besten reagierst du gar nicht darauf. Das hat zwei Vorteile: Du lenkst nicht unnötig Aufmerksamkeit darauf und schonst gleichzeitg deine Nerven.

Natürlich will ich dir nicht absprechen, dich durch eine negative Bewertung verletzt zu fühlen. Das ist völlig legitim, genauso wie das Bedürfnis, darüber zu sprechen. Mach das gerne, aber mach es nicht öffentlich. Du hast gewiss eine gute Freundin, einen Lieblingskollegen oder eine private Schreibgruppe, in der du dich über deinen Kummer austauschen kannst und auch mal wütend sein darfst.

Wenn die Wut verraucht ist, kannst du dich noch einmal in Ruhe mit der Kritik auseinandersetzen. Natürlich nur, wenn es dir ein Bedürfnis ist. Wie ist sie formuliert? Sachlich und unaufgeregt? Begründet der Rezensent seine Meinung ausreichend? Oder schreibt er einfach nur „Das war der größte Mist, den ich je gelesen habe“, ohne zu erklären, warum ihm das Buch nicht gefallen hat? Greift er gar deine Person an?

Es gibt gerade bei negativer Kritik einen Unterschied zwischen konstruktiver und destruktiver Kritik. Konstruktive Kritik ist immer sachlich formuliert. Der Kritiker erläutert seinen Eindruck anhand von Beispielen und/oder Textbelegen, wird nicht persönlich. Das sind die negativen Lesermeinungen, die du dir ruhig näher anschauen kannst, auch wenn es vielleicht nicht besonders viel Spaß macht. Vielleicht hat der Rezensent in einigen Punkten ja sogar recht? Wenn du bereit bist, dich stetig zu verbessern und an deinem Schreibprozess zu wachsen, kann dir fast nichts Besseres passieren, als eine ehrliche und gut begründete Kritik.

Ein Rezensent, der nichts begründet und dich als Autor angreift, will meistens seinen Frust (über die Geschichte) irgendwo loswerden. Sehr spannend fand ich, was Mary Robinette Kowal im Podcast Writing Excuses (Folge 12.46: Reinventing Yourself) über ihren Umgang mit Rezensionen sagt:  Die 1-Sterne-Rezensionen liest sie entweder gar nicht oder »just for fun«, denn hier will nur jemand seinen Frust über das Buch (oder etwas anderes) ablassen. Die 2- und 3-Sterne-Rezensionen liest sie gar nicht, denn Leute, die so bewerten, wollten, dass sie ein anderes Buch schreibt. Die 5-Sterne-Rezensionen sind natürlich Balsam für die geschundene Autorenseele. Und die 4-Sterne-Rezensionen sind wirklich hilfreichen, die, aus denen ein Autor etwas lernen kann, denn für diese Leser sei das Buch »nahezu perfekt« gewesen – aber eben nicht ganz. Diese letzten beiden definiert sie als ihre Zielgruppe.

Diese Herangehensweise erspart unwahrscheinlich viel Kopfzerbrechen und Stress.  Es ist nicht deine Aufgabe, es jedem recht zu machen. Und es ist auch nicht deine Pflicht, dich schlecht zu fühlen, bloß weil jemand dein Buch nicht mochte. Schreib das beste Buch, das du zu schreiben imstande bist, das ist alles, was du tun kannst.

Wie hältst du es mit Rezensionen? Liest du sie? Und wenn ja: Reagierst du darauf?

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Photo byMARK ADRIANE on Unsplash

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Ein Autor ist ein Autor ist ein Autor

Autorenleben

Alles, was du willst, ist auf der anderen Seite der Angst.
Jack Canfield

Zögerst du, dich Autor oder gar Schriftsteller zu nennen, weil du das Gefühl hast, du würdest diese Bezeichnung (noch) gar nicht verdienen? Dann ist dieser Artikel für dich. Denn wenn du schreibst, bist du Autor, auch wenn du bisher noch nichts veröffentlicht hast und/oder mit deinen Arbeiten kein Geld verdienst.

Definiere dich nicht darüber, was die Zukunft möglicherweise bringen oder auch nicht bringen mag. Die Art und Weise, wie du selbst über deine Tätigkeit denkst, wie du dich als kreativer Kopf bezeichnest, hat großen Einfluss darauf, wie du dich selbst wahrnimmst. Möglichweise ertappst du dich des Öfteren bei einem ähnlichen Gedanken wie folgt:

  • Wenn ich mein erstes Buch veröffentlicht habe, dann habe ich das Gefühl, ein richtiger Autor zu sein.
  • Wenn ich bei einem Verlag unter Vertrag genommen wurde, dann bin ich ein richtiger Autor.
  • Wenn ich vom Schreiben leben kann, bin ich ein richtiger Autor.
  • Wenn …, dann …

Diese Liste lässt sich beliebig fortführen. Viele Jungautoren gehen davon aus, dass sich irgendwann automatisch das Gefühl einstellt, es nun »geschafft« zu haben. Doch in Wirklichkeit stellt sich dieses Empfinden bei den meisten nicht plötzlich wie von selbst ein.

Natürlich ist die Scheu groß, sich selbst eine Berufsbezeichnung zu verpassen, für die man keine nachweisbare Ausbildung gemacht hat, und sich selbst zum Kollegen von Stars am Literaturhimmel wie King, Rowling oder gar Tolkien zu ernennen. Ganz schön vermessen, nicht wahr?

Wir sind sehr gut darin, uns selbst zu degradieren. Häufig laufen wir gerade dann zu kreativen Höchstleistungen auf, wenn es darum geht, unser Licht unter einen Scheffel zu stellen. Falls wir überhaupt zu unserem kreativen Schaffen stehen und – Gott bewahre! – mit jemandem darüber sprechen müssen, bezeichnen wir uns bestenfalls als »Schreiberling« oder »Hobbyautor«. Auf den ersten Blick mögen diese Wörter nicht schlimm, vielleicht sogar niedlich klingen. Doch sie festigen eine Vorstellung von uns selbst, die wir nur schwer wieder loslassen können. Mit diesen Bezeichnungen machen wir uns selber klein. Darauf deutet schon das Suffix -ling hin. Ein Wort, das auf diese Silbe endet, kann kaum etwas Großes bezeichnen und ist häufig umgangssprachlich abwertend gemeint. Man denke nur an Däumling, Schwächling, Günstling, Lüstling, Schönling usw. Eine seltene, aber angenehme Ausnahme von dieser Regel dürfte gewiss der Liebling sein, die anderen Bezeichnungen würde man wohl eher nicht so gern in Bezug auf sich selbst hören wollen.

Sehr beliebt, um uns selbst zu sabotieren, sind auch Formulierungen wie »Ach, das sind doch bloß Fanfictions/Gedichte/Kritzeleien«, »So gut bin ich auch wieder nicht«, »Ich mache das nur als Hobby« usw. Sicherlich hast du dich bereits bei ähnlichen Gedankengängen oder Aussagen ertappt, meistens kommen sie uns jedoch ganz automatisch in den Sinn und über die Lippen. Es ist beinahe wie ein Reflex. Weil wir uns schämen, weil wir erwarten, dass uns Hohn und Spott entgegenschlagen, wenn wir uns als Autor bezeichnen, obwohl wir keine nennenswerte Veröffentlichung vorzuweisen haben. Für viele zählt nicht der Prozess, sondern lediglich das Ergebnis. Schließlich schaut uns niemand über die Schulter, wenn wir in unserer Schreibstube sitzen, um Worte ringen oder zum drölfzigsten Mal diese verdammte Szene überarbeiten, die einfach nicht so werden will, wie wir uns das vorstellen.

Doch es ist der Prozess, der ausschlaggebend ist. Das deutsche Wort Autor hat seinen Ursprung in dem lateinischen Begriff auctor, was so viel wie Urheber oder Schöpfer bedeutet, wörtlicher jedoch mit Mehrer oder Förderer übersetzt werden kann. Man versteht unter einem Autor also lediglich den Urheber eines Textes. Von Erfolg, Veröffentlichung oder dem großen Geld ist da nicht die Rede.

Noch deutlicher wird es, wenn wir uns das englische Äquivalent ansehen. Das Wort Author bezeichnet wie unser deutscher Autor den Urheber eines Textes, ebenso wie der Begriff Writer. Das ist interessant, denn im Deutschen haben wir nur ein Wort dafür. Wollten wir Writer so wörtlich wie möglich übersetzen, würden wir es vermutlich mit Schreiber oder Schreibender versuchen. Hier wird die Unterscheidung deutlich, da auf den Prozess verwiesen wird, nicht auf den veröffentlichten Artikel oder den vom Feuilleton gefeierten Roman. Es geht schlicht und einfach um die Tätigkeit des Schreibens. Wenn du also schreibst, bist du bereits ein richtiger Autor. Hier und jetzt, nicht erst wenn dieses eingetroffen oder jenes passiert ist.

Degradiere dich nicht selbst, indem du abwertende Bezeichnungen für dich und die Tätigkeit nutzt, die du liebst. Begegne ihr und dir selbst mit dem gebührenden Respekt. Du musst ja nicht gleich Visitenkarten in Tausenderauflage mit der Berufsbezeichnung Autor in Auftrag geben. (Obwohl das durchaus ein enormer Motivationsschub sein kann. Für den Anfang könntest du es ja bei zweihundertfünfzig Stück belassen 😉 )

Vielleicht hilft dir ein kleines Mantra  dabei, mehr Selbstbewusstsein in Bezug auf die Tätigkeit des Schreibens zu entwickeln. So etwas wie »Ich schreibe, also bin ich Autor« oder eine ähnliche Formulierung, die du dir wiederholt (laut!) sagst, kann dein Selbstbild verändern und dir das Selbstvertrauen geben, dich ganz selbstverständlich als Autor zu zu sehen.

Oder vielleicht traust du dich in einem Gespräch auf die Frage »Und, was machst du so?« mit »Ich schreibe« zu antworten. Oftmals sind die Gesprächspartner daran wesentlich interessierter, als man denkt. Berufe haben schließlich die meisten, seine Berufung muss man aber erst einmal finden.

Bezeichnest du dich selbst als Autor? Wenn ja: Wann hast du dich dazu entschieden? Wenn nein: Warum nicht?

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