Vom Umgang mit Kritik

Autorenleben

Wer sich als Person und/oder mit seiner Arbeit in die Öffentlichkeit begibt, setzt sich zwangsläufig Kritik aus. Ein wichtiges Marketinginstrument für Autoren sind die Kundenrezensionen oder Lesermeinungen geworden, die z. B. auf Amazon zu finden sind oder von diversen Bücherblogs ins Netz gestellt werden.

Jeder von uns freut sich natürlich, wenn das Buch eine sehr gute Bewertung bekommt, wenn es vielleicht sogar in den Himmel gelobt wird und man als neuer Lieblingsautor oder gar Entdeckung des Jahres bezeichnet wird, wenn der Leser unsere monate- oder sogar jahrelange Arbeit zu schätzen weiß.

Umso schmerzhafter kann es sein, wenn das Buch einem Leser nicht zusagt und er seinen Unmut mit einer schlechten Bewertung kundtut. Wir sind natürlich zurecht stolz auf unser Werk – und dann kommt jemand daher und wagt es, uns eine 1-Sterne-Bewertung reinzudrücken mit der Begründung, dass er den Protagonisten unsympathisch, den Love Interest nervig, die Handlung unglaubwürdig und den Schreibstil grottig fand? Und plötzlich sind wir entweder wahnsinnig wütend auf den Banausen, der unser Genie nicht erkennen will oder beginnen, an uns selbst zu zweifeln. Habe ich vielleicht doch schlechte Arbeit geleistet? Hat der Rezensent vielleicht recht? Ist mein Buch das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt wurde?

Besonders interessant in dieser Hinsicht ist, dass eine schlechte Rezension uns viel mehr beschäftigt als Dutzende gute bis sehr gute. Wir kommen ins Grübeln, entweder über den unfairen Rezensenten oder unsere eigene Schaffenskraft. Bei einer positiven Rezension würde uns das nie einfallen. Wir freuen uns eine Zeit lang, bedanken uns vielleicht und sind motiviert, das nächste Buch mindestens ebenso gut hinzubekommen.

Eine negative Bewertung kann ebenfalls motivierend wirken, ganz nach dem Motto: Jetzt erst recht!, aber sie kann auch in eine Krise stürzen und schlimmstenfalls eine Schreibblockade hervorrufen.

Wie sollen wir mit schlechter Kritik umgehen?

Ehrlich gesagt: am besten gar nicht. Wir als Autoren sind eigentlich gar nicht die Zielgruppe für Rezensionen, das sind andere Leser. Natürlich ist es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, sich der Kritik zum eigenen Werk vollständig zu entziehen. Wir möchten schließlich wissen, was Lesern gefällt – und was nicht so gut ankommt.

Vielleicht hilft es dir, wenn du dir ins Gedächtnis rufst, dass du nicht schreibst, um allen anderen zu gefallen. Es ist schlicht nicht möglich ein Buch zu schreiben, bei dem jeder Leser am Ende denkt: Wow! Schreibstil, Figuren, Thema, Handlung, Plot – das alles sind Dinge, die verschiedenen Geschmäckern unterworfen sind. Es wird Leser geben, die dir sagen: „Ich habe mich in deine Hauptfigur verliebt!“ und solche, die meinen, der Charakter sei der unsympathischste, der je geschaffen wurde. Das ist völlig normal und auch vollkommen okay. Zum Glück sind wir alle unterschiedlich. Perfektion gibt es nicht. Du kannst nicht allen gefallen, also versuch es erst gar nicht.

Wenn du eine negative Kritik erhältst, mach bitte, bitte, bitte nicht den Fehler und reagiere darauf, in dem du dem Rezensenten vorwirfst, das Buch nicht verstanden zu haben oder ihn gar beschimpfst. Das hast du wirklich nicht nötig. Es sorgt nur für Ärger, Stress und im schlimmsten Fall für ein schlechtes Bild deiner Person in der Öffentlichkeit, denn auch andere Leser können deinen Kommentar bei Amazon, auf einem Blog oder in den Sozialen Medien lesen. Im schlimmsten Fall wirkst du dadurch auf sie so unsympathisch, dass sie es gar nicht mehr in Betracht ziehen, dein Buch zu lesen.

Auch von Privatnachrichten an den Rezensenten solltest du absehen, oder davon, deine begeisterten Leser auf diesen »Loser« anzusetzen, der dein Buch nicht mochte. Mach dich nicht öffentlich über die Rezension lustig. Am besten reagierst du gar nicht darauf. Das hat zwei Vorteile: Du lenkst nicht unnötig Aufmerksamkeit darauf und schonst gleichzeitg deine Nerven.

Natürlich will ich dir nicht absprechen, dich durch eine negative Bewertung verletzt zu fühlen. Das ist völlig legitim, genauso wie das Bedürfnis, darüber zu sprechen. Mach das gerne, aber mach es nicht öffentlich. Du hast gewiss eine gute Freundin, einen Lieblingskollegen oder eine private Schreibgruppe, in der du dich über deinen Kummer austauschen kannst und auch mal wütend sein darfst.

Wenn die Wut verraucht ist, kannst du dich noch einmal in Ruhe mit der Kritik auseinandersetzen. Natürlich nur, wenn es dir ein Bedürfnis ist. Wie ist sie formuliert? Sachlich und unaufgeregt? Begründet der Rezensent seine Meinung ausreichend? Oder schreibt er einfach nur „Das war der größte Mist, den ich je gelesen habe“, ohne zu erklären, warum ihm das Buch nicht gefallen hat? Greift er gar deine Person an?

Es gibt gerade bei negativer Kritik einen Unterschied zwischen konstruktiver und destruktiver Kritik. Konstruktive Kritik ist immer sachlich formuliert. Der Kritiker erläutert seinen Eindruck anhand von Beispielen und/oder Textbelegen, wird nicht persönlich. Das sind die negativen Lesermeinungen, die du dir ruhig näher anschauen kannst, auch wenn es vielleicht nicht besonders viel Spaß macht. Vielleicht hat der Rezensent in einigen Punkten ja sogar recht? Wenn du bereit bist, dich stetig zu verbessern und an deinem Schreibprozess zu wachsen, kann dir fast nichts Besseres passieren, als eine ehrliche und gut begründete Kritik.

Ein Rezensent, der nichts begründet und dich als Autor angreift, will meistens seinen Frust (über die Geschichte) irgendwo loswerden. Sehr spannend fand ich, was Mary Robinette Kowal im Podcast Writing Excuses (Folge 12.46: Reinventing Yourself) über ihren Umgang mit Rezensionen sagt:  Die 1-Sterne-Rezensionen liest sie entweder gar nicht oder »just for fun«, denn hier will nur jemand seinen Frust über das Buch (oder etwas anderes) ablassen. Die 2- und 3-Sterne-Rezensionen liest sie gar nicht, denn Leute, die so bewerten, wollten, dass sie ein anderes Buch schreibt. Die 5-Sterne-Rezensionen sind natürlich Balsam für die geschundene Autorenseele. Und die 4-Sterne-Rezensionen sind wirklich hilfreichen, die, aus denen ein Autor etwas lernen kann, denn für diese Leser sei das Buch »nahezu perfekt« gewesen – aber eben nicht ganz. Diese letzten beiden definiert sie als ihre Zielgruppe.

Diese Herangehensweise erspart unwahrscheinlich viel Kopfzerbrechen und Stress.  Es ist nicht deine Aufgabe, es jedem recht zu machen. Und es ist auch nicht deine Pflicht, dich schlecht zu fühlen, bloß weil jemand dein Buch nicht mochte. Schreib das beste Buch, das du zu schreiben imstande bist, das ist alles, was du tun kannst.

Wie hältst du es mit Rezensionen? Liest du sie? Und wenn ja: Reagierst du darauf?

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Ein Autor ist ein Autor ist ein Autor

Autorenleben

Alles, was du willst, ist auf der anderen Seite der Angst.
Jack Canfield

Zögerst du, dich Autor oder gar Schriftsteller zu nennen, weil du das Gefühl hast, du würdest diese Bezeichnung (noch) gar nicht verdienen? Dann ist dieser Artikel für dich. Denn wenn du schreibst, bist du Autor, auch wenn du bisher noch nichts veröffentlicht hast und/oder mit deinen Arbeiten kein Geld verdienst.

Definiere dich nicht darüber, was die Zukunft möglicherweise bringen oder auch nicht bringen mag. Die Art und Weise, wie du selbst über deine Tätigkeit denkst, wie du dich als kreativer Kopf bezeichnest, hat großen Einfluss darauf, wie du dich selbst wahrnimmst. Möglichweise ertappst du dich des Öfteren bei einem ähnlichen Gedanken wie folgt:

  • Wenn ich mein erstes Buch veröffentlicht habe, dann habe ich das Gefühl, ein richtiger Autor zu sein.
  • Wenn ich bei einem Verlag unter Vertrag genommen wurde, dann bin ich ein richtiger Autor.
  • Wenn ich vom Schreiben leben kann, bin ich ein richtiger Autor.
  • Wenn …, dann …

Diese Liste lässt sich beliebig fortführen. Viele Jungautoren gehen davon aus, dass sich irgendwann automatisch das Gefühl einstellt, es nun »geschafft« zu haben. Doch in Wirklichkeit stellt sich dieses Empfinden bei den meisten nicht plötzlich wie von selbst ein.

Natürlich ist die Scheu groß, sich selbst eine Berufsbezeichnung zu verpassen, für die man keine nachweisbare Ausbildung gemacht hat, und sich selbst zum Kollegen von Stars am Literaturhimmel wie King, Rowling oder gar Tolkien zu ernennen. Ganz schön vermessen, nicht wahr?

Wir sind sehr gut darin, uns selbst zu degradieren. Häufig laufen wir gerade dann zu kreativen Höchstleistungen auf, wenn es darum geht, unser Licht unter einen Scheffel zu stellen. Falls wir überhaupt zu unserem kreativen Schaffen stehen und – Gott bewahre! – mit jemandem darüber sprechen müssen, bezeichnen wir uns bestenfalls als »Schreiberling« oder »Hobbyautor«. Auf den ersten Blick mögen diese Wörter nicht schlimm, vielleicht sogar niedlich klingen. Doch sie festigen eine Vorstellung von uns selbst, die wir nur schwer wieder loslassen können. Mit diesen Bezeichnungen machen wir uns selber klein. Darauf deutet schon das Suffix -ling hin. Ein Wort, das auf diese Silbe endet, kann kaum etwas Großes bezeichnen und ist häufig umgangssprachlich abwertend gemeint. Man denke nur an Däumling, Schwächling, Günstling, Lüstling, Schönling usw. Eine seltene, aber angenehme Ausnahme von dieser Regel dürfte gewiss der Liebling sein, die anderen Bezeichnungen würde man wohl eher nicht so gern in Bezug auf sich selbst hören wollen.

Sehr beliebt, um uns selbst zu sabotieren, sind auch Formulierungen wie »Ach, das sind doch bloß Fanfictions/Gedichte/Kritzeleien«, »So gut bin ich auch wieder nicht«, »Ich mache das nur als Hobby« usw. Sicherlich hast du dich bereits bei ähnlichen Gedankengängen oder Aussagen ertappt, meistens kommen sie uns jedoch ganz automatisch in den Sinn und über die Lippen. Es ist beinahe wie ein Reflex. Weil wir uns schämen, weil wir erwarten, dass uns Hohn und Spott entgegenschlagen, wenn wir uns als Autor bezeichnen, obwohl wir keine nennenswerte Veröffentlichung vorzuweisen haben. Für viele zählt nicht der Prozess, sondern lediglich das Ergebnis. Schließlich schaut uns niemand über die Schulter, wenn wir in unserer Schreibstube sitzen, um Worte ringen oder zum drölfzigsten Mal diese verdammte Szene überarbeiten, die einfach nicht so werden will, wie wir uns das vorstellen.

Doch es ist der Prozess, der ausschlaggebend ist. Das deutsche Wort Autor hat seinen Ursprung in dem lateinischen Begriff auctor, was so viel wie Urheber oder Schöpfer bedeutet, wörtlicher jedoch mit Mehrer oder Förderer übersetzt werden kann. Man versteht unter einem Autor also lediglich den Urheber eines Textes. Von Erfolg, Veröffentlichung oder dem großen Geld ist da nicht die Rede.

Noch deutlicher wird es, wenn wir uns das englische Äquivalent ansehen. Das Wort Author bezeichnet wie unser deutscher Autor den Urheber eines Textes, ebenso wie der Begriff Writer. Das ist interessant, denn im Deutschen haben wir nur ein Wort dafür. Wollten wir Writer so wörtlich wie möglich übersetzen, würden wir es vermutlich mit Schreiber oder Schreibender versuchen. Hier wird die Unterscheidung deutlich, da auf den Prozess verwiesen wird, nicht auf den veröffentlichten Artikel oder den vom Feuilleton gefeierten Roman. Es geht schlicht und einfach um die Tätigkeit des Schreibens. Wenn du also schreibst, bist du bereits ein richtiger Autor. Hier und jetzt, nicht erst wenn dieses eingetroffen oder jenes passiert ist.

Degradiere dich nicht selbst, indem du abwertende Bezeichnungen für dich und die Tätigkeit nutzt, die du liebst. Begegne ihr und dir selbst mit dem gebührenden Respekt. Du musst ja nicht gleich Visitenkarten in Tausenderauflage mit der Berufsbezeichnung Autor in Auftrag geben. (Obwohl das durchaus ein enormer Motivationsschub sein kann. Für den Anfang könntest du es ja bei zweihundertfünfzig Stück belassen 😉 )

Vielleicht hilft dir ein kleines Mantra  dabei, mehr Selbstbewusstsein in Bezug auf die Tätigkeit des Schreibens zu entwickeln. So etwas wie »Ich schreibe, also bin ich Autor« oder eine ähnliche Formulierung, die du dir wiederholt (laut!) sagst, kann dein Selbstbild verändern und dir das Selbstvertrauen geben, dich ganz selbstverständlich als Autor zu zu sehen.

Oder vielleicht traust du dich in einem Gespräch auf die Frage »Und, was machst du so?« mit »Ich schreibe« zu antworten. Oftmals sind die Gesprächspartner daran wesentlich interessierter, als man denkt. Berufe haben schließlich die meisten, seine Berufung muss man aber erst einmal finden.

Bezeichnest du dich selbst als Autor? Wenn ja: Wann hast du dich dazu entschieden? Wenn nein: Warum nicht?

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Die Macht der Worte

Autorenleben

Als Autor weißt du, dass Worten eine besondere Macht innewohnt. Sie können schmeicheln, überzeugen und informieren, aber auch verletzen. Deshalb ist es so wichtig, achtsam mit unseren Worten und letztlich auch mit unseren Gedanken umzugehen. Sie formen unsere Welt und uns selbst.

Wie wir mit Worten umgehen, sagt viel über uns selbst aus. Erwischst du dich auch des Öfteren dabei, viele negativ konnotierte Wörter in deinem Alltag zu nutzen? Es ist „blöd“, wenn uns der Bus vor der Nase wegfährt, die „nervige“ Nachbarin „tratscht“ schon wieder und der Tag auf der Arbeit war einfach nur „stressig“.

Natürlich haben wir alle mal Tage, an denen nichts so zu laufen scheint, wie wir es gerne hätten. Es geht auch gar nicht darum, solche negativen Erlebnisse zu negieren oder zu verdrängen. Wir können gar nicht alle ständig glücklich sein. Es gibt Zeiten in unser aller Leben, die wir gerne vergessen würden, mit denen wir nicht mehr in Verbindung gebracht werden wollen. Letztendlich geht es darum, wie wir mit diesen kleinen wie großen Erlebnissen umgehen – was mich wieder zu den Wörter führt. Natürlich können wir sagen: „Okay, die Zeit damals war echt Mist, aber ich habe daraus das und das gelernt.“

Allein durch unsere Worte und Gedanken haben wir die Macht, vielen Geschehnissen den Schrecken zu nehmen und die kleinen Ärgernisse des Alltags vielleicht sogar in etwas Positives zu verwandeln.

Das, was für dein Leben gilt, spielt natürlich auch in Bezug auf deine Schreibtätigkeit eine Rolle. Wenn du dir tagtäglich sagst: „Ich bin nicht gut genug. Ich werde dieses Buch nie beenden. Das, was ich schreibe, ist das Schlechteste, was je geschrieben wurde“, dann setzt sich das in deinem Unterbewusstsein fest.

Seien wir mal ehrlich: Diese Gedanken kennen wir alle, sie tauchen mal mehr, mal weniger penetrant auf. Aber sie sind nicht gesund. Sie sorgen dafür, dass wir uns schlecht fühlen, dass wir unsere künstlerische Arbeit als minderwertig erachten. Das ist Gift für jede Form von Kreativität.

Aber was kannst du dagegen tun? Diese Gedanken kommen schließlich einfach so und lassen sich nicht verhindern – oder?

Wahrscheinlich ist es in der Tat nicht möglich – ja, vielleicht nicht einmal sinnvoll  -, solche negativen Gedanken völlig von uns fernzuhalten. Aber es liegt in deiner Hand zu entscheiden, wie du mit ihnen umgehen möchtest. Hier kann dir Achtsamkeit ein Wegweiser sein. Jedes Mal, wenn du deinen inneren Kritiker wieder dabei erwischst, deine Arbeit (und damit auch dich selbst) runterzumachen, halte einfach einen Moment inne. Das ist der erste Schritt, denn oft erkennen wir diese negativen Gedankenmuster gar nicht, so eingespielt sind sie schon, so sehr sind sie uns in Fleisch und Blut übergegangen. Wenn du einen solchen Gedankengang bei dir feststellst, schimpfe nicht gleich wieder mit dir! „Du sollst doch nicht so schlecht von dir denken! Hör auf damit! Warum machst du dich selbst wieder klein, das ist schlecht!“ – Nein. Du kannst ganz neutral feststellen, dass du hier wieder in negative Gedankenmuster abdriftest und diesen im nächsten Schritt entgegensteuern.

Eine erste Hilfe leisten dabei Relativierungen. Wenn du ganz ehrlich bist: Du glaubst nicht wirklich, dass der Text, den du gerade schreibst, der schlechteste ist, an dem jemals ein Autor gearbeitet hat. Wenn du das wirklich glauben würdest, woher nimmst du dann die Kraft, dennoch daran weiterzuarbeiten? Falls dich also der kleine Schulterteufel zutextet und dir sagt, wie schlecht du bist, sage dir: „Okay, das, was ich bisher geschrieben habe, ist vielleicht nicht perfekt. Aber das macht nichts. Ich kann es später immer noch überarbeiten.“

Sei gut zu dir und der Arbeit, die du leistest!

Ein weiterer Schritt, die negativen Gedanken gar nicht erst die Oberhand gewinnen zu lassen, sind Affirmationen. Der Begriff stammt vom lateinischen Wort affirmatio, was so viel bedeutet wie Bejahung oder Bestätigung. Wir können Affirmationen nutzen, um negative Glaubenssätze zu überwinden, die sich in unser Unterbewusstsein eingeschlichen haben und uns in unseren Tätigkeiten einschränken, uns vielleicht sogar lähmen.

Möglicherweise kennst du mehrere dieser negativen Glaubenssätze:

Ich werde als Schriftsteller nicht erfolgreich sein, weil …

  • ich nicht gut genug bin.
  • andere viel besser sind als ich.
  • niemand an mich glaubt – auch ich selbst nicht.
  • ich faul bin.
  • ich Geschichten schreibe, die niemand lesen will.
  • sowieso niemand bereit ist, dafür Geld auszugeben.
  • ich aus Angst vor Kritik lieber erst gar nichts veröffentliche.
  • ich keine guten Ideen habe.
  • ich nicht kreativ genug bin.
  • mein Schreibstil eine Katastrophe ist.
  • meine Familie/meine Freunde meinen, ich verschwende meine Zeit.
  • ich es nicht verdiene, erfolgreich zu sein.
  • die Welt ungerecht ist.

Hast du dich in der ein oder anderen Formulierung wiedererkannt? Es gibt zahllose weitere Gedanken, die uns immer wieder zu bestätigen scheinen, warum wir nicht erfolgreich sein können. Mit diesen negativen Glaubenssätzen versichern wir uns selbst, dass – egal, was wir tun, egal, wie sehr wir uns anstrengen – der Erfolg sowieso ausbleiben wird. Es ist schon paradox, denn in dieser »Versicherung« finden wir tatsächlich Sicherheit. Wir haben Angst vor dem Aufbruch ins Unbekannte, vor einem kreativen Leben. Dies ist auch der Grund, warum so viele junge Autoren ihre schriftstellerische Tätigkeit am liebsten gleich verschweigen. Sie haben Angst vor Ablehnung, davor, unangenehme Fragen beantworten oder das Gefühl haben, sich rechtfertigen zu müssen.

Doch wir können ganz bewusst etwas gegen diese unangenehmen Gefühle tun, die sich immer wieder breitmachen und unser Licht unter den Scheffel stellen wollen, in dem wir sie identifizieren wenn sie auftauchen und sie Stück für Stück durch Affirmationen ersetzen. Gewiss erfordert das ein wenig Arbeit und auch eine Spur Disziplin. Natürlich ist es einfacher, die Negativität, die uns ab und an durchströmt einfach zu ertragen, nach dem Motto: Geht schon von selbst wieder weg. Leider stimmt das nicht immer. Jeder dieser negativen Gedanken festigt das Bild, das wir uns von uns selbst gemacht haben. Durch dieses negative Denken können Schreibblockaden entstehen, vielleicht fängt der ein oder andere aufgrund dessen gar nicht erst an zu schreiben, denn: „Es bringt ja eh nichts, weil ich nicht gut genug bin.“

Die Autorin Julia Cameron schreibt in ihrem Buch Der Weg des Künstlers* dazu: »Keiner dieser negativen Glaubenssätze muss wahr sein. Sie werden uns von unseren Eltern, unserer Religion, unserer Kultur und unseren ängstlichen Freunden eingeimpft. Jeder dieser Glaubenssätze spiegelt Vorstellungen im Hinblick darauf wider, was es bedeutet, Künstler zu sein. […] Wir müssen uns mit ihnen konfrontieren. Negative Glaubenssätze sind genau das, nämlich Glaubenssätze und keine Tatsachen.«[1]

Das ist die gute Nachricht: Es sind keine Tatsachen. Wir haben die Macht, diese Denkmuster zu durchbrechen, indem wir sie identifizieren und durch Affirmationen ersetzen. Wie geht das nun? Gehe in einen Dialog mit dir selbst und betrachte dich und deine Arbeit wohlwollend. Was verdienst du wirklich an Anerkennung? Wie möchtest du dich selbst sehen, wie möchtest du von außen wahrgenommen werden?

Mögliche Affirmationen sind z. B.:

  • Ich verdiene es, mit meinen Texten erfolgreich zu sein.
  • Ich habe ein kreatives Talent.
  • Ich habe großartige Ideen.
  • Ich bin ein grandioser und produktiver Schriftsteller.

Die Arbeit mit diesen positiven Glaubenssätzen mag dir zunächst banal erscheinen, vielleicht ist es dir sogar peinlich. Wir tun uns häufig schwer damit, positiv von uns selbst zu sprechen, sind viel eher in der Lage, unsere vermeintlichen Schwächen zu definieren. Wenn du deine persönlichen Affirmationen gefunden hast, wird sich garantiert wieder der innere Kritiker zu Wort melden. Eigenlob mag er nämlich gar nicht – („Eigenlob stinkt“ ist auch so ein negativer Glaubenssatz, der uns bereits in der Kindheit eingebläut wird).

Dieser innere Kritiker wird alles daran setzen, unsere neuen Affirmationen zu widerlegen. Häufig wird er dabei gemein, geradezu bösartig: »Du hast doch keine Ahnung! Glaubst du den Quatsch wirklich? Das bringt doch alles nichts! Du beherrscht doch nicht einmal die Rechtschreibung!«

Notiere dir all diese Gemeinheiten und stelle dir die Frage: Woher kommen sie? Mit wessen Stimme spricht dein innerer Kritiker? Vielleicht kennst du sie? Ist es die Stimme eines Elternteils oder möglicherweise eines (ehemaligen) Lehrers? Mache eine Reise in deine Vergangenheit, in deine Erfahrungen. Möglicherweise wurden diese Worte nie laut ausgesprochen, aber du verbindest ein Gefühl von Peinlichkeit, Scham oder Ablehnung mit ihnen. Wenn du ergründest, wo diese negativen Überzeugungen herkommen, kannst du dich ihnen entgegenstellen und mit deinem neuen, positiven Denken und einem wohwollenden Selbstbild zu arbeiten beginnen.

Der Autor von Miracle Morning*, Hal Elrod, empfiehlt, die persönlichen Affirmationen ganz bewusst zu gestalten, so dass sie mit dem übereinstimmen, was du erreichen möchtest. Nur so kannst du sicher sein, nicht wieder fremde Glaubenssätze zu übernehmen. Frage dich: Was wünsche ich mir? Wie soll mein Leben aussehen? (Das gilt im übrigen nicht nur für die schriftstellerische oder kreative Tätigkeit. Diese Fragen kannst du dir für alle Bereiche deines Lebens stellen – Beziehung, Job, Finanzen, Fitness, Familie etc. – und für jeden Bereich gesondert Affirmationen erstellen.

Genauso wie die negativen Glaubenssätze sind Affirmationen nicht in Stein gemeißelt. Du kannst sie jederzeit anpassen, ersetzen oder verwerfen.

Nun hast du also eine ganze Liste von Affirmationen – vielleicht aber auch nur eine zu einem Bereich, der dir besonders am Herzen liegt. Was nun damit anfangen? Irgendwo vergessen in einer Schreibtischschublade sind sie wenig hilfreich. »Diese Affirmationen sollten Sie täglich wiederholen und am besten laut aussprechen. Ganz allmählich werden sie die Art, wie Sie denken und fühlen, verändern, und Sie können einschränkende Glaubenssätze und Verhaltensweisen überwinden und durch solche ersetzen, die Ihnen Erfolg bescheren werden«[2], schreibt Elrod.

Klingt erst einmal schräg, oder? Es kostet einige Überwindung, laut mit sich selbst zu sprechen. Selbst wenn man alleine ist, kommt man sich unglaublich dämlich dabei vor. Irgendwann geht es dir jedoch in Fleisch und Blut über. Und nach ein paar Wochen oder Monaten, in denen du deine Affirmationen immer wieder verinnerlicht hast, wird der entsprechende negative Gedanke ersetzt werden. Trau dir zu, deine Ängste und schlechten Angewohnheiten abstellen und in etwas Positives umwandeln zu können. Was hast du zu verlieren?

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[1] Cameron, Julia: Der Weg des Künstlers* (2009), S. 66.
[2] Elrod, Hal: Miracle Morning* (2016), S. 92.

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