Ablenkungen adé: Wie du deine Produktivität messbar steigerst

Organisation für Autoren

Dieser Artikel ist Teil der Blogreihe »Ablenkungsfreies Schreiben«, in der ich dir ein paar Tipps und Tricks an die Hand gebe, wie du während des Schreibens bei der Stange bleiben kannst.

Wer kennt es nicht? Da hast du dich gerade zum Schreiben niedergelassen, schon piept  die Waschmaschine. Ach komm, eben fix die Wäsche aufgehängt und dann zurück an den Schreibtisch. Wenn du nur nicht so müde wärst. Du entschließt dich, Kaffee zu kochen. Auf dem Weg mit der Kaffeetasse zurück an deinen Schreibplatz klingelt das Telefon. Schwiegermama will mit dir die Sitzordnung für die Familienfeier nächsten Monat durchgehen. Ob das nicht warten könne? – Nein, das ist wichtig!
Nach einer Dreiviertelstunde sitzen Tante Erna und Onkel Hans Gott sei Dank weitmöglichst auseinander, nicht auszudenken, wenn die beiden nach ein paar Gläsern Bier zu viel wieder wegen ihrer politischen Ansichten aneinander geraten, so wie beim letzten Mal. Der Kaffee in deiner Tasse ist nun kalt, du kochst neuen. Währenddessen ist auch die Spülmaschine durchgelaufen, die du jetzt auch eben noch ausräumen kannst, wo du sowieso schon dumm in der Küche rumstehst. Endlich, endlich setzt du dich mit deiner heißen Tasse Kaffee an den Schreibtisch, öffnest dein Manuskript, starrst auf den letzten Absatz.
Plötzlich ein leises Pling! Oh, eine Mail vom Autorenkollegen! Haha, lustige Anekdote. Du könntest ihm ja schnell noch eine Nachricht schicken. Nur ein paar kurze Zeilen auf Twitter. Was, 10 neue Mitteilungen? Was ist denn da los? Uih, eine interessante Diskussion über diese bösen Ablenkungen, wenn man doch eigentlich schreiben will! Na, da hast du doch auch etwas beizutragen! Und du fängst an zu tippen – allerdings nicht in deinem Manuskript … Zack, sind anderthalb Stunden vergangen. In einer Stunde kommen die Kinder aus der Schule. Vielleicht solltest du schon einmal das Mittagessen vorbereiten? Schreiben kannst du ja auch später noch … oder morgen.

Kommt dir das irgendwie bekannt vor? Mir nur allzu gut. Ich habe zwar keine nervige Schwiegermutter, aber wenn wir mal ehrlich sind: Irgendwas ist doch immer, oder? Wir sind großartig darin, uns von dem abzuhalten, was wir eigentlich tun sollten – und eigentlich auch tun wollen! Egal, ob es um die Wäsche, die Familie oder einen netten Onlineplausch mit den lieben Kollegen geht – das alles erscheint uns häufig so viel wichtiger als Wörter zu Papier zu bringen.

Ablenkungen lauern an jeder Ecke. Besonders heimtückisch sind die Weiten des World Wide Web. Nur kurz Facebook, Twitter oder Instagram gecheckt, hier einen lustigen Spruch geteilt, dort ein nettes Bildchen retweetet. Man muss ja schließlich im Gespräch bleiben! Ach, und da war doch noch diese eine Sache, die du ganz dringend recherchieren wolltest … *klick*klick*klick* Und ehe du dich versiehst, sind schon wieder zwei Drittel deiner Schreibzeit futsch. Einfach weggesurft.

Offline zu sein, ist für viele von uns mittlerweile wie eine Strafe. Wir fühlen uns abgeschnitten vom Rest der Welt, werden unruhig, haben das Gefühl, etwas zu verpassen. Gerade als Autor (oder anderweitig kreativ Tätige) gehören wir online häufig einer Gemeinschaft Gleichgesinnter an, von denen wir uns Zuspruch und Kritik holen, deren Arbeiten wir begleiten und umgekehrt. Das alles ist ohne Frage wunderbar. Auch ich möchte den kreativen Onlineaustausch, vor allem in den Sozialen Netzwerken, nicht mehr missen.

Wir laufen jedoch schnell Gefahr, uns diesen Zuspruch immer dann zu holen, wenn wir am Computer sitzen. Eine Mail von einem begeisterten Leser, eine Erwähnung bei Facebook, ja nur eine kleine Benachrichtigung bei Twitter setzen in unserem Gehirn Stoffe frei, die das Belohnungszentrum aktivieren.  Jeder neue Post ist wie ein winziger Glücksmoment. Und so aktualisieren wir unsere Timeline öfter als notwendig und viel häufiger, als uns guttut. Allzu gerne lassen wir uns von den Erfolgen, Nöten und Erlebnissen unserer Online-Freunde und Bekanntschaften ablenken.

Die Verlockung ist natürlich groß, mal eben ins Autorenforum zu schauen oder Instagram aufzurufen, v. a. wenn wir daheim an unserem PC mit Internetzugang sitzen und das Smartphone direkt neben uns liegt. Wie können wir uns dagegen wappnen, auch wenn es uns so manches Mal an Selbstdisziplin mangelt?

Manche Autoren schwören darauf, die Internetverbindung ihres Computers während ihrer Schreibzeit komplett zu trennen und das Handy so lange außer Reichweite, am besten in einem anderen Zimmer (nicht neben der Kaffeemaschine!) aufzubewahren. Das hat den großen Vorteil, das wirklich ablenkungsfrei gearbeitet werden kann, da nicht plötzlich eine störende E-Mail aufploppt und uns aus dem Fluss bringt. Einen Nachteil hat es jedoch auch: Du kannst nicht mal eben Google Maps oder Streetview aufrufen, um eine für deine aktuelle Szene wichtige Lokalität zu recherchieren. Wie wird gleich nochmal Komitee geschrieben? Und welches andere Wort kann man für schön verwenden?

Sicher kannst du all diese Fragen auch klären, nachdem du die Szene hochkonzentriert geschrieben hast. In den gängigen Textverarbeitungsprogrammen kannst du z. B. einfach Kommentare setzen und diese später durcharbeiten. Doch auch während des Schreibens kann Internetzugriff durchaus nützlich sein, wenn man sich nicht allzu schnell ablenken lässt. Hier ist Disziplin gefragt.

Ich bin auch jemand, der gerne online ist. Mehrmals täglich checke ich die Neuigkeiten in den Sozialen Medien und erfreue mich an den Posts meiner Freunde und Kollegen. Um beim Schreiben ablenkungsfrei arbeiten zu können, wende ich daher eine durchaus bekannte und sehr effektive Technik an, die für mich sehr gut funktioniert und auch dir dabei helfen kann, deine Wörter aufs Papier oder in den Computer zu bringen.

Die Pomodoro-Technik

25 Minuten pure Konzentration. Klingt machbar, oder? Die Pomodoro-Technik ist eine simple Methode des Zeitmanagements, die in den 1980er Jahren von dem Italiener Francesco Cirillo erfunden wurde. Alles, was du dafür brauchst, ist ein Timer, z.B. in deinem Handy oder auch eine Küchenuhr. Wichtig ist, dass du einen Timer benutzt, der die Minuten herunterzählt und dich nach ihrem Ablauf z.B. durch einen kleinen Ton benachrichtigt und keine Stoppuhr, die heraufzählt. Cirillo hat als Timer eine Küchenuhr in Form einer Tomate benutzt; so kam die Technik zu ihrem Namen.

Ansonsten ist es wirklich eine Technik, die superleicht zu erlernen ist. Zuerst formulierst du ganz knapp die anstehende Aufgabe für die nächsten 25 Minuten: »Erstes Treffen zwischen Protagonist und Antagonist schreiben. Konflikt & Foreshadowing!« – oder so ähnlich. Du kannst es natürlich auch gerne ausführlicher machen, nur solltest du dich nicht in der Planung der Aufgabe verlieren.

Im nächsten Schritt stellst du deinen Timer auf 25 Minuten. Dieser Zeitraum ist ein sogenannter Pomodoro, in dem du ausschließlich an der eben formulierten Aufgabe arbeitest. Hier kann es durchaus hilfreich sein, das Handy außer Reichweite zu legen (wenn dein Timer dort integriert ist, allerdings nicht allzu weit), das Telefon auszustöpseln und das Internet abzuschalten. Hier wird nicht geschummelt! Zum Glück sind 25 Minuten eine überschaubare Zeit – auch wenn es darum geht, aufdringliche Familienmitglieder zu vertrösten. »Ich bin die nächsten 25 Minuten beschäftigt, aber danach höre ich dir zu und wir können überlegen, was es zum Abendessen geben soll oder wer morgen die Kinder vom Kindergarten abholt« ist wesentlich besser zu kommunizieren als »Ich schreibe die nächsten drei Stunden und bin nicht ansprechbar« – nur, um dann vom Partner beim Stöbern auf Facebook »erwischt« zu werden …

Wenn der Timer nach 25 Minuten klingelt, sind 5 Minuten Pause angesagt. Lehn dich zurück und genieße, was du in der letzten knappen halben Stunde geschafft hast. Wenn du deine Szene zu Ende geschrieben hast, kannst du diese Aufgabe durchstreichen (dieser Schritt erhöht das Erfolgserlebnis!) und mit der nächsten Aufgabe weitermachen, z. B. »Online-Recherche zu den örtlichen Gegebenheiten im Central Park der 1920er Jahre.« Nach Ablauf der Pause wird der Timer wieder auf 25 Minuten gestellt und der nächste Pomodoro beginnt.

Je nach Arbeitsaufwand kannst du immer einen weiteren Pomodoro anhängen. Sobald du vier Pomodoros hintereinander abgearbeitet hast – also insgesamt 100 Minuten – ist eine längere Pause von 15 Minuten angedacht, um deine Muskeln zu lockern und den Kopf wieder freizukriegen. Dann kannst du die nächste Runde starten.

Das Schöne an dieser Methode ist, dass du deinen inneren Schweinehund damit ganz leicht austrickst. 25 Minuten konzentriert arbeiten? Easy, schafft doch jeder! 25 Minuten mal nicht ins Netz schauen? Klar, warum nicht? Indem du die Arbeit und deine Aufgaben in kleine, nicht einmal eine halbe Stunde dauernde Häppchen aufteilst, schaffst du eine ganze Menge und bist so produktiv wie nie zuvor.

Die Android-App Writeometer, auf die ich in einem der nächsten Artikel näher eingehen werde, hat zum Beispiel einen eingebauten Timer, der bereits auf 25 Minuten voreingestellt ist (du kannst aber auch jede andere beliebige Zeit einstellen). Nach Ablauf dieser Zeit kannst du deine in diesem Pomodoro geschriebene Wortzahl eintragen und so mithilfe eines wachsenden Balkens gleichzeitig deinen Schreibfortschritt im Auge behalten. Leider ist die App bislang nur für Android-Telefone erhältlich.*

Für Aufgaben, in denen du keine Wörter zählst, wie z. B. der Recherche oder beim Erstellen von Marketingmaterial, kannst du beispielsweise auch auf die App Clockwork Tomato zurückgreifen. In dieser werden auch automatisch die Pausen angezeigt, sodass du genau weißt, wann du mit dem nächsten Pomodoro beginnen musst. Allerdings gibt es auch diese App nur für Android.*

Benutzt du die Pomodoro-Technik bereits? Welche Erfahrungen hast du damit gemacht? Oder schwörst du beim Schreiben auf eine andere Methode?

*Wenn du iOS-Alternativen zu den genannten Apps kennst, schreib sie gerne in die Kommentare! 🙂

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Ein Platz zum Schreiben: Wie du den perfekten Arbeitsplatz für dich schaffst

Organisation für Autoren

Dieser Artikel ist Teil der Blogreihe »Ablenkungsfreies Schreiben«, in der ich dir ein paar Tipps und Tricks an die Hand gebe, wie du während des Schreibens bei der Stange bleiben kannst.

Viele Schriftsteller träumen von einem eigenen Raum, den sie nach ihren eigenen Vorstellungen einrichten und in dem sie sich ganz ihrem kreativen Schaffen widmen können, ohne lästige Störungen von außen. Tür zu, Telefon aus und los geht’s! Eine herrliche Vorstellung, nicht wahr?

Nicht jeder hat den Luxus, über ein eigenes Arbeitszimmer, eine Schreibstube oder gar ein Atelier zu verfügen, in das er sich zum kreativen Arbeiten zurückziehen kann. Manchmal sind andere Dinge wichtiger, wie z. B. ein Kinderzimmer oder eine Abstellkammer für all die Dinge, die man in der Wohnung nicht ständig um sich haben möchte. Vielleicht hast du generell nur einen Raum zum Arbeiten, Leben und Schlafen zur Verfügung.

Dennoch kannst du dir einen Arbeitsplatz einrichten, an dem du dich wohlfühlst und den du deinen Wünschen gemäß gestaltest. Das kann ein kleiner Bereich in deinem Zimmer sein, nicht notwendigerweise der Schreibtisch, an dem auch all die anderen lästigen Aufgaben wie Buchhaltung, Haushaltsplanung oder Unikram erledigt werden wollen. Das kann ein Lesesessel sein, den du in die Ecke zu deinen Bücherregalen stellst, ein kleiner Laptoptisch oder ein Tablett mit Füßen, das sich nach Bedarf zusammenklappen und platzsparend verstauen lässt. Vielleicht empfindest du deine Couch als kreativitätsfördernd, sitzt am liebsten am großzügigen Küchentisch oder schreibst die besten Szenen ganz gemütlich vom Bett aus. Jeder Ort, an dem du dich wohlfühlst, kann zu deiner persönlichen Schreibstube werden.

Egal, von wo aus du arbeitest, gestalte diesen Platz so, dass du dich gerne dort niederlässt. Es muss ja nicht gleich Feng Shui sein. Umgib dich mit Dingen, die dir gefallen und die dich inspirieren. Du liebst die Bilder eines bestimmten Künstlers, denn wenn du sie siehst, schießen dir gleich Dutzende Ideen für Geschichten durch den Kopf? Hänge deine Lieblingsbilder in deine unmittelbare Schreibumgebung, sodass du sie im Blick hast, wenn du eine Kaffeepause machst.

Du hörst beim Schreiben gerne bestimmte Musik, weil sie dich in die richtige Stimmung für deine Geschichte versetzt? Du könntest dir externe Boxen für deinen PC besorgen und sie anschließen, wenn dir danach ist. Oder du invesitierst in qualitativ hochwertige und angenehm zu tragende Kopfhörer. So bist du nicht auf den meistens blechernen Sound aus den laptopeigenen Boxen angewiesen und kannst auch Musik hören, wenn deine Kinder schlafen oder dein Partner/deine Mitbewohner sich durch laute Geräusche gestört fühlen könnten.

Kreativität fordert all unsere fünf Sinne. Richte auch deinen Arbeitsplatz dementsprechend ein. Du kannst ihn in deinen Lieblingsfarben dekorieren, eine Duftkerze mit deinem Lieblingsgeruch auf den Tisch stellen oder deine Lieblingsblumen auf der Fensterbank pflanzen. Du brauchst es warm, während du schreibst? Lege eine Kuscheldecke an deinen Schreibplatz. Umgib dich mit Dingen, die schöne Erinnerungen in dir wecken. Das kann ein Familienfoto oder eines mit deinen Freunden oder deinem Haustier sein, die Muschel, die du im letzten Sommerurlaub aus dem Meer gefischt hast oder ein besonderer Stein, der dir bei einer herrlichen Wanderung ins Auge gefallen ist. Sehr angenehm sind auch sogenannte Handschmeichler, oft kleinere, flache Steine mit glatter Oberfläche, die du gerne in die Hand nimmst. Erlaubt ist, was immer dir gefällt.

Halte deinen Schreibplatz frei von negativen Gefühlen. Unbezahlte Rechnungen, frustrierende Kontoauszüge, benutztes Geschirr, unangenehme Briefe – all das hat dort nichts zu suchen. Dies ist schließlich dein Wohlfühlort.

Wenn du die Möglichkeit hast, richte dir im besten Fall zwei Arbeitsplätze ein: einen für die digitale Arbeit am PC, einen anderen für die analoge Arbeit mit haptischen Materialien wie Rechercheliteratur, Zeitschriften und deinem Notizbuch. Die kreative Wirkung eines Platzwechsels ist erstaunlich. Wenn die eine Arbeit beginnt, dich zu ermüden, wechselst du den Ort und beschäftigst dich eine Weile mit etwas anderem. So kommst du schneller auf neue, frische Ideen.

Diese Art der Aufteilung ermöglicht dir einen schnellen Wechsel zwischen digitaler und analoger Welt, kurbelt die Kreativität an und beugt Ermüdungserscheinungen vor.

Auch wenn deine Wohnung diesen Platz nicht hergibt: Ein Ortswechsel kann Wunder wirken. Setze dich bei Sonnenschein zum Arbeiten auf den Balkon, auf die Terrasse oder in den Garten. Suche die örtliche Bibliothek auf oder gehe zum Schreiben in ein Café, das dir gut gefällt. Du wirst sehen: Ein anderer Ort bringt dich auch auf andere Ideen.

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5 Ressourcen für gelungene Figuren

Figurenentwicklung

Dreidimensionale Figuren zu entwickeln, die dem Leser wie reale Menschen erscheinen und denen er gerne folgt, ist eine der Herausforderungen, der man sich als Autor täglich stellt. Menschenkenntnis, reale Vorbilder (bitte nicht die Schwiegermutter oder andere Mitmenschen 1:1 in den Roman schreiben – das könnte Ärger geben), andere Romanfiguren – schön und gut. Aber wie schaffen wir Charaktere, die nicht bloß Schablonen sind, sondern neben ihren inneren und äußeren Zielen und Konflikten auch eine echte Persönlichkeit haben?

Quellen dafür gibt es reichlich. Für den einen funktioniert es, die Figuren von sich erzählen zu lassen oder Interviews mit ihnen zu führen. Manche Autoren schreiben sich ein, indem sie die Figuren zunächst in ihrem Alltag beobachten, sie begleiten, ihren Gedanken, Sorgen und Wünschen zuhören.

Mit den drei Dimensionen, die Lajos Egri in seinem Buch Literarisches Schreiben* vorstellt, ist einem schon gut geholfen. Diese drei Dimensionen sollte jeder Schriftsteller verinnerlichen:

  • Physiologische Dimension
    In diese Dimension gehört all das, was den Charakter äußerlich ausmacht: Aussehen, Nationalität, Alter, Geschlecht, Gewicht und Körpergröße, eventuelle Narben usw. Auch der Klang seiner Stimme, wie er spricht, wie stark er Mimik und Gestik nutzt, wird in dieser Dimension beschrieben. Im Grunde genommen all das, was eine andere Person wahrnehmen könnte. Desweiteren natürlich auch Krankheiten und weitere körperliche Aspekte.
  • Soziologische Dimension
    Hier geht es v. a. um das soziale Leben der Figur. Wo ist sie aufgewachsen? Aus welchem Milieu stammt sie? Aus welcher sozialen Schicht? Gehört sie einer Religionsgemeinschaft an? Was für eine Schulbildung hat sie genossen? Wie war seine Kindheit? Hat(te) sie viele Freunde oder war/ist sie eher Einzelgänger? Welche Werte und Ansichten haben ihre Eltern ihr mit auf den Weg gegeben?
  • Psychologische Dimension
    Diese dritte Dimension einer Figur finde ich persönlich am spannendsten. Und vielleicht ist sie auch die wichtigste – auch wenn sie natürlich nicht von den anderen beiden losgelöst betrachtet werden kann. Ganz im Gegenteil: Sie resultiert aus den vorigen beiden. Zusammen bilden sie eine Einheit, einen Charakter, eine Figur. Hier kommen die Sehnsüchte der Figur ins Spiel, ihre Wünsche, ihre Ziele und Ängste, ihr gesamtes Innenleben. Welche Begabungen hat der Charakter? Welche Phobien? Ist er intelligent? Verständnisvoll? Fröhlich? Depressiv? Grausam? Sadistisch? Hier tauchen wir tief in die Psyche der Figur ein, durchdringen sie vollständig und erfahren ihre innersten Bedürfnisse und Beweggründe.

Hier kommen die Ressourcen ins Spiel

Nun ist nicht jeder Autor in hohem Maße so psychologisch geschult, dass er die Auswirkungen einer Kindheit als ungewollter und ungeliebter Spross einer Familie verschiedenster Gesellschaftsschichten absehen kann. Oder was eine Geburt in eine Familie mit sich bringt, die Geld wie Heu hat, der es aber weniger um das Kind an sich als um Prestige geht. Grundsätzlich kann man natürlich sagen: Alles und nichts. Die Menschen sind zum Glück unterschiedlich, jeder entwickelt sich anders, jeder bekämpft seine eigenen Dämonen, jeder hadert auf andere Weise mit sich und seinem Schicksal.

Nicht außer Acht lassen sollten wir hier jedoch, dass Romanfiguren zwar den Anschein erwecken (sollten), reale Menschen zu sein, es jedoch nicht sind. Sie dienen einem höheren Zweck, nämlich der Geschichte, die erzählt werden soll. Nicht selten kommt es daher vor, dass Stereotypen erschaffen werden, die vor allem das tun: die Geschichte voranbringen. Um das zu verhindern und seinen Blickwinkel für die Vielfalt der Menschen und der literarischen Figuren zu erweitern, bieten sich zahlreiche Quellen an, von denen ich an dieser Stelle fünf vorstellen möchte, die mir besonders vielversprechend erscheinen.

5 RESSOURCEN für gelungene Figuren

1. Westliche Astrologie: Die Tierkreiszeichen

Klingt erstmal reichlich esoterisch, nicht wahr? Man muss nicht an Horoskope glauben, um sie für sich nutzbar zu machen. Ich meine an dieser Stelle auch nicht die paar Sätze Tages- oder Wochenhoroskope, die man in nahezu jeder Fernsehzeitschrift finden kann. Es kann aber durchaus hilfreich sein, sich einmal näher mit den verschiedenen Sternzeichen zu beschäftigen – auch wenn man die einzelnen, den Zeichen zugeschriebenen Eigenschaften nicht für bare Münze nimmt, so können sie doch ein Quell an Inspiration sein. Und da jede Figur ein Geburtsdatum braucht: Warum nicht eines nehmen, das vom Sternzeichen her zu ihrem Charakter passt?

2. Enneagramm

Zu Beginn ein wenig Etymologie: Das Wort Enneagram stammt aus dem Altriechischen von ennea = neun und gramma = das Geschriebene und bezeichnet ein neunspitziges, esoterisches Symbol. Mithilfe des sogenannten Persönlichkeitsenneagrams werden die Menschen in neun Typen klassifiziert. Woher es ursprünglich stammt, ist unbekannt, Vermutungen legen nahe, dass es vom Sufismus, der islamischen Mystik, überliefert wurde.

Innerhalb der neun Typen werden bestimmte Charaktereigenschaften, Werte und Verhaltensweisen erläutert. Neun Typen klingt erst einmal ziemlich wenig, um die gesamte menschliche Vielfalt zu „katalogisieren“, allerdings interagieren die verschiedenen Klassifikationen auch miteinander. Mischformen sind ebenfalls möglich (und üblich).

Es gibt zahlreiche Bücher und Webseiten, die sich mit der Thematik befassen. Am einfachsten ist es, sich zunächst einmal selbst zu testen und einem der Typen zuordnen zu lassen. Dies geschieht durch Fragebögen unterschiedlicher Länge, z. B bei 9types oder Eclectic Energies. Natürlich ersetzen solche Online-Tests keine Enneagram-Berater, die noch genauere Einschätzungen vornehmen können, die sich aber eher der Persönlichkeitsberatung und dem Life Coaching verschrieben haben, als der Entwicklung von literarischen Figuren. Auf diesen Seiten erhälst du aber einen guten ersten Eindruck über deine Figuren (und vielleicht auch dich selbst).

Ich mache diese Tests gerne, wenn ich bereits ein wenig über eine bestimmte Figur weiß, z. B. welche Rolle sie in der Geschichte spielen soll. Es ist immer wieder erstaunlich, auf welche verschiedenen Pfade man geführt wird und um wieviel dichter die Figur wird, wenn man sich darauf einlässt.

3. Der Myers-Briggs-Typenindikator (MBTI)

Mein persönliches Highlight für dreidimensionale Figuren. Dieser Indikator wurde von Isabel Myers und Katherine Briggs in den 1920er Jahren aus C. G. Jungs Psychologischen Typen entwickelt. Beim MBTI werden die Menschen in sechzehn Typen eingeteilt, die aus vier Hauptklassen stammen. Diese vier Hauptklassen sind die Motivation zur Sinneserfahrung (Extraversion/Introversion), die Verarbeitung der Sinneseindrücke (Intuition/Sensorik), Entscheidungsfindung (Denken/Fühlen) und die Aufnahme von Eindrücken aus der Umwelt (Wahrnehmung/Beurteilung). Von der wissenschaftlichen Psychologie wird er meist abgelehnt, dennoch kann er gerade für psychologische Laien eine gute Grundlage sein, Figuren zu kreiieren, die mehr als bloße Schablonen sind. Einen guten Einstieg findet man auf der Seite 16Personalities. Den Test, den man dort durchführen kann und viele Texte gibt es auch auf Deutsch, es lohnt sich jedoch, auch die englische Fassung zu lesen, da die Informationen dort wesentlich umfangreicher sind.

Auch wenn die Psychologie nicht von der Gültigkeit überzeugt ist, ist der Typenindikator ein wunderbarer Ideenfundus für die eigenen Figuren. (Abgesehen davon habe ich mich wunderbar verstanden gefühlt, nachdem ich den Test für mich selbst gemacht hatte. Vielleicht also nicht unbedingt wissenschaftlich, aber dran ist bestimmt etwas 😉 ).

4. Tarot

Zurück in Richtung Esoterik. Von diesen Karten hat sicherlich jeder schon einmal gehört, der ein oder andere hat vielleicht sogar ein Set zuhause, das in irgendeiner Schublade verstaubt. Diese Karten werden häufig zu Weissagungen, aber auch zu psychologischen Zwecken (z. B. zur Hilfe bei der Entscheidungsfindung) genutzt. Meistens bestehen sie aus 78 Spielkarten, es gibt jedoch zahllose unterschiedliche Decks. Das heutzutage wohl bekannteste dürfte das Raider-Waite-Deck von 1910 sein.

Wahrsagerei – schön und gut, aber was hat das mit unseren Figuren zu tun? Die Karten sind hochgradig symbolisch aufgeladen, sie sind mit griechischer und nordischer Mythologie ebenso verknüpft wie mit der Zahlenmystik, der Numerologie. In einer einzigen Karte steckt schon ein reichlicher Ideenfundus, der zu weiteren Geschichten, Charakteren und Symbolen führt. Wie wenden wir diese Karten jetzt am besten auf unsere Figuren an?

Das einfachste Legesystem – von denen es übrigens ebenfalls so zahlreiche gibt wie von den Kartendecks – dürfte eine Drei-Karten-Legung sein. Man zieht also aus dem gemischten Set drei Karten: eine für die Vergangenheit der Figur, eine für die Gegenwart und eine für die Zukunft. Am besten funktioniert das, wenn man das für mehrere Lebensbereiche der Figur durchspielt, also eine Kartenlegung für die berufliche Situation, eine für das Liebesleben, eine für die familiäre Lage usw. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Das Schöne an dieser Methode ist, dass sie einem häufig eine Entwicklung der Figur in ihren unterschiedlichen Lebensbereichen sogleich mitliefert. Also: Karten raus und losgelegt!

Einige hilfreiche Beiträge abseits von den üblichen Tarotbüchern findet ihr übrigens unter der Kategorie Tarotmittwoch auf dem Blog von Frau Schreibseele.

5. Und last but not least: die Chinesische Astrologie

Eigentlich ist die chinesische Astrologie keine Astrologie im westlichen Sinne, denn sie basiert nicht auf den Berechnungen der Position der Sterne, der Sonne und des Mondes zum Zeitpunkt der Geburt, sondern auf einem Kalender, der auf verschiedenen Disziplinen fußt. Allen voran die chinesische Philosophie, darunter die Lehre von Yin und Yang, die Lehre von den fünf Elementen und diverse andere Einzeldisziplinen, die einander bedingen.

Im Gegensatz zur westlichen Astrologie, in der sämtliche Horoskop-Konstellationen innerhalb eines Kalenderjahres durchlaufen werden, besteht der Zyklus der chinesischen Astrologie aus 60 Mondjahren. Diese 60 Jahre sind noch einmal in kleinere Zyklen zu je 12 Jahren unterteilt, denen je ein Sternzeichen zugeordnet ist.

Das chinesische Sternzeichen wird – vereinfacht ausgedrückt –  vom Geburtsjahr und der Geburtsstunde bestimmt, denen je ein Element und ein Zeichen zugeteilt werden. Aktuell befinden wir uns in 2018 und damit im Jahr des Erde-Hundes.
Wie wir es vom westlichen Horoskop auch kennen, werden den asiatischen Sternzeichen ebenfalls bestimmte Eigenschaften, Verhaltensweisen etc. zugesprochen, die bei der Erstellung von Romanfiguren sehr hilfreich sein können. In welchem Jahr ist eure Figur geboren? Schaut doch mal, ob ihr sie in ihrem asiatischen Sternzeichen wiedererkennt.

Muss ich alle Methoden nutzen?

Das war nun erst einmal einiges an Input. Gewiss „muss“ man nicht alle hier genannten Methoden nutzen, um eine dreidimensionale Figur zu erschaffen. Aber sie können hilfreich sein, wenn man das Gefühl hat, den Charakter noch nicht gut genug zu kennen.

Welche Methoden nutzt du, um deine Figuren kennenzulernen? Hast du eine von den oben genannten bereits ausprobiert? War sie hilfreich für dich?

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BUCHTIPPS:

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Ablenkungsfreies Schreiben

Organisation für Autoren

Dieser Artikel ist der Auftakt zur Blogreihe »Ablenkungsfreies Schreiben«, in der ich dir ein paar Tipps und Tricks an die Hand gebe, wie du während des Schreibens bei der Stange bleiben kannst.

Wer von uns kennt das nicht? Da haben wir uns gerade mit einer Tasse Kaffee oder Tee an den Schreibtisch gesetzt, mit dem festen Vorsatz mindestens 1.000 Wörter zu Papier zu bringen oder endlich die Szene zu Ende zu schreiben, an der wir schon ein paar Tage lang knabbern. Und dann? Klingelt das Telefon. Oder der Postbote steht vor der Tür. Eine eilige E-Mail trudelt ein, die wir erst noch beantworten wollen. Der Partner ruft: »Schaaatz, kannst du mal kurz …?«. Außerdem ist gleich die Waschmaschine durchgelaufen. Und der Boden müsste eigentlich auch mal wieder gewischt werden …

All diese Dinge sind wichtig, manche vielleicht mehr, andere weniger. Und all diese kleinen Erledigungen, die für sich genommen nur wenige Minuten in Anspruch nehmen, kosten uns in ihrer Masse reichlich Schreibzeit, wenn wir sie »mal eben« dann erledigen, wenn eigentlich unsere Geschichte wachsen und gedeihen sollte.

In nahezu jedem Schreibratgeber, den ich zu diesem Thema gelesen habe, wird Folgendes empfohlen: Mach feste Termine mit dir zum Schreiben aus. Verabrede dich mit dir selbst zu einem Schreibdate wie du dich mit einem guten Freund verabreden würdest. Diesen würdest du ja auch nicht wegen einer durchgelaufenen Waschmaschinenladung versetzen, oder?

Ach, du heilige Schreibzeit

Ja, deine Schreibzeit ist heilig! Auch neben all den alltäglichen Aufgaben und Herausforderungen, die dir plötzlich irgendwie wichtiger erscheinen.Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn du in dieser Zeit das Telefon ausstöpselst und die Wollmäuse noch ein wenig in deiner Wohnung umherflitzen lässt.

Für viele Autoren hat es sich bewährt, zu festgesetzten Zeiten zu schreiben. So stand Ernest Hemingway zeit seines Lebens früh auf – meistens zwischen halb sechs und sechs – und setzte sich zügig an den Schreibtisch. Die morgendliche Stille beflügelte ihn, mehrere Stunden am Stück zu schreiben, mal mit Stift und Papier, wenn es gut lief, auch auf der Schreibmaschine. Er notierte sich jeden Tag seine Zahl an geschriebenen Worten, um seinen Fortschritt zu dokumentieren. Ein interessantes Detail ist, das Hemingway grundsätzlich im Stehen an einem brusthohen Regal schrieb.[1] Die vielzitierte Aussage »Autoren sollten stehend an einem Pult schreiben. Dann würden ihnen ganz von selbst kurze Sätze einfallen.« kommt nicht von ungefähr.

Auch Charles Dickens war unglaublich diszipliniert, was seine Schreibzeit anging. Pünktlich um neun Uhr morgens saß er am Schreibtisch, bis er mit seiner Familie zu Mittag aß. Danach zog er sich wieder in sein Arbeitszimmer zurück, bis er sich um vierzehn Uhr zu seinem täglichen, dreistündigen Spaziergang aufmachte. An einem durchschnittlichen Tag schaffte er auf diese Weise etwa zweitausend Wörter, wenn ihn die Muse küsste, konnten es auch doppelt so viele werden. Auch wenn Dickens nicht schrieb, hielt er seine Arbeitszeiten ein, dachte nach, schaute aus dem Fenster oder notierte sich Einfälle und Ideen. Nicht nur in Bezug auf seine Arbeitszeiten, sondern auch im Hinblick auf sein Arbeitszimmer hatte Dickens äußerst präzise Vorstellungen: Sein Schreibtisch stand am Fenster, darauf sein Arbeitsmaterial, bestehend aus einer Gänsefeder, blauer Tinte und Papier, neben diversen Ziergegenständen, wie ein Blumenstrauß, kleine Statuetten und ein Brieföffner.[2]

Nicht nur Dickens war sich der Wichtigkeit eines Arbeitszimmers bewusst, auch zeitgenössische Autoren wie z. B. Stephen King sind davon überzeugt, dass ein abgegrenzter Raum nicht nur positiven Einfluss auf das eigenen Schreiben hat, sondern durchaus notwendig ist. So schreibt er in seinem Buch »Das Leben und das Schreiben«: Der Raum kann knapp bemessen sein […] und braucht eigentlich nur eins: eine Tür, die Sie hinter sich schließen können. Mit einer geschlossenen Tür sagen Sie dem Rest der Welt und sich selbst, daß Sie jetzt bei der Arbeit sind; Sie haben sich verblindlich fürs Schreiben entschieden und möchten konzentriert bei der Sache sein. Wenn Sie Ihr neues Arbeitszimmer betreten und die Tür hinter sich schließen, sollten Sie sich ein tägliches Ziel gesetzt haben. Wie auch bei körperlichen Übungen wäre es ratsam, das Ziel anfangs nicht zu hoch zu setzen, damit Sie nicht entmutigt werden. Ich schlage tausend Wörter pro Tag vor, und weil ich gerade in Spendierlaune bin, würde ich sagen, Sie können sich einen Tag in der Woche freinehmen, am Anfang wenigstens.[3]

Eine einzuhaltende Schreibzeit und ein abgeschlossener Arbeitsbereich sind eng miteinander verbunden. Wenn du nicht gerade alleine wohnst, sondern vielleicht mit deinen Eltern oder deinem Partner und deinen Kindern zusammen, ist es nicht immer einfach, diesen geschlossenen Raum und die Zeit, die du für dein Schreiben brauchst, einzufordern. Das klappt nur, wenn du deine Mitbewohner einbeziehst, wenn du ihnen verständlich machst, dass diese eine Stunde am Tag (vielleicht auch mehr oder weniger) ausschließlich dir und deinem Schreiben gehört. Und in dieser Stunde arbeitest du  wirklich an deinem Manuskript, recherchierst oder tust das, was als nächstes im Hinblick auf dein Buch ansteht. Kein Social Media in dieser Zeit! Nein, auch nicht »mal eben nur gucken«. Das erfordert einiges an Disziplin, ich weiß. Aber es ist möglich, sich nicht ablenken zu lassen. In den folgenden Artikeln dieser Blogreihe werde ich dir einige Methoden vorstellen.

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[1] Currey, Mason: Musenküsse.* Für mein kreatives Pensum gehe ich unter die Dusche (2014), S. 84ff.
[2] ders. S. 234 ff.
[3] King, Stephen: Das Leben und das Schreiben* (2000), S. 173 f.
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Ein Autor ist ein Autor ist ein Autor

Autorenleben

Alles, was du willst, ist auf der anderen Seite der Angst.
Jack Canfield

Zögerst du, dich Autor oder gar Schriftsteller zu nennen, weil du das Gefühl hast, du würdest diese Bezeichnung (noch) gar nicht verdienen? Dann ist dieser Artikel für dich. Denn wenn du schreibst, bist du Autor, auch wenn du bisher noch nichts veröffentlicht hast und/oder mit deinen Arbeiten kein Geld verdienst.

Definiere dich nicht darüber, was die Zukunft möglicherweise bringen oder auch nicht bringen mag. Die Art und Weise, wie du selbst über deine Tätigkeit denkst, wie du dich als kreativer Kopf bezeichnest, hat großen Einfluss darauf, wie du dich selbst wahrnimmst. Möglichweise ertappst du dich des Öfteren bei einem ähnlichen Gedanken wie folgt:

  • Wenn ich mein erstes Buch veröffentlicht habe, dann habe ich das Gefühl, ein richtiger Autor zu sein.
  • Wenn ich bei einem Verlag unter Vertrag genommen wurde, dann bin ich ein richtiger Autor.
  • Wenn ich vom Schreiben leben kann, bin ich ein richtiger Autor.
  • Wenn …, dann …

Diese Liste lässt sich beliebig fortführen. Viele Jungautoren gehen davon aus, dass sich irgendwann automatisch das Gefühl einstellt, es nun »geschafft« zu haben. Doch in Wirklichkeit stellt sich dieses Empfinden bei den meisten nicht plötzlich wie von selbst ein.

Natürlich ist die Scheu groß, sich selbst eine Berufsbezeichnung zu verpassen, für die man keine nachweisbare Ausbildung gemacht hat, und sich selbst zum Kollegen von Stars am Literaturhimmel wie King, Rowling oder gar Tolkien zu ernennen. Ganz schön vermessen, nicht wahr?

Wir sind sehr gut darin, uns selbst zu degradieren. Häufig laufen wir gerade dann zu kreativen Höchstleistungen auf, wenn es darum geht, unser Licht unter einen Scheffel zu stellen. Falls wir überhaupt zu unserem kreativen Schaffen stehen und – Gott bewahre! – mit jemandem darüber sprechen müssen, bezeichnen wir uns bestenfalls als »Schreiberling« oder »Hobbyautor«. Auf den ersten Blick mögen diese Wörter nicht schlimm, vielleicht sogar niedlich klingen. Doch sie festigen eine Vorstellung von uns selbst, die wir nur schwer wieder loslassen können. Mit diesen Bezeichnungen machen wir uns selber klein. Darauf deutet schon das Suffix -ling hin. Ein Wort, das auf diese Silbe endet, kann kaum etwas Großes bezeichnen und ist häufig umgangssprachlich abwertend gemeint. Man denke nur an Däumling, Schwächling, Günstling, Lüstling, Schönling usw. Eine seltene, aber angenehme Ausnahme von dieser Regel dürfte gewiss der Liebling sein, die anderen Bezeichnungen würde man wohl eher nicht so gern in Bezug auf sich selbst hören wollen.

Sehr beliebt, um uns selbst zu sabotieren, sind auch Formulierungen wie »Ach, das sind doch bloß Fanfictions/Gedichte/Kritzeleien«, »So gut bin ich auch wieder nicht«, »Ich mache das nur als Hobby« usw. Sicherlich hast du dich bereits bei ähnlichen Gedankengängen oder Aussagen ertappt, meistens kommen sie uns jedoch ganz automatisch in den Sinn und über die Lippen. Es ist beinahe wie ein Reflex. Weil wir uns schämen, weil wir erwarten, dass uns Hohn und Spott entgegenschlagen, wenn wir uns als Autor bezeichnen, obwohl wir keine nennenswerte Veröffentlichung vorzuweisen haben. Für viele zählt nicht der Prozess, sondern lediglich das Ergebnis. Schließlich schaut uns niemand über die Schulter, wenn wir in unserer Schreibstube sitzen, um Worte ringen oder zum drölfzigsten Mal diese verdammte Szene überarbeiten, die einfach nicht so werden will, wie wir uns das vorstellen.

Doch es ist der Prozess, der ausschlaggebend ist. Das deutsche Wort Autor hat seinen Ursprung in dem lateinischen Begriff auctor, was so viel wie Urheber oder Schöpfer bedeutet, wörtlicher jedoch mit Mehrer oder Förderer übersetzt werden kann. Man versteht unter einem Autor also lediglich den Urheber eines Textes. Von Erfolg, Veröffentlichung oder dem großen Geld ist da nicht die Rede.

Noch deutlicher wird es, wenn wir uns das englische Äquivalent ansehen. Das Wort Author bezeichnet wie unser deutscher Autor den Urheber eines Textes, ebenso wie der Begriff Writer. Das ist interessant, denn im Deutschen haben wir nur ein Wort dafür. Wollten wir Writer so wörtlich wie möglich übersetzen, würden wir es vermutlich mit Schreiber oder Schreibender versuchen. Hier wird die Unterscheidung deutlich, da auf den Prozess verwiesen wird, nicht auf den veröffentlichten Artikel oder den vom Feuilleton gefeierten Roman. Es geht schlicht und einfach um die Tätigkeit des Schreibens. Wenn du also schreibst, bist du bereits ein richtiger Autor. Hier und jetzt, nicht erst wenn dieses eingetroffen oder jenes passiert ist.

Degradiere dich nicht selbst, indem du abwertende Bezeichnungen für dich und die Tätigkeit nutzt, die du liebst. Begegne ihr und dir selbst mit dem gebührenden Respekt. Du musst ja nicht gleich Visitenkarten in Tausenderauflage mit der Berufsbezeichnung Autor in Auftrag geben. (Obwohl das durchaus ein enormer Motivationsschub sein kann. Für den Anfang könntest du es ja bei zweihundertfünfzig Stück belassen 😉 )

Vielleicht hilft dir ein kleines Mantra  dabei, mehr Selbstbewusstsein in Bezug auf die Tätigkeit des Schreibens zu entwickeln. So etwas wie »Ich schreibe, also bin ich Autor« oder eine ähnliche Formulierung, die du dir wiederholt (laut!) sagst, kann dein Selbstbild verändern und dir das Selbstvertrauen geben, dich ganz selbstverständlich als Autor zu zu sehen.

Oder vielleicht traust du dich in einem Gespräch auf die Frage »Und, was machst du so?« mit »Ich schreibe« zu antworten. Oftmals sind die Gesprächspartner daran wesentlich interessierter, als man denkt. Berufe haben schließlich die meisten, seine Berufung muss man aber erst einmal finden.

Bezeichnest du dich selbst als Autor? Wenn ja: Wann hast du dich dazu entschieden? Wenn nein: Warum nicht?

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Die Macht der Worte

Autorenleben

Als Autor weißt du, dass Worten eine besondere Macht innewohnt. Sie können schmeicheln, überzeugen und informieren, aber auch verletzen. Deshalb ist es so wichtig, achtsam mit unseren Worten und letztlich auch mit unseren Gedanken umzugehen. Sie formen unsere Welt und uns selbst.

Wie wir mit Worten umgehen, sagt viel über uns selbst aus. Erwischst du dich auch des Öfteren dabei, viele negativ konnotierte Wörter in deinem Alltag zu nutzen? Es ist „blöd“, wenn uns der Bus vor der Nase wegfährt, die „nervige“ Nachbarin „tratscht“ schon wieder und der Tag auf der Arbeit war einfach nur „stressig“.

Natürlich haben wir alle mal Tage, an denen nichts so zu laufen scheint, wie wir es gerne hätten. Es geht auch gar nicht darum, solche negativen Erlebnisse zu negieren oder zu verdrängen. Wir können gar nicht alle ständig glücklich sein. Es gibt Zeiten in unser aller Leben, die wir gerne vergessen würden, mit denen wir nicht mehr in Verbindung gebracht werden wollen. Letztendlich geht es darum, wie wir mit diesen kleinen wie großen Erlebnissen umgehen – was mich wieder zu den Wörter führt. Natürlich können wir sagen: „Okay, die Zeit damals war echt Mist, aber ich habe daraus das und das gelernt.“

Allein durch unsere Worte und Gedanken haben wir die Macht, vielen Geschehnissen den Schrecken zu nehmen und die kleinen Ärgernisse des Alltags vielleicht sogar in etwas Positives zu verwandeln.

Das, was für dein Leben gilt, spielt natürlich auch in Bezug auf deine Schreibtätigkeit eine Rolle. Wenn du dir tagtäglich sagst: „Ich bin nicht gut genug. Ich werde dieses Buch nie beenden. Das, was ich schreibe, ist das Schlechteste, was je geschrieben wurde“, dann setzt sich das in deinem Unterbewusstsein fest.

Seien wir mal ehrlich: Diese Gedanken kennen wir alle, sie tauchen mal mehr, mal weniger penetrant auf. Aber sie sind nicht gesund. Sie sorgen dafür, dass wir uns schlecht fühlen, dass wir unsere künstlerische Arbeit als minderwertig erachten. Das ist Gift für jede Form von Kreativität.

Aber was kannst du dagegen tun? Diese Gedanken kommen schließlich einfach so und lassen sich nicht verhindern – oder?

Wahrscheinlich ist es in der Tat nicht möglich – ja, vielleicht nicht einmal sinnvoll  -, solche negativen Gedanken völlig von uns fernzuhalten. Aber es liegt in deiner Hand zu entscheiden, wie du mit ihnen umgehen möchtest. Hier kann dir Achtsamkeit ein Wegweiser sein. Jedes Mal, wenn du deinen inneren Kritiker wieder dabei erwischst, deine Arbeit (und damit auch dich selbst) runterzumachen, halte einfach einen Moment inne. Das ist der erste Schritt, denn oft erkennen wir diese negativen Gedankenmuster gar nicht, so eingespielt sind sie schon, so sehr sind sie uns in Fleisch und Blut übergegangen. Wenn du einen solchen Gedankengang bei dir feststellst, schimpfe nicht gleich wieder mit dir! „Du sollst doch nicht so schlecht von dir denken! Hör auf damit! Warum machst du dich selbst wieder klein, das ist schlecht!“ – Nein. Du kannst ganz neutral feststellen, dass du hier wieder in negative Gedankenmuster abdriftest und diesen im nächsten Schritt entgegensteuern.

Eine erste Hilfe leisten dabei Relativierungen. Wenn du ganz ehrlich bist: Du glaubst nicht wirklich, dass der Text, den du gerade schreibst, der schlechteste ist, an dem jemals ein Autor gearbeitet hat. Wenn du das wirklich glauben würdest, woher nimmst du dann die Kraft, dennoch daran weiterzuarbeiten? Falls dich also der kleine Schulterteufel zutextet und dir sagt, wie schlecht du bist, sage dir: „Okay, das, was ich bisher geschrieben habe, ist vielleicht nicht perfekt. Aber das macht nichts. Ich kann es später immer noch überarbeiten.“

Sei gut zu dir und der Arbeit, die du leistest!

Ein weiterer Schritt, die negativen Gedanken gar nicht erst die Oberhand gewinnen zu lassen, sind Affirmationen. Der Begriff stammt vom lateinischen Wort affirmatio, was so viel bedeutet wie Bejahung oder Bestätigung. Wir können Affirmationen nutzen, um negative Glaubenssätze zu überwinden, die sich in unser Unterbewusstsein eingeschlichen haben und uns in unseren Tätigkeiten einschränken, uns vielleicht sogar lähmen.

Möglicherweise kennst du mehrere dieser negativen Glaubenssätze:

Ich werde als Schriftsteller nicht erfolgreich sein, weil …

  • ich nicht gut genug bin.
  • andere viel besser sind als ich.
  • niemand an mich glaubt – auch ich selbst nicht.
  • ich faul bin.
  • ich Geschichten schreibe, die niemand lesen will.
  • sowieso niemand bereit ist, dafür Geld auszugeben.
  • ich aus Angst vor Kritik lieber erst gar nichts veröffentliche.
  • ich keine guten Ideen habe.
  • ich nicht kreativ genug bin.
  • mein Schreibstil eine Katastrophe ist.
  • meine Familie/meine Freunde meinen, ich verschwende meine Zeit.
  • ich es nicht verdiene, erfolgreich zu sein.
  • die Welt ungerecht ist.

Hast du dich in der ein oder anderen Formulierung wiedererkannt? Es gibt zahllose weitere Gedanken, die uns immer wieder zu bestätigen scheinen, warum wir nicht erfolgreich sein können. Mit diesen negativen Glaubenssätzen versichern wir uns selbst, dass – egal, was wir tun, egal, wie sehr wir uns anstrengen – der Erfolg sowieso ausbleiben wird. Es ist schon paradox, denn in dieser »Versicherung« finden wir tatsächlich Sicherheit. Wir haben Angst vor dem Aufbruch ins Unbekannte, vor einem kreativen Leben. Dies ist auch der Grund, warum so viele junge Autoren ihre schriftstellerische Tätigkeit am liebsten gleich verschweigen. Sie haben Angst vor Ablehnung, davor, unangenehme Fragen beantworten oder das Gefühl haben, sich rechtfertigen zu müssen.

Doch wir können ganz bewusst etwas gegen diese unangenehmen Gefühle tun, die sich immer wieder breitmachen und unser Licht unter den Scheffel stellen wollen, in dem wir sie identifizieren wenn sie auftauchen und sie Stück für Stück durch Affirmationen ersetzen. Gewiss erfordert das ein wenig Arbeit und auch eine Spur Disziplin. Natürlich ist es einfacher, die Negativität, die uns ab und an durchströmt einfach zu ertragen, nach dem Motto: Geht schon von selbst wieder weg. Leider stimmt das nicht immer. Jeder dieser negativen Gedanken festigt das Bild, das wir uns von uns selbst gemacht haben. Durch dieses negative Denken können Schreibblockaden entstehen, vielleicht fängt der ein oder andere aufgrund dessen gar nicht erst an zu schreiben, denn: „Es bringt ja eh nichts, weil ich nicht gut genug bin.“

Die Autorin Julia Cameron schreibt in ihrem Buch Der Weg des Künstlers* dazu: »Keiner dieser negativen Glaubenssätze muss wahr sein. Sie werden uns von unseren Eltern, unserer Religion, unserer Kultur und unseren ängstlichen Freunden eingeimpft. Jeder dieser Glaubenssätze spiegelt Vorstellungen im Hinblick darauf wider, was es bedeutet, Künstler zu sein. […] Wir müssen uns mit ihnen konfrontieren. Negative Glaubenssätze sind genau das, nämlich Glaubenssätze und keine Tatsachen.«[1]

Das ist die gute Nachricht: Es sind keine Tatsachen. Wir haben die Macht, diese Denkmuster zu durchbrechen, indem wir sie identifizieren und durch Affirmationen ersetzen. Wie geht das nun? Gehe in einen Dialog mit dir selbst und betrachte dich und deine Arbeit wohlwollend. Was verdienst du wirklich an Anerkennung? Wie möchtest du dich selbst sehen, wie möchtest du von außen wahrgenommen werden?

Mögliche Affirmationen sind z. B.:

  • Ich verdiene es, mit meinen Texten erfolgreich zu sein.
  • Ich habe ein kreatives Talent.
  • Ich habe großartige Ideen.
  • Ich bin ein grandioser und produktiver Schriftsteller.

Die Arbeit mit diesen positiven Glaubenssätzen mag dir zunächst banal erscheinen, vielleicht ist es dir sogar peinlich. Wir tun uns häufig schwer damit, positiv von uns selbst zu sprechen, sind viel eher in der Lage, unsere vermeintlichen Schwächen zu definieren. Wenn du deine persönlichen Affirmationen gefunden hast, wird sich garantiert wieder der innere Kritiker zu Wort melden. Eigenlob mag er nämlich gar nicht – („Eigenlob stinkt“ ist auch so ein negativer Glaubenssatz, der uns bereits in der Kindheit eingebläut wird).

Dieser innere Kritiker wird alles daran setzen, unsere neuen Affirmationen zu widerlegen. Häufig wird er dabei gemein, geradezu bösartig: »Du hast doch keine Ahnung! Glaubst du den Quatsch wirklich? Das bringt doch alles nichts! Du beherrscht doch nicht einmal die Rechtschreibung!«

Notiere dir all diese Gemeinheiten und stelle dir die Frage: Woher kommen sie? Mit wessen Stimme spricht dein innerer Kritiker? Vielleicht kennst du sie? Ist es die Stimme eines Elternteils oder möglicherweise eines (ehemaligen) Lehrers? Mache eine Reise in deine Vergangenheit, in deine Erfahrungen. Möglicherweise wurden diese Worte nie laut ausgesprochen, aber du verbindest ein Gefühl von Peinlichkeit, Scham oder Ablehnung mit ihnen. Wenn du ergründest, wo diese negativen Überzeugungen herkommen, kannst du dich ihnen entgegenstellen und mit deinem neuen, positiven Denken und einem wohwollenden Selbstbild zu arbeiten beginnen.

Der Autor von Miracle Morning*, Hal Elrod, empfiehlt, die persönlichen Affirmationen ganz bewusst zu gestalten, so dass sie mit dem übereinstimmen, was du erreichen möchtest. Nur so kannst du sicher sein, nicht wieder fremde Glaubenssätze zu übernehmen. Frage dich: Was wünsche ich mir? Wie soll mein Leben aussehen? (Das gilt im übrigen nicht nur für die schriftstellerische oder kreative Tätigkeit. Diese Fragen kannst du dir für alle Bereiche deines Lebens stellen – Beziehung, Job, Finanzen, Fitness, Familie etc. – und für jeden Bereich gesondert Affirmationen erstellen.

Genauso wie die negativen Glaubenssätze sind Affirmationen nicht in Stein gemeißelt. Du kannst sie jederzeit anpassen, ersetzen oder verwerfen.

Nun hast du also eine ganze Liste von Affirmationen – vielleicht aber auch nur eine zu einem Bereich, der dir besonders am Herzen liegt. Was nun damit anfangen? Irgendwo vergessen in einer Schreibtischschublade sind sie wenig hilfreich. »Diese Affirmationen sollten Sie täglich wiederholen und am besten laut aussprechen. Ganz allmählich werden sie die Art, wie Sie denken und fühlen, verändern, und Sie können einschränkende Glaubenssätze und Verhaltensweisen überwinden und durch solche ersetzen, die Ihnen Erfolg bescheren werden«[2], schreibt Elrod.

Klingt erst einmal schräg, oder? Es kostet einige Überwindung, laut mit sich selbst zu sprechen. Selbst wenn man alleine ist, kommt man sich unglaublich dämlich dabei vor. Irgendwann geht es dir jedoch in Fleisch und Blut über. Und nach ein paar Wochen oder Monaten, in denen du deine Affirmationen immer wieder verinnerlicht hast, wird der entsprechende negative Gedanke ersetzt werden. Trau dir zu, deine Ängste und schlechten Angewohnheiten abstellen und in etwas Positives umwandeln zu können. Was hast du zu verlieren?

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[1] Cameron, Julia: Der Weg des Künstlers* (2009), S. 66.
[2] Elrod, Hal: Miracle Morning* (2016), S. 92.

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Herzlich willkommen auf dem Blog der Texteule!

Blog

»Schreiben ist Tanzen mit Worten.«

So habe ich es in einem Schreibkurs im Studium einmal ausgedrückt. Und genauso würde ich es heute auch noch bezeichnen. Sprache folgt einem bestimmten Rhythmus, kann wohlklingend sein und dazu verleiten, sich im Takt zu bewegen, oder so misstönend, dass man andauernd darüber stolpert. Sicherlich kennst du das Gefühl, wenn plötzlich dein Lieblingslied aus den Boxen dröhnt, du die Augen schließt, dein Herz im Takt mit der Musik zu schlagen beginnt und du gar nicht anders kannst, als dich ganz den Noten hinzugeben. So ähnlich kann es auch beim Schreiben sein, wenn wir den sogenannten Flow erreichen, einen Zustand, in dem wir uns selbst und alles andere um uns herum vergessen und ganz und gar in unserer kreativen Tätigkeit aufgehen. In diesem Moment fliegen unsere Finger über die Tasten, ein Gedanke folgt auf den nächsten, mit großer Wahrscheinlichkeit liegt sogar ein Lächeln auf unseren Lippen.

Und dann gibt es diese Tage, an denen wir um jedes Wort ringen, an denen es sich anfühlt, als wäre unser Gehirn nicht mehr in der Lage, die Leichtigkeit zu rekonstruieren, mit der wir uns gestern noch mit den Worten vergnügt haben. Das ist ärgerlich, ja, aber auch völlig normal. So wie jeder Profitänzer schlechte Tage hat, an denen ihm die Schrittfolge einfach nicht gelingen will, so geht es auch uns Autoren. Dann helfen Übung, Durchhaltevermögen und Disziplin, um wieder in unseren (Schreib-)Rhythmus zu finden.

Schreiben ist keine exakte Disziplin, deren Regeln man einmal lernt und dann beherrscht. Man kann intuitiv vieles richtig machen und mit viel gelerntem Wissen auch genauso vieles falsch. Wobei es die Kategorien Richtig und Falsch beim Schreiben eigentlich gar nicht nicht gibt. Erlaubt ist, was (dir und dem Leser) gefällt. Regeln kann man lernen, sie lassen sich aber beugen oder – gewusst wie – auch brechen. Es wird in diesem Blog daher keine allgemeingültigen Schreibregeln geben, nichts, von dem ich behaupten werde, dass du es in dieser Art und Weise machen musst oder keinesfalls so machen darfst. Ich möchte Hilfestellung bieten und zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Schreiben anregen und keine Regeln aufstellen.

Ich hoffe, dass du hier hilfreiche Tipps für dein Autorenleben und dein Schreiben finden kannst. Ich werde jedenfalls mein Bestes geben, um dir abwechslungsreiche Artikel zu bieten, die hoffentlich den ein oder anderen Aha-Effekt für dich bereithalten. Sehr gerne kannst du mir per Mail oder über die Kommentarfunktion auch Artikelthemen vorschlagen, die dich umtreiben und interessieren, über die du noch nicht so viel gefunden hast und lesen konntest, wie du es gerne würdest. Wenn es mir möglich ist und es sich anbietet, werde ich sehr gerne darauf eingehen.

Ich freue mich auf deinen nächsten Besuch! Im nächsten Artikel geht es um die Macht der Worte.

Bis dahin
deine

Unterschrift

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